Die Auswahl des richtigen Lautsprechers

Die Auswahl des richtigen Lautsprechers

Die Raum-Reflexions-Falle: Welcher Lautsprecher passt wirklich zu mir?

Im heutigen Artikel möchte ich ein Thema besprechen welches wohl Jeden in unserem Hobby beschäftigt. Was ist der richtige Lautsprecher für mich? Es gibt eine Reihe von Fragen die ich mir vorab stellen sollte:

  • wie groß ist mein Raum?
  • welche Art Musik höre ich?
  • wie hoch ist mein persönliches Budget

Wie groß ist mein Raum?

Weshalb ist die Frage elementar wichtig für die Auswahl meiner Lautsprecher? Dieses Thema birgt wohl die meisten Kontroversen. Kann ich einen großen Lautsprecher in einen kleinen Raum stellen. Ja ich kann und es ist eine gängige Praxis. Wir müssen uns jedoch fragen; macht das wirklich Sinn?

„Viele Wege führen nach Rom; ein Ausspruch der wohl jedem geläufig ist“

Ein Lautsprecher mit einem großen Dynamikumfang und die Schattenseite über die nicht gerne gesprochen wird

Jeder möchte einen Lautsprecher mit einem großen Dynamikumfang. Der Lautsprecher muss viel tiefen Bass machen. Aber tue ich mir in einem kleinen Raum wirklich einen Gefallen damit. Die Antwort ist nein! Kommt der Bass aus einer Quelle ist es ungemein schwierig diesen an einen kleinen Raum anzubinden. Tiefe Bassfrequenzen zeichnen sich durch große Wellenlängen aus, der Lautsprecher pumpt sehr viel Energie in meinen Raum.

Die Ausbreitung des Basses erfolgt kreisförmig und bewegt sich in einer Welle durch meinen Raum. Übersteigt die Länge der Welle meine Raumdimensionen, schwappt dieser unweigerlich zurück. Selbst wenn der Frequenzgang durch die Auswahl meiner Hörposition halbwegs tolerierbar ist, die Raumprobleme werden verlagert. Eine Ecke meines Raumes wird dröhnen, während in einer anderen Ecke kein Bass vorhanden ist.

Nicht schlimm, ich höre doch am Hörplatz?

Nein, auch das was um mich herum in meinem Raum passiert prägt den Höreindruck mit einer zeitlichen Verzögerung. Ein ausgewachsener 3 Wege Standlautsprecher bedarf einen gewissen Hörabstand damit die Frequenzen zeitgleich an meinem Ohr ankommen. Das sogenannte Time allignment ist entscheiden für die Verortung innerhalb der Stereobühne.

Kann ich die Abstände nicht einhalten aufgrund meiner Raumdimensionen, bietet mir ein 3 Weger keinen Vorteil gegenüber einem 2 Wege System, außer dem Dynamikumfang. Die Räumlichkeit und Verortung einzelner Elemente innerhalb der Stereobühne ist eine klare Stärke eines 2 Wegers in einem kleinen Raum. Selbstverständlich kann ein kleiner 2 Weger nicht den tiefen Bass eines ausgewachsenen Standlautsprechers erreichen, hier kommen wir zu einem Konzept, welches beide Stärken kombiniert:

Die Verpaarung eines Kompakten mit einem passenden Paar Subwoofer. Punktschallquellen generieren eine sehr gute Räumlichkeit, kombiniert mit der Option den vollen Frequenzumfang darstellen zu können ergibt sich ein vollwertiges Mehrwegesystem. Viele Subs verfügen bereits über DSPs und erleichtern die Anbindung an den Raum, alternativ lässt sich ein günstiges System wie DS peaker kombinieren.

Der Trick ist den Raum aus einer anderen Richtung anzuregen wie die Standlautsprecher. Kann ich nicht auf meine riesigen 3 Weger verzichten bietet sich eine elektronische Entzerrung an, hierzu gerne das Mackern Physics Lab besuchen.

Die Musik welche ich höre bestimmt den Lautsprecher

Die nächste Frage die ich mir stellen muss ist: Benötige ich einen riesigen Frequenzumfang? Wer gerne Musik hört die viele tiefe Frequenzen beinhaltet wie Großorchester oder Orgelkonzerte kommt mit einem kleinen 2-Weger schnell an die Grenzen der Physik. Ein Flügel deckt einen Frequenzumfang von 28 Hertz bis 4 kHz ab; möchte ich dies also realistisch hören, sollte mein Lautsprecher diese Frequenzen auch darstellen können. Natürlich lässt sich ein Piano auch so genießen. Klar sollte werden: Höre ich keine solche Musik, benötige ich auch nicht unbedingt einen Lautsprecher, der diesen Frequenzumfang abdeckt. Für einen großen Teil der Musik ist die Impulskraft der Lautsprecher entscheidend.

Das Fazit: Physik schlägt Sturheit

Am Ende des Tages bleibt uns Audiophilen wohl nur die bittere Einsicht: Weder der dickste Standlautsprecher der Welt noch die liebevollste Verleugnung der Physik zaubern uns einen sauberen Bass in dein Wohnraum. Wer also seine Nachbarn behalten und gleichzeitig die Ohren intakt halten will, kombiniert entweder klug Kompaktboxen mit Subs oder freundet sich rechtzeitig mit digitaler Raumkorrektur an – bevor Du dich ans Dröhnen gewöhnst und das mit Bassqualität gleichsetzt.