Loewe CA
Loewe Legro (CA) Receiver / Verstärker Erfahrungsbericht / Test: Der schottische Wolf im Designer-Pelz
Loewe. Wenn dieser Name fällt, denken die meisten von uns an schicke, sündhaft teure Fernseher in Zahnarzt-Wartezimmern oder an Design-Anlagen, die mehr „Schöner Wohnen“ sind als ernsthaftes HiFi. Hand aufs Herz: Hifi-technisch war die Marke aus Kronach für mich jahrelang Luft. Warum? Weil Loewe oft den Ruf hatte, solide Technik teuer zu verpacken, um sie an Leute zu verkaufen, die Design über Klang stellen. Wer einen Loewe im Wohnzimmer hatte, der hatte Geld und wollte es zeigen – aber hatte er auch Ahnung von Musik?
Ein kurzer historischer Abriss muss sein: Loewe Technologies ist ein echtes deutsches Urgestein. Gegründet 1923 in Berlin von den Brüdern David L. und Siegmund Loewe, sind sie Pioniere des Hörfunks und Fernsehens. Sie produzieren (mit Unterbrechungen und Insolvenzen, aber immerhin) noch immer in Deutschland, genauer gesagt im oberfränkischen Kronach. Das ist löblich. Aber HiFi-Eigenentwicklungen? Die waren rar. Oft wurde zugekauft – mal von Philips, mal aus Japan.
Wer mehr wissen will, kann gerne hier alles Weitere über die Geschichte Loewes nachlesen: KLICK bei Wikipedia.
Der Zufallsfund: Beifang mit Überraschungseffekt
Aber zurück zu meiner persönlichen HiFi-Reise. Ich hätte mir im Leben nie ein Loewe-Audiogerät gekauft, um es ernsthaft zu testen. Mein Fokus lag immer auf den klassischen Boliden aus Japan oder den feinen Schmieden aus Großbritannien und den USA. Doch wie der Zufall so spielt: Dieser Loewe (oft als CA oder Teil der Legro-Serie bezeichnet) landete als „Beifang“ in einem größeren Konvolut bei mir. Er war halt dabei. Ich dachte mir: „Nett, sieht gut aus, stellst du mal ins Regal und verkaufst es dann weiter.“
Doch dann kamen die Gerüchte. In diversen Foren und dunklen Ecken des Internets wisperte man, dass in dieser spezifischen Loewe-Serie (die optisch sehr flach und elegant daherkommt) keine geringere Technik als die der schottischen High-End-Legende LINN stecken soll. Genauer gesagt: Die Technik des Linn Majik Verstärkers und anderer Komponenten aus der schottischen Edelschmiede.
Der Blick unter die Haube: High End zum Discount-Preis?
Natürlich konnte ich das nicht auf mir sitzen lassen. Schraubendreher raus, Deckel ab. Und tatsächlich: Wer sich mit Linn-Platinen auskennt, dem geht hier das Herz auf. Das Layout, die Bauteile, die Philosophie – das ist Schottland pur, verpackt in deutschem Design-Gehäuse. Loewe hat hier die Technik der Linn Classik bzw. Majik Komponenten lizenziert und in ein Gehäuse gepackt, das optisch perfekt zu ihren Fernsehern passte.
Über die Verarbeitung braucht man keine vielen Worte verlieren. „Sehr gut“ trifft es auf den Punkt. Das Gehäuse ist massiv, die Spaltmaße stimmen, alles wirkt wie aus einem Guss. Keine Plastikwüste, sondern wertige Materialien. Einzig die Bedienung ist manchmal etwas eigenwillig (Design vor Funktion), aber man gewöhnt sich daran.
Klangcheck: Fußwippen garantiert
Jetzt aber Butter bei die Fische: Wie klingt der „Designer-Kasten“? Ich habe ihn angeschlossen, ohne große Erwartungen. Und dann saß ich da.
Klanglich konnte mich dieses kleine Gerätchen vollends nach bekannter Linn-Manier überzeugen. Es hat diesen typischen „PRaT“-Faktor (Pace, Rhythm and Timing), für den Linn berühmt ist. Die Musik fließt. Es klingt nicht nach „Anlage“, es klingt nach Musik. Der Loewe spielt unglaublich flink, rhythmisch auf den Punkt und mit einer natürlichen Farbe, die man in dieser Preisklasse (gebraucht!) sonst lange suchen muss.
Er ist kein Kraftprotz, der 2-Ohm-Lasten treibt und den Putz von der Decke holt. Aber an den passenden Lautsprechern (gerne britische Monitore oder wirkungsgradstarke Standboxen) kommt pure Freude auf. Stimmen stehen plastisch im Raum, der Bass ist federnd und kontrolliert, nie wummernd. Es ist diese „Echtheit“, die einen sofort abholt.
Fazit: Der ultimative Geheimtipp
Nach diesem Erlebnis behalte ich diese Geräte von Loewe (speziell die Legro-Serie) nicht nur gerne im Auge, ich jage sie fast schon. Warum? Weil es der billigste Weg ist, an echte Linn-Technik zu kommen. Ein gebrauchter Linn Majik oder Classik kostet oft das Doppelte oder Dreifache dessen, was für das Loewe-Pendant aufgerufen wird – einfach, weil „Loewe“ draufsteht und die Audiophilen die Nase rümpfen.
Lasst sie rümpfen! Wer Bescheid weiß, greift hier zu. Ihr bekommt High-End-Technik zum Preis von Einsteiger-HiFi. Ein echter „Sleeper“ im Gebrauchtmarkt. In diesem Sinne…
Technische Daten (Basierend auf der Loewe Legro / Linn Technik):
- Hersteller: Loewe (Technik by Linn, Schottland)
- Typ: Vollverstärker / Receiver (je nach Ausführung)
- Leistung: ca. 2x 33 Watt an 8 Ohm / 2x 66 Watt an 4 Ohm (Linn-typisch sehr laststabil)
- Eingänge: Tape, Aux, TV, CD, Tuner
- Anschlüsse: BFA-Lautsprecherbuchsen (Achtung: Hier passen nur BFA-Stecker oder Hohlbananas, typisch Linn!)
- Klangregelung: Bass, Treble, Balance (elektronisch geregelt)
- Besonderheiten:
- Intelligente Schutzschaltung
- Hochwertiger Kopfhörerausgang
- Multiroom-fähig (über Loewe Systembus)
- Kompaktes Design-Gehäuse
- Abmessungen: Kompaktes Midi-Format