Infinity Kappa 200
Infinity Kappa 200 Erfahrungsbericht / Test:
Wo sind die guten alten Kappa-Zeiten? Das fragen sich bestimmt viele Kappa-Jünger. Die Kappa 8, 9, 80, 90 oder 100 waren wuchtige Lautsprecher, die vor allem leistungsstarke Verstärker benötigten, um richtig auf Touren zu kommen. Ich persönlich kenne die Kappa 5, 7, 6.2, 7.2 sowie die 8 und 8.2 gut – klanglich sehr groß spielende Zeitgenossen, die nicht umsonst ihre treue Fangemeinde haben.
Doch es gab eine kurze Ära der Weiterentwicklung: Die Kappa 200, 400 und 600. Auch hier kenne ich alle drei und konnte mich von deren klanglichen Eigenschaften zum Teil fesseln lassen. Eines sollte aber erwähnt werden: Die letzte Kappa-Serie hat mit den „Ur-Kappas“ nicht mehr viel gemein, auch wenn der typische luftige Infinity-Klang im Kern erhalten geblieben ist.
Kappa 200 vs. JBL Ti-Serie
Im Moment steht die Kappa 200 bei mir und muss sich gegen die JBL Ti 1000 behaupten. Beide spielen in einer Klasse, wobei ich gestehen muss, dass die Kappa 200 mehr Details herausarbeitet, im Bassbereich der Ti 1000 jedoch unterlegen ist – die JBL entfaltet einfach mehr Druck. Das Gesamtklangbild der Kappa ist dafür etwas neutraler.
Vergleicht man sie mit der JBL Ti2K, merkt man der Kappa an, dass sie gerne eine Ti2K wäre, es aber nicht ganz schafft. Das soll die Qualität der Infinity nicht schmälern, aber ein adäquater Gegner zur Ti2K ist sie bei weitem nicht, auch wenn man im Klangbild Ähnlichkeiten entdeckt.
Klangliche Performance: Audiophil und Plastisch
Meine Hörsession startete mit Klassik. Die Kappas können unheimlich viel „ablichten“ und eine dynamische Spielweise ist ihnen nicht zu leugnen. Sie dudelt alles so gelassen runter, dass ich mir ernsthaft überlegen musste, warum man überhaupt die größeren Schwestern 400 oder 600 braucht. Eine der ganz großen Stärken der Kappa 200 ist der Bass-Mittenbereich. Stimmen kommen fast „Live“ rüber und der Bass ist sehr präzise.
Bei „Money for Nothing“ von den Dire Straits waren die Gitarre, das Schlagzeug und die Stimme völlig losgelöst – fast schon plastisch! Wenn man die Lautsprecher nicht vor sich stehen hätte, würde man ein um ein Vielfaches größeres Gehäuse vermuten. Der Versuch, mit der Kappa-Serie audiophiler zu werden, ist meiner Meinung nach geglückt, auch wenn die „Aura“ der alten Ur-Kappas dabei etwas verloren ging.
Design und Zusammenspiel
Optisch gefällt mir die Kappa 200 ausgezeichnet, besonders in der selteneren Farbkombination Schwarz/Silber – das wirkt super edel. Die Verarbeitungsqualität ist tadellos. Die originalen Lautsprecherständer sind aus schwerem Metall und massiv gefertigt. Harmonisch spielte sie bei mir hervorragend mit dem Marantz 2285B, dem Sansui AU-919 und dem Sony TA-F808ES zusammen.
Technische Daten:
| Kategorie | Spezifikation |
|---|---|
| Belastbarkeit | 80 / 120 Watt (Nenn/Musik) |
| Frequenzbereich | 50 Hz – 27 kHz |
| Wirkungsgrad | 89 dB / 2,83 V / 1 m |
| Chassis | 170 mm C.M.M.D. Tief-/Mitteltöner | 25 mm C.M.M.D. Kalotte |
| Impedanz | 6 Ohm |
| Gewicht | 12,5 kg pro Stück (ohne Stands) |
| Maße (BxHxT) | 220 x 365 x 360 mm |
Fazit
Die Kappa 200 ist ein wirklich guter 2-Wege-Lautsprecher, der sich vor weitaus teureren Boxen nicht verstecken muss. Sie bietet eine beeindruckende Räumlichkeit und Präzision. Wer den typischen Infinity-Glanz in einem modernen, kompakteren Gewand sucht, wird hier fündig – auch wenn sie den Druck der legendären Ti-Modelle von JBL nicht ganz erreicht.
In diesem Sinne…