NAD 522

NAD 522

NAD 522 CD Player Erfahrungsbericht / Test: High-End-Sound im grauen Plastikkleid?

High End: Ein dehnbarer Begriff

Was ist eigentlich dieses „High End“? Der Begriff ist dehnbar wie ein alter Kaugummi und leider überhaupt nicht klar definiert. Es gibt keine DIN-Norm, die festlegt, ab wann ein Gerät diesen Titel tragen darf. Wenn man sich auf dem Gebrauchtmarkt umschaut, wird bei fast jedem NAD-Player dieser Zusatz angeführt. Aber Hand aufs Herz: Ist es das technisch Machbare? Sind es die edelsten Bauteile? Oder ist es einfach nur ein verdammt guter Klang?

Persönliche Einschätzung: Masse vs. Klasse

Für mich ist die Sache eigentlich klar: Einem Sony CDP-X7xxES verleihe ich den „High End“-Stempel sofort. Warum? Weil da 20 Kilo Materialschlacht, Kupfer und feinste Mechanik vor mir stehen. Bei HiFi-Geräten, die weniger als 10 Kilogramm wiegen – insbesondere bei CD-Playern –, bin ich mit dem Begriff extrem vorsichtig.

Interessanterweise wurde der NAD 522 im Jahr 1998 genau so beworben: NAD versprach „High End“ zu einem Preis von unter 300 Dollar. Da schluckt man erst mal. Ein Gerät für den Preis eines Wocheneinkaufs soll High End sein? Wir schauen mal genauer hin.

Der NAD 522: Die graue Maus unter der Lupe

Mit einem Gewicht von gerade mal 4,1 bis 4,9 Kilogramm (je nach Waage und Netzkabel) und einem Gehäuse, bei dem Plastik definitiv der dominierende Werkstoff ist, wäre mein haptisches Urteil über diesen Player ein direktes: NEIN!

Die Schublade des Laufwerks (ein günstiges SF-P101) fährt mit einem Geräusch aus, das man eher in der Computer-Abteilung vermutet als im HiFi-Studio. Es klappert, es wirkt instabil, und es fehlt jegliche Form von wertiger Schwere. Im Vergleich zu den Panzerschränken der Sony 3xxES-Serie, die zur gleichen Zeit ähnliche Preise aufriefen, wirkt der NAD wie ein Spielzeug.

Klang: Wenn die Ohren die Augen lügen strafen

Aber – und das ist das große NAD-Aber – wenn man die Augen schließt und die klanglichen Attribute betrachtet, komme ich plötzlich doch zu einem JA(!).

Klanglich bietet der NAD 522 eine absolut respektable Leistung, die man ihm beim Anblick der grauen Kunststoff-Front niemals zutrauen würde. Ich hatte im Test zeitweise echte Schwierigkeiten, deutliche Unterschiede zu meinem geliebten Braun CD 2 herauszuhören. Der NAD liefert ein unglaublich entspanntes Klangbild. Er stresst nicht, er nervt nicht.

Dank des verbauten Burr-Brown PCM1710U (ein 20-Bit Delta Sigma Wandler) bietet der Player eine Fülle an Informationen und eine räumliche Tiefe, die in dieser Preisklasse eigentlich verboten gehört. Er spielt flüssig, fast schon „analog“ – eine typische NAD-Tugend eben. Die Musik fließt einfach, und man vergisst nach zwei Tracks, dass man gerade auf eine graue Kiste starrt.

Fazit: Ein Wolf im Schafspelz (aus Plastik)

Wenn man die Menge an Plastik und die laute Laufwerksschublade ignorieren kann – oder sie einfach versteckt –, bekommt man hier verdammt viel Klang für ganz schmales Geld. Der NAD 522 ist die perfekte Wahl für Einsteiger oder für die Zweitanlage im Schlafzimmer, wo der Klang wichtiger ist als die Goldkante am Gehäuse. Er ist eine günstige und klanglich absolut befriedigende Alternative zu den teuren Klassikern. Er ist kein High End fürs Auge, aber definitiv High End für den Geldbeutel. In diesem Sinne…


Technische Daten:

  • Hersteller: NAD (New Acoustic Dimension)
  • Modell: 522
  • Baujahr: 1997 – 1998
  • Digital-Wandler: Burr-Brown PCM1710U (20-Bit Delta Sigma, 8-fach Oversampling)
  • Laufwerk (CD Mechanism): Sanyo SF-P101 (Günstig, aber leicht zu ersetzen!)
  • Frequenzgang: 5 Hz bis 20 kHz (± 0,5 dB)
  • Dynamikbereich: 96 dB
  • Signal-Rauschabstand: 100 dB
  • Kanaltrennung: 80 dB
  • Klirrfaktor (THD): 0,0025 %
  • Ausgangsspannung: 2,2 V
  • Abmessungen (B x H x T): 435 x 70 x 285 mm
  • Gewicht: ca. 4,9 kg
  • Besonderheiten: NAD-typisches „No-Nonsense“ Design, digitale Koaxialbuchse (Cinch) vorhanden.

Mein Tipp: Wer den Player gebraucht kauft, sollte unbedingt die Elkos im Netzteil prüfen. Wenn die frisch sind, spielt der kleine NAD wieder wie am ersten Tag!