Machen wir uns nichts vor: Wer sich heutzutage durch einschlägige High-End-Audio-Foren wühlt, braucht als Elektrotechniker (bin keiner) wahlweise extrem starke Nerven oder ein verdammt gutes Glas Single Malt, um den Blutdruck zu regulieren. Da wird von sogenannten „Goldohren“ fröhlich doziert,
Moin Leute. Wer sich in High-End-WhatsApp-Gruppen oder einschlägigen Foren rumtreibt, kennt das Spiel: Irgendwann eskaliert die Diskussion. Es geht um phasenrichtige 6-dB-Weichen gegen steilflankige 24-dB-Filter. Es geht um Lautsprecher, die angeblich so „schnell“, „transparent“ und „hochauflösend“ sind, dass sie „gnadenlos die Schwächen deines Raumes aufdecken“.
Wir haben in den ersten beiden Teilen informationstechnisch und elektrotechnisch bewiesen, warum die digitale Integrität eines Audiosignals (TCP/IP, RAM-Puffer, LDO-Spannungsregler) das Eingreifen esoterischer Netzwerk-Switches obsolet macht. Doch die audiophile Szene hält ein letztes, scheinbar schlagkräftiges Argument bereit: „Aber ich höre doch einen Unterschied, wenn ich den Switch tausche! Der Klang ist reproduzierbar anders!“
Die High-End-Audio-Welt unterliegt einer hartnäckigen, fast schon peinlichen Fehlinterpretation: Netzwerktechnik wird beharrlich als ein analoges, instabiles Medium missverstanden, das angeblich „Rauschen“ überträgt und daher einer esoterischen „Filterung“ durch völlig überteuerte Hardware bedarf. Diese Sichtweise ignoriert nicht nur die Gesetze der Physik, sondern auch die fundamentale IT-Architektur, die unser gesamtes digitales Zeitalter erst ermöglicht hat
In der High-End-Audio-Welt hat sich ein extrem lukratives Geschäftsfeld etabliert: der „audiophile“ Netzwerk-Switch. Zu Preisen, für die man anderswo hervorragende Lautsprecher bekommt, werden uns aus dem Vollen gefräste Aluminiumgehäuse, ofengesteuerte Super-Clocks (OCXO) und lineare Netzteile präsentiert. Das Versprechen der Marketing-Texter: Schwärzere Bässe, eine dreidimensionale Bühnenabbildung und musikalischere Höhen, weil das digitale Signal von „Netzwerk-Jitter“ und Störgeräuschen befreit werde.
Eine Vollaktivierung mit Systemen wie Trinnov oder einer Acourate-PC-Lösung bedeutet in der Praxis eine gigantische Materialschlacht. Das Signal erfährt eine A/D-Wandlung, wandert durch den DSP (was unweigerlich Latenz erzeugt) und wird danach in drei oder vier Frequenzbänder aufgeteilt. Plötzlich benötigen wir sechs bis acht exzellente D/A-Wandler-Kanäle.
Vor einigen Wochen passierte etwas, das bei vielen in der HiFi-Szene wohl für blankes Entsetzen sorgen dürfte. Ein mir bekannter Händler hatte ein Paar Pioneer S-1EX im Angebot. Als ich diese Trümmer sah, zögerte ich nicht lange und machte ihm ein Tauschangebot: Meine Sonus Faber Guarneri Memento im direkten Tausch gegen die Pioneer.
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