ACT Music label Cover in the country sunset sunrise

In The Country Sunset Sunrise

In The Country – Sunset Sunrise Hörbericht:

Overall Rating: ★★★★★ (5/5)

Das norwegische Trio In The Country liefert mit „Sunset Sunrise“ ein Werk ab, das die skandinavische Jazz-Tradition nicht nur pflegt, sondern mutig in die Moderne führt. Morten Qvenild (Piano), Roger Arntzen (Bass) und Pål Hausken (Schlagzeug) erschaffen hier Klanglandschaften, die irgendwo zwischen melancholischer Naturverbundenheit und experimenteller Neugier schweben.


Klangqualität & Produktion: Das Rainbow-Studios-Siegel

Wenn ein Album in den legendären Rainbow Studios in Oslo aufgenommen wurde, spitzt der Audiophile die Ohren. Hinter den Reglern saß kein Geringerer als Jan Erik Kongshaug. Das Ergebnis ist eine Aufnahme von überragender Plastizität. Jedes Detail der Instrumente wirkt kristallklar, die Dynamik ist schlichtweg atemberaubend.

Besonders beeindruckend ist die Tiefe im Bassbereich. Die tiefen Töne wirken kraftvoll und resonant, was den oft filigranen Kompositionen eine unerwartete emotionale Schwere verleiht. Die Band nutzt den Raum zwischen den Tönen perfekt aus – ein audiophiles Erlebnis, das zeigt, wie viel Dynamik in einem klassischen Trio-Setup stecken kann.


Tracklist & Analyse: Eine Reise durch nordische Sphären

  1. Birch Song (8:08) – Sphärische Klänge und sanftes Piano. Ein friedlicher Einstieg, der langsam Spannung aufbaut.
  2. Derrick (7:52) – Rhythmisch komplex. Pulsierender Bass trifft auf meditative, teils düstere Grundstimmungen.
  3. Stanley Park (10:43) – Minimalismus in Perfektion. Das Trio nutzt die Stille als Instrument und steigert sich zu einem intensiven Höhepunkt.
  4. Silverspring (6:28) – Helle, fast hoffnungsvolle Melodien. Ein fließendes Stück Musik, das Leichtigkeit versprüht.
  5. Steelpants (6:02) – Hier blitzt die technische Virtuosität auf. Experimentelle Wendungen und lebhafte Energie.
  6. The Fluke, A Whale’s Tail (7:12) – Bildhaftes Kopfkino. Man spürt förmlich das majestätische Gleiten eines Wals durch tiefblaue Ozeane.
  7. Sunset Sunrise (10:55) – Das Herzstück. Der musikalische Wechsel von der Abenddämmerung zum neuen Tag. Episch und kraftvoll.
  8. December Song (7:56) – Besinnlicher Abschluss. Melancholisch, zart und introspektiv – wie ein Blick aus dem Fenster auf eine verschneite Landschaft.

Lichte Momente & Dunkle Gedanken: Das Rentier-Rätsel

Werfen wir einen Blick auf das Cover: Ein Rentier verspeist genüsslich einen Fliegenpilz. Das ist kein Zufall. Rentiere suchen diese Pilze gezielt unter Tannenbäumen. Wenn man eins und eins zusammenzählt, erscheint unser Weihnachtsfest in einem völlig neuen Licht.

Die rot-weiße Farbkombi der Pilze und des Weihnachtsmanns, die fliegenden Rentiere… könnte das Fundament unserer Weihnachtslegenden auf einer uralten, pilzbasierten Reise basieren? Nach dem Verzehr dieser „Geschenke der Natur“ hebt das Rentier jedenfalls ab. Vielleicht ist „Sunset Sunrise“ genau der richtige Soundtrack für diesen magischen Trip zwischen Natur und Fantasie.


Fazit

„Sunset Sunrise“ ist eines der spannendsten Alben des zeitgenössischen Jazz. In The Country gelingt der Spagat zwischen technischer Raffinesse und emotionaler Zugänglichkeit. Wer nordischen Jazz mit Tiefgang sucht und Wert auf eine Produktion legt, die die eigene HiFi-Anlage bis ins Mark fordert, kommt an dieser ACT-Veröffentlichung nicht vorbei. Ein zeitloses Meisterwerk.

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