Kenwood L-D1

Kenwood L-D1

Kenwood L-D1 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Der Gold-Barren aus Japan

Vor einigen Monaten ergab sich eine dieser Gelegenheiten, die man im Leben eines HiFi-Enthusiasten nur einmal bekommt: Ein Bekannter aus dem Ausland bot mir das legendäre Kenwood-Gespann an – den Verstärker L-A1 zusammen mit dem passenden CD-Player L-D1. Der Preis? Nebensache. Solche Geräte kauft man nicht nach Liste, sondern aus Leidenschaft. Während wir alle wissen, dass Boliden-Verstärker oft wie Panzer gebaut sind, ist es höchst ungewöhnlich, dass ein CD-Player schwerer ist als so mancher Vollverstärker. Der Kenwood L-D1 bringt sage und schreibe 20 Kilogramm auf die Waage und zeigt damit unmissverständlich, wie die Champions League im digitalen Zeitalter auszusehen hat.

Materialschlacht der Extraklasse

Das Gehäuse und die gewaltige Ladeklappe bestehen aus massivem, extrem dickem Aluminium. Die Klappe wird motorisch gesteuert – ein technisches Schauspiel für sich. Man kann sogar per Schalter festlegen, bei welchem Öffnungswinkel (45°, 60° oder 80°) die Klappe stoppen soll. Wer den L-D1 füttert, erlebt echtes Vinyl-Feeling: Er ist als Toploader konzipiert, die CD wird auf einen massiven Teller gelegt und mit einem wunderschönen, schweren Plattengewicht fixiert. Das ist kein profanes Abspielen einer Silberscheibe, das ist ein Ritual.

Dieser „Vinyl-Stil“ ist absolut gewollt, denn der L-D1 spielt unglaublich analog und neutral. Manch einer mag das Klangbild im ersten Moment vielleicht als „langweilig“ empfinden, weil der Player auf jegliche Effekthascherei verzichtet. Aber die Leichtigkeit, die irrwitzige Auflösung und die stoische Gelassenheit, mit der der D1 musiziert, sind schlicht fantastisch! In Kombination mit dem passenden Verstärker L-A1 ergibt sich ein Dreamteam, das stundenlanges Hören ohne jede Spur von Stress, Schärfe oder Härte garantiert.

Kenwood L-D1 vs. Sony CDP-X707ES: Das Duell der Giganten

Ein Bekannter, der das Glück hat, sowohl einen Sony CDP-X707ES als auch den L-D1 zu besitzen, behauptete steif und fest, er höre keine Unterschiede. Ich sehe das anders. Ich hatte beide Boliden in meinen heiligen Hallen und muss sagen: Der Kenwood L-D1 spielt für mich körperhafter und plastischer als der (ebenfalls hervorragende) Sony. Er lässt mich tiefer in das musikalische Geschehen eintauchen. Optisch und technisch macht der Kenwood ohnehin die deutlich bessere Figur – er wirkt wie aus einem Block gefräst. Man muss fairerweise aber dazu sagen: Der Kenwood war mit 6.400 DM damals fast doppelt so teuer wie der größte Sony-Player.

Fazit: Ein seltener Meilenstein

Wer sich für einen L-D1 interessiert, braucht zwei Dinge: Viel Geld und noch mehr Geduld. Diese Geräte sind extrem selten auf dem Markt. Wer dann auch noch den passenden Verstärker L-A1 dazu sucht, braucht eigentlich schon ein Wunder. Kenwood wollte mit dieser „L-Serie“ die glorreichen alten Zeiten der Marke wiederaufleben lassen – und ich kann nur sagen: Den Ingenieuren ist das zu 100 % gelungen. Ein Monument japanischer Ingenieurskunst!


Technische Daten:

  • Modell: L-D 1 (Top-of-the-Line)
  • Baujahre: 1992 – 1995
  • Hergestellt in: Japan
  • Gehäuse: Gold-Finish mit edlen Holzseitenteilen
  • Laufwerk: Toploader mit motorisierter Klappe und massivem Puck
  • Gewicht: 20,0 kg (Ein echtes Schwergewicht!)
  • Wandler-Sektion: 16-Bit Linear (Ultra-selektiert)
  • Frequenzgang: 4 Hz – 20.000 Hz
  • Dynamikbereich / Signalrauschabstand: 100 dB
  • Klirrfaktor: 0,001 % (1 kHz)
  • Besonderheit: Einstellbarer Öffnungswinkel der Klappe (45°, 60°, 80°)
  • Abmessungen: 476 x 128 x 430 mm
  • Neupreis: ca. 6.400 DM (1994)