Die Preisentwicklung im HiFi und High End
High-End-HiFi auf Abwegen: Zwischen Mondpreisen, Marketing und der Realität des Marktes
Moderne Technik und ihre Preisentwicklung entfernen sich immer weiter von der Realität; oder hat die High-End-Branche doch eher eine alternative Realität? Seit mehreren Jahren lässt sich ein Trend beobachten; HiFi und sogenanntes High End wird immer teurer. Lautsprecher und Verstärker die schnell mal den Preis eines Luxusautos übersteigen. Da kommt bei mir die Frage auf; wer soll sich das noch leisten können.
Statistik & Marktbeobachtung zur Preisentwicklung im High-End-Audio-Sektor
Branchenanalysen und Importdaten (u.a. Berichte zu Marktverschiebung, Logistikkosten und Hersteller-Preisanpassungen) belegen eine signifikante Entkopplung des High-End-Segments vom allgemeinen Verbraucherindex:
- Preissprünge bei Flaggschiffen: Führende High-End- und Importmarken verzeichneten in den letzten Jahren wiederkehrende, teils krisen- und zollbedingte Preiserhöhungen von 10 % bis über 18 % innerhalb kurzer Zyklen.
- Marktwachstum vs. Stückzahlen: Während der globale Markt für Home-High-End-Systeme laut Marktforschungen (z.B. Market Research Future) prognostiziert von rund 5 Milliarden USD auf über 8 Milliarden USD anwächst, resultiert dies primär aus drastischen Preissteigerungen pro Gerät, während die verkauften Stückzahlen im reinen High-End sinken.
- Gebrauchtmarkt-Kompensation: Der sprunghafte Neupreis-Anstieg führt dazu, dass exklusive Komponenten nach 3 bis 4 Jahren oft mit Wertverlusten von bis zu 65–70 % auf dem Sekundärmarkt landen, da die Nachfrage im Neusegment für die breite Masse wirtschaftlich unerreichbar wird.
Nun ich betreibe selbst einen Magico Lautsprecher, jedoch vorweg Einen der älteren Generation. Eine S3 der ersten Generation. Hier ist bereits viel know how in die Entwicklung geflossen, um einen Lautsprecher zu entwickeln der ohne Kompromisse spielt. Was also hat sich im Vergleich zu den Nachfolgegenerationen verändert und kann man davon überhaupt profitieren?
Im Vergleich zur S3 der 2. Generation wurden Chassis und Gehäuseform erneut überarbeitet. Die Deckelplatte wurde gewölbt um stehende Welllen zu vermeiden und die Chassis sind nun aus Nanographen und der Hochtöner ist ein Berylliumdiamant statt Berrylium . Die Verzerrungsgrenze für Berrylium ist weit außerhalb menschlichen Hörvermögens und agiert wetgehenst ohne jegliche Verzerrung. Bei der ersten Generation stand bereits die Klippel Analyse zur Verfügung, die Vibrometrie folgte erst später. Egal wie sehr ich mich anstrenge, ich kann kein Ringing aus dem Gehäuse wahrnehmen. Der Messchrieb wird wahrscheinlich etwas Anderes sagen, doch höre ich das auch?
Im direktem Vergleich zeigen sich Nuancen, entgegen der neuesten Generation welche eine komplette Neuentwicklung darstellt.Die Messtechnik hat sich weiterentwickelt so viel steht fest. Die modernen Lautsprecher schaffen es noch verzerrungsfreier, noch linearer in allen Ebenen und noch besser akustisch zu verschwinden. Doch wer kann davon wirklich profitieren? Um zu gewährleisten dass solche extrem abgestimmten Lautsprecher auch wirklich ihr Potential voll ausschöpfen, darf Nichts verzerren, dazu zählt mein Raum und die vorgeschaltetete Elektronik. Alles muss auf dem selben Niveau sein. Die Ausgaben für Elektronik und Hörraum übertreffen schnell den Wert der Lautsprecher um diese adäquat zu betreiben.
Die Geschichte der modernen Materialien
Man wirbt mit Aluminium oder Kunststein als die Lösung. Chassimaterialien die es nie gegeben hahen soll, doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt das Meiste war schon mal da und Erkenntnisse aus dem Gehäusebau sind zwar jetzt messbar aber die Grundsteine dieser Erkenntnisse wurde schon viel früher gelegt. Nebenbei bemerkt kann man Holz ebenfalls akustisch tot bedämpfen , es wird natürlich etwas anders klingen als ein Metallgeäuse aber ist das ein Nachteil?
Das Marketing
Es werden immer neue Begriffe und Erklärungen entwickelt weshalb das neue Flagschiff jetzt noch besser ist als der Lautsprecher den ich mir vor gerade mal 5 Jahren als die Antwort auf alle High End Ansprüche gekauft habe. Materialien erhalten eigene Namen und teils 50 Jahre alte Schaltungskonzepte heißen plötzlich nicht mehr A/B sondern X/D. Was soll das nun wieder, der Kunde soll vermittelt bekommen er habe die Innovation schlechthin und dafür zückt man dann gerne den Geldbeutel. Realitycheck: die Elementenliste wird nicht jährlich erweitert und wir fliegen auch nicht zum Mond um Neue zu entdecken!
Vertrieb, Händler und teure Fracht und Einfuhrzölle
Genau hier addieren sich die Kosten. Bis das moderne Equipment dann mal über See zu uns gelangt ist, müssen viele Posten durchlaufen werden und jeder möchte bezahlt werden. Der ursprüngliche Preis verdoppelt oder verdreifacht sich oft. Dieser Effekt zeigt sich dann schnell im Gebrauchtmarkt: der Lautsprecher der 100.000€ kostete, fällt nach 3-4 Jahren auf seinen bereingten Wert und wird dann für 30-35.000€ angeboten. Ist er dass denn wenigstens Wert? Für Menschen die jedes noch so kleine Detail in ihrer Kette und Raum bedacht haben vielleicht. Objektiv und vor allem auf dem Messchrieb ist alles viel schöner so viel steht fest.Macht, es wirklich Sinn solche Dinge neu zu kaufen?
Wen möchte man bedienen ?
Nun, die Vermögensverteilung hat sich im Rahmen der letzten Krisen stark verändert, was wir wohl auch schon im Alltag feststellen können. Wer seinen Kühlschrank am Ende des Monats nicht vollmachen kann, wird wohl kaum über einen Lautsprecher nachdenken welcher den Preis seines Fahrzeuges übersteigt. Es wird also klar die Branche entwickelt sich noch weiter zum Luxusgut und unerreichbaren Traum der Massen. Während die messperfekten Boliden in spärlich eingerichteten Wohnzimmern stehen.
Hersteller sind selbstverständlich daran interessiert eigene Kosten zu decken. Entwickelung, Herstellung , Mitarbeiter und teuere Messplätze müssen bezahlt werden. Die Testzeitschriften und das Marketing möchte ebenfalls bedient werden, eine Realität die gerne verschwiegen wird.Kann ein Hersteller seine Unkosten mit einer geringeren Verkaufszahl, durch einen hohen Preis decken, bringt das durchaus Vorteile.
Der Ultrahighendlautspecher im modernen Ambiente
Moderne Gebäude zeichnen sich oft durch weitläufige Räume mit minimalistischer, dafür jedoch teurer Einzelstücke aus. Man hört eine Stecknadel fallen und dort wird dann die perfekt, gemessene 200.000€ Klangskulptur perfekt in Szene gesetzt. Ist das Ultrahighend oder ein Statussymbol. Die Bilder sieht man immer wieder. Natürlich gibt es auch Menschen die sich einen Hörraum anfertigen lassen um wirklich das Potential auszuschöpfen, doch die Zahl müsste man erst mit Studien belegen um siezu verifizieren.
Die Jugend
Was hält unsere Jugend davon und wozu führt dieser Entwicklung.Nahezu jeder Jugendliche hat eine Smartphone und wer mal mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln fährt stellt fest, mindestens jeder 2. hat Stöpsel in den Ohren oder die großen Bügel auf dem Kopf. Auch hier fehlt das Verständnis und Kapital für teures HiFi. Das Altherrenhobby des Vaters wird nach jetziger Entwicklung wohl nicht übernommen und das Überleben der Branche zumindest für bezahlbares HiFi ist fraglich.
Der Consumermarkt
Leider ist auch hier oft der Gegenwert für das was man für sein sauer verdientes Geld bekommt oft nicht zu erkennen.Lautsprecher für mehrere Tausende mit eher minderwertigen Chassi und Weichenbauteilen, dafür jedoch ein schickes Gehäuse.Die Probanden unterscheiden sich minimal und sind in ihren klanglichen Unterschieden ausstauschbar. Schwächen finden wir wohl bei Allen und die Rotstiftlinie ist deutlich zu erkennen.Also wieso überhaupt neu kaufen?
Wieso eigentlich Importieren ?
Sehen wir uns doch mal in unserem Land oder Europa um wo zumindest Fracht und Zoll wegfall. Nehmen wir Hersteller wie beispielsweise die Lautsprecher von Joachim Gerhard finden wir einen Entwickler in unserem Land der sein Handwerk versteht und Lautsprecher baut, welche denen aus Übersee um nichts nachstehen. Audio Physic, Süßkind oder Sonics stammen aus seiner Feder. Weitere Hersteller die Aufmerksamkeit verdienen sind wohl die Lautsprecher von Inklang oder Manufakturen wie Markus Grelka, Acapella usw die Liste lösst sich beliebig ergänzen. Der größte Unterschied ist die Nähe zum Kunden. Der positive Effekt man bekommt sogar eine Antwort auf E-Mails oder Anrufe, auf einen Antwort bezüglich eines Ersatzteiles eines von Audio Components vertriebenes Produkt, warte ig bis heute.
Es ist nur ein Beispiel aus Vielen die mir persönlich ( mein Geschmack) im Ohr geblieben sind. Dynaudio die zwar gehobene Preise verlangen, jedoch nicht die oben genannten Mondpreise und sogar Raumsituationen bedenken. Solcher Hersteller verdienen ein genaueres Hinhören.
Das Überleben des Hobbies steht vor einer harten Probe
Meine persönliche Einschätzung ist dass unser Hobby so wie wir es kennen ohnehin eine Nische bedient. Moderne Streaming Dienste und all in one Lösungen mit DSP Systemen die platztechnisch als auch gut akustisch integrierbar sind entwickeln sich immer weiter denn die tatsächliche Innovation kommt aus dem Mikroprozzesorbau und der immer drastischeren Rechenleistungen. Was heute mit einem Smartphone zu bewerkstelligen ist, war mit dem State-of- the Art Rechner undenkbar. Die Class D- Technik und DSP gesteuerte Systeme sind die echte Innovation unserer Zeit und werden sich in Zeiten zunehmender Energiekosten und der Nachfrage nach Integrierbarkeit durchsetzen.
Die Frage ist nicht mehr was klingt besser sondern wird die Branche so wie wir sie kennen überhaupt überleben. Nach der jetzigen Preisentwicklung bleibt es den Wenigen vorbehalten und der Gebrauchtmarkt wird zunehmend leer geschöpft. Eine bedenkliche Situation die zukünftige Realität abbildet.Ich hoffe diese Entwicklung ist umkehrbar aber sehe auch dass hier kein Interesse besteht die Masse zu bedienen. Eine traurige Entwicklung in meinen Augen über die wir gerne nachdenken dürfen.
Dieser Artikel soll weder Markenbashing noch das Hervorhenen einzelner Hersteller darstellen, sondern die Situation so wie sie sich zeigt zu analysieren. Für mich persönlich zeigt sich eine bedauerliche Entwicklung.
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