Dynaudio Contour 2.8 High End Lautsprecher

Dynaudio Contour 2.8 (High End Lautsprecher)

Dynaudio Contour 2.8 – Der Esotar-Traum mit dem gewissen Extra

Heute habe ich mal wieder ein echtes Schmankerl für euch auf dem Seziertisch. Es geht um eine Legende aus Dänemark, die bei vielen von euch wahrscheinlich feuchte Träume auslöst: Die Dynaudio Contour 2.8. Wie es der Zufall – oder meine Hartnäckigkeit – so will, habe ich mir ein Paar von einem Kumpel ausgeliehen, der direkt hier bei mir im Ort wohnt. Die Story dazu ist mal wieder typisch Hifi-Wahnsinn: Er hatte diese Lautsprecher vor etlichen Jahren erworben, sie dann aber in Köln bei seinem Sohn gelassen. Auf mein Drängen hin hat der Bekannte es schließlich geschafft, die Contour 2.8 aus den Klauen von einem Menschen zu befreien, der die Qualitäten solcher Lautsprecher schlichtweg nicht schätzt. Okay, vielleicht überspitze ich es ein wenig, aber ihr könnt euch absolut nicht vorstellen, wie ich auf die ältere Contour-Serie abfahre.

Top of the Line Modell:

Die 2.8 war zur seiner Zeit das absolute Top of the Line Modell der Serie und hatte – und das ist der heilige Gral für mich – einen Esotar T330D verbaut. Meine Stammleser wissen ganz genau, wie ich auf diesen Hochtöner abfahre. Seit ich die Confidence 5 bei mir stehen habe, hat sich die Geilheit auf diesen Hochtöner nur noch verstärkt. Es gibt einfach nichts Vergleichbares, was diese Seidigkeit und gleichzeitig diese brachiale Auflösung so kombiniert.

Aber was war eigentlich die Idee hinter der Contour 2.8? Dynaudio wollte damals einen Lautsprecher schaffen, der die klangliche Reinheit der Confidence-Serie mit dem Fundament eines großen Standlautsprechers vereint. Die Fachpresse war damals völlig aus dem Häuschen, als das Modell Anfang der 90er auf den Markt kam. In den Gazetten wurde die 2.8 als eine Art „Super-Monitor“ gefeiert, der den Raum so präzise aufspannt, dass man die Musiker förmlich anfassen kann. Doch warum ist das eigentlich ein 2-Wege-Konzept mit einem passiven Radiator auf der Rückseite?

Die Antwort liegt in der Philosophie von Dynaudio:

Man wollte die Phasenprobleme und die Komplexität einer Drei-Wege-Weiche vermeiden. Ein Zwei-Wege-System spielt oft viel homogener und wie aus einem Guss. Um aber bei dem Gehäusevolumen einen Bass zu erzeugen, der nicht nur „pöpp“ macht, sondern richtig in den Keller geht, hat man die Passivmembran (den passiven Radiator) auf der Rückseite eingebaut. Das ist im Grunde wie ein Bassreflexsystem, aber ohne die störenden Strömungsgeräusche und mit einer viel besseren Kontrolle über die Auslenkung. Der Tieftöner arbeitet auf ein geschlossenes Volumen, und die Passivmembran regelt den Druck. Das Ergebnis ist ein Bass, der staubtrocken und tief ist – vorausgesetzt, man hat die richtige Elektronik dahinter.

Der Kumpel und Besitzer dieser Contour 2.8 ist fast jeden zweiten Tag bei mir, um mit mir Musik zu hören und ein bisschen, oder auch mal länger, über High-End Hifi zu philosophieren. Kurz vor Weihnachten rief er mich an und teilte mir mit, dass die Contour 2.8 den Weg zu ihm finden werden. Sein Sohn komme zu Weihnachten und bringe die Dinger endlich mit. Für mich war in dem Moment sofort klar: Ich will diese Dinger haben! Aber leider habe ich die Rechnung ohne die Hifi-Sucht des Kollegen gemacht. Nun ja, er wird so oder so mit solchen Lautsprechern auf Dauer nicht klar kommen. Entweder landen sie irgendwann in den Rachen Fremder oder im Keller. Aber bis es soweit ist, stehen sie jetzt bei mir und ich darf sie testen und mir mein Urteil bilden.

Vorab und für die, die es wohlmöglich stark interessiert: Die Confidence 5 ist eine komplett andere Welt. Viel präziser und realistischer. Aber die Contour 2.8 ist ebenfalls ein Traum von einem Lautsprecher. Sie schafft ebenfalls eine holografische Abbildung, sofern man der Contour auch einen stromstabilen Verstärker zur Seite stellt. Jetzt werden wieder welche unter und wieder aus ihren Löchern kriechen und meinen, dass ein 100 Watt Verstärker bei 4 Ohm ausreichend sind. Und ich sage hier eindeutig: Habt ihr schon solche Kaliber von Lautsprecher mal mit Männer-Verstärkern oder Endstufen gehört? ASR Emitter, Jeff Rowland, Mark Levinson, Krell? Nein? Dann Ruhe auf den billigen Plätzen!

So ist das eben. Du kannst eben keine Luxus-Frau in einer Fast-Food-Kette zum Essen ausführen. Wenn du willst, dass die 2.8 zeigt, was sie kann, dann musst du Saft liefern. Und zwar stabilen Saft. Ohne Wenn und Aber. Aber so gut diese Lautsprecher auch sind, haltet die Gebrauchpreise im Auge. Kurz gesagt: Nicht für jeden Preis. Deshalb werden die Testlautsprecher auch den Weg zu seinem Besitzer zurückfinden. Ich genieße die Zeit bis dahin, aber ich lasse mich nicht von Mondpreisen blenden, nur weil „Esotar“ draufsteht.

Technische Daten: Dynaudio Contour 2.8

Feature Spezifikation
Bauart 2-Wege Standlautsprecher mit Passivmembran
Frequenzgang 32 Hz – 30.000 Hz (± 3 dB)
Wirkungsgrad 86 dB (2.83 V / 1 m)
Nennbelastbarkeit > 200 Watt (IEC)
Impedanz 4 Ohm (sehr linearer Verlauf)
Hochtöner Esotar T330D (28 mm Seidenkalotte)
Tieftöner 20 cm Polypropylen-Membran (75 mm Schwingspule)
Passivmembran 20 cm (rückseitig montiert)
Übergangsfrequenz 2.600 Hz
Gewicht ca. 38 kg pro Stück
Abmessungen (B x H x T) 220 x 1015 x 335 mm
Neupreis (Paar) ca. 8.500 DM (Anfang der 90er)