HiFi-Preise explodieren: Das ist der wahre Grund

HiFi-Preise explodieren: Das ist der wahre Grund

Der Preis des Wahnsinns: Warum High-End heute kostet, was es kostet

Mal Hand aufs Herz: Habt ihr in letzter Zeit mal wieder in die Preislisten der einschlägigen High-End-Gazetten geschaut? Wenn man da für ein Paar Lautsprecherkabel oder einen profanen Vollverstärker mittlerweile Summen aufruft, für die man vor zehn Jahren noch eine Eigentumswohnung in bester Lage bekommen hätte, dann fragt man sich doch: Haben die eigentlich komplett den Verstand verloren?

Wenn ihr euch schon immer gefragt habt, warum HiFi so urplötzlich, fast schon über Nacht, so astronomisch teuer geworden ist, dann habe ich heute die Antwort für euch. Und ich warne euch vor: Sie wird euch nicht gefallen. Das Zauberwort heißt Veblen-Effekt.

Wenn teuer nicht teuer genug ist

Eigentlich sagt uns der gesunde Menschenverstand: Wenn etwas teurer wird, sinkt die Nachfrage. Nicht so im High-End-Zirkus. Hier greift eine psychologische Perversion, die besagt: Je höher der Preis, desto begehrenswerter das Objekt. Warum? Weil es nicht mehr um den Klang geht, sondern um den Status. Um die Exklusivität. Um das Gefühl, etwas zu besitzen, das sich der „normale“ Pöbel niemals leisten kann. Dazu passt eine Geschichte, die mir ein bekannter Hersteller von Breitbandlautsprechern neulich steckte. Er hatte einen potenziellen Kunden zu Gast, einen sehr wohlhabenden Herrn aus dem Osten. Man traf sich zur Hörsession, der Kaffee dampfte, die Musik spielte göttlich. Der Kunde war sichtlich beeindruckt von der Performance dieser puristischen Schallwandler.

Dann kam der Moment der Wahrheit – die Frage nach dem Preis. Unser Entwickler, ein grundehrlicher Typ, nannte die Summe: 8.000 Euro.

In diesem Moment passierte etwas Seltsames. Die Miene des Kunden verdunkelte sich. Er schüttelte den Kopf. Unser André dachte in diesem Moment natürlich sofort: „Alles klar, jetzt geht das typische Basar-Gefeilsche los. Er will den Preis drücken, er will ein Schnäppchen machen.“

Doch weit gefehlt. Der Kunde wollte den Preis nicht drücken – er wollte ihn nach oben korrigieren! Mit einer Logik, die einem den Atem stocken lässt, erklärte er dem verdutzten Hersteller: Seine HiFi-Freunde zu Hause würden ihn schlichtweg auslachen und nicht ernst nehmen, wenn auf der Rechnung läppische 8.000 Euro stünden. Damit man in seinen Kreisen als „echter High-Ender“ akzeptiert wird, müsse da bitteschön eine 25.000 stehen. Mindestens.

Der Markt bekommt, was er verlangt

Was lernen wir daraus? Die bittere Wahrheit ist: Nicht allein die gierigen Hersteller oder die windigen Vertriebe sind schuld an der massiven Preiserhöhung. Es ist der Kunde selbst. Oder besser gesagt: Eine neue Art von Kunde, die vor allem im asiatischen und osteuropäischen Markt das Sagen hat.

Dort wird High-End nicht als Hobby betrieben, bei dem man nächtelang über den perfekten Ruhestrom grübelt. Dort ist High-End ein Investment in das eigene Ego. Und die Industrie? Die ist natürlich nicht blöd. Die merkt: „Huch, wenn wir das Gehäuse aus dem vollen Aluminiumblock fräsen und statt 5.000 einfach 50.000 Euro draufschreiben, verkaufen wir in China plötzlich das Zehnfache!“ Wir im alten Europa gucken derweil in die Röhre. Wir, die wir noch wissen, wie ein Lötkolben von der heißen Seite aussieht, können uns diesen Zirkus kaum noch leisten. Der ehrliche Lautsprecher, der einfach nur verdammt gut Musik spielt, stirbt aus, weil er nicht „teuer genug“ ist, um auf dem Weltmarkt als prestigeträchtig zu gelten.

Mein Fazit: Zurück zum Wesentlichen

Wir müssen uns entscheiden. Wollen wir Teil dieser bizarren Preisspirale sein, bei der wir für das goldene Logo und das massive Marketing-Budget bezahlen? Oder besinnen wir uns wieder darauf, worum es eigentlich geht: Die Musik.

Der Veblen-Effekt funktioniert nur so lange, wie es Leute gibt, die dumm genug sind, den Preis als Qualitätsmerkmal zu akzeptieren. Mein Rat: Kauft mit den Ohren, nicht mit dem Prestige-Gedanken im Hinterkopf. Ein Breitbänder für 8.000 Euro kann die Offenbarung sein – auch wenn der neureiche Nachbar ihn für „Billigschrott“ hält, weil er weniger kostet als seine Armbanduhr.

Hört auf, auf die Schilder zu gucken. Fangt wieder an zu hören. Denn am Ende des Tages ist der wahre Luxus nicht die teuerste Rechnung, sondern die Gänsehaut beim ersten Takt.

Quellen & Referenzen zum Nachrecherchieren:

Hinweis: Die im Diagramm genutzten Daten basieren auf einer Synthese aus Preislisten von Wilson Audio, Magico und Accuphase sowie Marktanteilsberichten für den Bereich Consumer Electronics Luxury (2010-2024).