Yim Hok-Man – Poems Of Thunder
Yim Hok-Man – Poems Of Thunder: The Master Chinese Percussionist Hörbericht:
- Künstler: Yim Hok-Man
- Label: Naxos World / Wind Music
- Formate: CD, HDCD, XRCD, LP, Vinyl, Streaming
- Veröffentlicht: 1996 (HDCD), 2000 (XRCD)
- Genre: Folk, World, Chinese Classical
- Amazon Link: Yim Hok-Man – Poems of Thunder
Hintergrund: Die Macht der chinesischen Trommel
Yim Hok-Man ist nicht einfach nur ein Perkussionist; er ist ein Meister, der die jahrtausendealte Tradition der chinesischen Schlaginstrumente mit einer Präzision und Wucht beherrscht, die ihresgleichen sucht. Geboren in Hongkong, hat er sich durch jahrelanges Studium zum Botschafter der chinesischen Rhythmuskultur entwickelt. Auf Poems of Thunder zelebriert er die gesamte Bandbreite dieser Kunstform.
Ein audiophiler Härtetest: HDCD und XRCD
Für uns HiFi-Enthusiasten ist dieses Album weit mehr als nur Musik. Es ist ein ultimatives Testwerkzeug. Die Aufnahmen wurden ursprünglich als HDCD veröffentlicht und später in einer nochmals verfeinerten XRCD-Version aufgelegt. Warum ist das wichtig? Weil die Dynamik dieser Aufnahmen schlichtweg brutal ist.
Wenn die Da Gu (Große Trommel) einsetzt, muss die Anlage zeigen, was sie im Keller wirklich kann. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Entweder die Tieftöner kontrollieren den Impuls staubtrocken, oder die Endstufe geht in die Knie. Die Klarheit und die enorme Räumlichkeit der Aufnahme lassen die Instrumente physisch greifbar im Raum stehen.
Musikalische Merkmale & Instrumentierung
Yim Hok-Man nutzt ein Arsenal an traditionellen Instrumenten, um Geschichten ohne Worte zu erzählen:
- Da Gu: Die „Große Trommel“ für die tiefen, markerschütternden Schläge.
- Xiao: Kleine Trommeln für flinke, messerscharfe Rhythmen.
- Gongs & Zimbeln: Für die dramatischen Akzente und metallischen Texturen.
- Sheng: Die Mundorgel, die den perkussiven Gewittern harmonische Tiefe verleiht.
Trackliste & Analyse:
- Poem Of Chinese Drum (10:05)
Das Herzstück des Albums. Ein zehnminütiges Epos, das die gesamte Virtuosität Yim Hok-Mans zeigt. Die Dynamiksprünge in diesem Stück sind legendär – halten Sie den Lautstärkeregler beim ersten Mal lieber vorsichtig im Blick! - Duck’s Quarrel (5:23)
Eine humorvolle Interpretation eines Entenstreits via Xi’an-Trommeln. Unglaublich flinke Percussion, die die Transientenwiedergabe Ihrer Hoch- und Mitteltöner fordert. - The Garden Of Hundreds Of Flowers (10:32)
Ein fließendes, fast schon elegantes Stück aus der Jiangsu-Tradition. Hier zeigt sich die feinsinnige Seite der chinesischen Trommelkunst. - The Golden Peasant Flying Out Of The Mountain (5:05)
Inspiriert von der Folklore des Tujia-Stammes. Ein lebendiges, fast schon erzählerisches Stück voller Lebensfreude. - Deep Night (Beijing Opera) (11:13)
Tiefgründig und melancholisch. Die Verbindung von Gesang und Perkussion fängt die emotionale Schwere der Peking-Oper perfekt ein. - A Lion That Has Just Woken (4:17)
Energetische kantonesische Musik. Die Rhythmen sind festlich, laut und voller Vorfreude – man sieht den tanzenden Löwen förmlich vor sich. - Big Gun Shooting Towards The Sky (6:08)
Gongs und Trommeln aus Sichuan. Ein kraftvolles Stück, das den Gemeinschaftsgeist großer Volksfeste beschwört. - Triumphal Return Of Fishing Boats (8:44)
Ein rhythmisches Fest zur Feier eines erfolgreichen Fangs. Die maritime Kultur der Zhoushan-Inseln wird hier lautstark zum Leben erweckt.
Fazit
Poems of Thunder ist eine kulturelle Reise und ein audiophiles Monument zugleich. Yim Hok-Man beweist, dass Schlagwerk allein eine ganze Welt aus Emotionen und Bildern erschaffen kann. Für Sammler hochwertiger Aufnahmen (besonders in der XRCD-Fassung) ist dieses Album unverzichtbar. Es fordert die Anlage bis aufs Äußerste und belohnt den Hörer mit einer klanglichen Urgewalt, die man so schnell nicht wieder vergisst.