Marantz 4300
Marantz 4300 Vintage High End Receiver Erfahrungsbericht / Test: Ein zeitloses Meisterwerk der Quadro-Ära
Ästhetik und Aura: Das Auge hört mit
Für mich persönlich ist der Marantz 4300 einer der schönsten Receiver, die man überhaupt besitzen kann. Auch wenn man objektiv sagen muss, dass sich die Marantz-Modelle der 70er Jahre optisch alle recht ähnlich sehen, stellt sich doch die Frage: Warum besitzen gerade diese Geräte eine so unfassbare Aura, die heute zu schwindelerregenden Preisen auf dem Gebrauchtmarkt führt? Ist es das legendäre Gyro-Touch-Einstellrad, die wunderschön blau leuchtende Skala oder die Haptik der massiven Regler und Schalter? Ich kann es nicht an einem einzelnen Punkt festmachen, aber fest steht: Fast jeder Marantz löst bei mir sofort diesen „Haben-Wollen“-Reflex aus. Hier hat Firmengründer Saul B. Marantz ganze Arbeit geleistet – man merkt einfach, dass er nicht nur Ingenieur, sondern auch ein begnadeter Designer war.
Leistungsdaten: Ein echtes Monster im Schafspelz
In einschlägigen Foren wie hifi-forum.de wird der 4300 völlig zu Recht in der Kategorie „Monster-Receiver“ geführt. Wenn man vor diesem Trümmer steht, versteht man auch sofort, warum: Größe, Gewicht und Leistung sind schlichtweg imposant. Im reinen Stereomodus mobilisiert der Bolide 2 x 100 Watt Sinus an 8 Ohm. Das ist mehr als genug, um selbst größere Partys locker zu beschallen. Im Quadrophoniebetrieb stehen immerhin noch 4 x 40 Watt Sinus zur Verfügung. Wer also vorhat, seine Nachbarn für immer zu verprellen, sollte sich einen 4300 zulegen, vier Paar Pioneer HPM-100 anschließen und den Lautstärkeregler beherzt auf 12 Uhr drehen. Ich garantiere euch: Das bringt richtig Leben in die Bude!
Vergleich und Konstruktion
Klar, ein Marantz 2385 bietet mit seinen 2 x 185 Watt Sinus auf dem Papier noch mehr rohe Gewalt. Aber wenn man den Stimmen im Netz Glauben schenkt, gilt der 2385 unter Technik-Puristen nicht unbedingt als die Krönung der Ingenieurskunst. Ich hingegen schätze meinen 4300 sehr; er wirkt auf mich durchdacht, solide konstruiert und logisch aufgebaut, soweit ich das als Liebhaber beurteilen kann.
Empfang und Klang: Typisch Marantz
Der Radioteil des 4300 ist schlichtweg erstklassig. Er bietet einen hervorragenden Empfang und arbeitet fast ohne jedes hörbare Rauschen. Mit Dolby® FM lässt sich klanglich sogar noch eine Schippe drauflegen. Den Sound des Receivers würde ich als „typisch Marantz“ beschreiben: Er ist kräftig, voluminös, transparent und besitzt diese angenehme Wärme, die man bei modernen Geräten oft vermisst. Wenn ich jedoch ganz kritisch bin, finde ich, dass ein Rotel RX-1603 den Bassbereich noch einen Tick besser kontrolliert. Das schmälert die Qualität des Marantz aber nicht – ich genieße jede Stunde, die ich ihm lauschen darf, auch wenn es in dieser Preisklasse klanglich durchaus Alternativen gibt.
Fazit: Die Krönung der Quadro-Serie
Zusammen mit dem 4400 bildet der 4300 für mich die absolute Speerspitze der Quadrophonie-Receiver innerhalb der Marantz-Welt. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die damalige Modellpolitik: Es ist schade, dass Marantz die Quadro-Decoder nicht direkt im Paket mitgeliefert hat. Da war die Konkurrenz von Pioneer kundenfreundlicher. Dennoch hat Marantz seinen Sonderstatus redlich verdient. Für mich ist es vor allem die Optik, die den Ausschlag gibt. Denn seien wir mal ehrlich: Am Ende hört das Auge eben doch mit! In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Marantz 4300
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | Quadrophonie-Receiver (Stereo-Brückbar) |
| Leistung Stereo | Dauerleistung (8 Ohm) | 2 x 100 Watt RMS (0,15 % THD) |
| Leistung Quadro | Dauerleistung (8 Ohm) | 4 x 40 Watt RMS (0,15 % THD) |
| Audio | Frequenzgang / SNR | 7 Hz – 70.000 Hz / über 90 dB (Tuner) |
| Eingänge | Anschlüsse | Phono (1,8mV), Aux (180mV), 2x Tape, Pre-Out/Main-In |
| Tuner | Empfang | UKW / MW mit Dolby FM und Signalstärke-Meter |
| Maße | Gewicht / Größe | 23,5 kg / 490 x 145 x 410 mm (B x H x T) |
| Besonderheit | Ausstattung | Gyro-Touch Tuning, Vari-Matrix, Dolby-System integriert |