Warum hält sich dieser Begriff dann so hartnäckig in der Szene? Ganz einfach: „Musikalität“ ist das perfekte semantische Fluchtwort. Es ist der Kuschelpulli der HiFi-Schreiberlinge. Immer dann, wenn ein Gerät messtechnisch eigentlich eine Vollkatastrophe ist, wenn es Details im Hochton gnadenlos verschluckt, den Bass aufweicht wie einen Schwamm im Spülbecken
Um die Tragik dieser Geschichte zu verstehen, muss man zurück in die frühen 70er Jahre gehen. Die Frankfurter Firma Braun war damals das Maß aller Dinge im deutschen Design und Engineering. Unter der Ästhetik von Dieter Rams entstanden Geräte, die heute als Ikonen im Museum of Modern Art stehen. Franz Petrik war dort einer der fähigsten Köpfe in der Lautsprecherentwicklung.
Wer sich mit HiFi-Geräten, dem Restaurieren von alten Verstärker-Boliden auf dem Werktisch oder dem Kauf neuer Audio-Komponenten beschäftigt, stolpert in den Datenblättern unweigerlich über eine der wichtigsten Kenngrößen der Audiotechnik: den Rauschabstand. Oft auch als Signal-Rausch-Abstand, S/N Ratio oder schlicht SNR (Signal-to-Noise Ratio) bezeichnet
Nach unzähligen Lautsprechern und tonnenweise ausgetauschten Verstärkern sollte man irgendwann mal begreifen: Der Raum leistet den massivsten Beitrag dazu, ob man mit dem heimischen Klang zufrieden ist oder nicht. Aber sind wir mal ehrlich: Wenn man sich für Lautsprecher entscheidet, die für das eigene Wohnzimmer viel zu groß sind, aber das eigene Ego einfach nichts anderes zulässt, dann holt man sich die Dröhner des Todes direkt mit in die Bude.
Hand aufs Herz: Wir High-Ender sind ein eigenwilliges Völkchen. Wir jagen dem perfekten Klang hinterher, geben Unsummen für Kabel aus, die dicker sind als mein Arm, und diskutieren nächtelang über die Räumlichkeit einer Triangel-Aufnahme von 1962. Aber es gibt ein schmutziges kleines Geheimnis in unserer digitalen Audiowelt, das uns die Suppe versalzt, ohne dass wir es merken: Intersample Peaks. Und während wir uns über die Dynamik von Vinyl auslassen, haben wir uns klammheimlich an einen Sound gewöhnt, der eigentlich „kaputt“ ist. Aber der Reihe nach.
Man jagt der Illusion hinterher, aus der heimischen Anlage auch noch die letzten 2 % herauszuquetschen. Plötzlich geht es nicht mehr um Musik, sondern um die richtige Kabellage. Silber, Kupfer, kryogenisiert, von Jungfrauen bei Vollmond geflochten – you name it. Dann kommen Netzfilter, handgeklöppelte Feinsicherungen, Schwingungsdämpfer für den CD-Player und neuerdings die absolute Speerspitze der audiophilen Neurose: LAN-Aufbereitung.
Bassreflexloch verstopft = Geschlossene Box? Von wegen! (Ein HiFi-Mythos im Check) Alle meine Stammleser wissen ja, dass ich mich in diversen WhatsApp-HiFi-Gruppen bewege. Unter anderem…
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