Nils Petter Molvær – Khmer
Nils Petter Molvær – Khmer Hörbericht:
- Label: ECM Records – ECM 1560
- Genre: Electronic, Jazz
- Stil: Future Jazz / Nu Jazz
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Hintergrund: Eine Revolution des Klangs
„Khmer“ ist weit mehr als nur ein Album – es ist ein wegweisender Meilenstein des norwegischen Trompeters Nils Petter Molvær aus dem Jahr 1997. In einer Zeit, in der sich der Jazz oft in Traditionen verlor, wagte Molvær den radikalen Schritt in elektronische Dimensionen. Er schuf ein Werk, das die Grenzen zwischen Jazz, Ambient und Techno nicht nur überschritt, sondern sie komplett auflöste.
Der Titel, inspiriert von der Kultur Kambodschas, spiegelt Molværs Faszination für ethnische Klänge wider. Auf „Khmer“ verschmelzen diese Einflüsse mit der unterkühlten, aber hochemotionalen Ästhetik des Nordens zu einem einzigartigen musikalischen Erlebnis.
Musikalischer Stil: Hypnotisch und Meditativ
Die Musik auf „Khmer“ lebt von der nahtlosen Verschmelzung akustischer und elektronischer Welten. Molvær nutzt seine Trompete nicht nur als Melodieinstrument, sondern als Pinsel für atmosphärische Texturen. Der Einsatz von Loops und Samplern verleiht den Stücken eine hypnotische Qualität, die typisch für die legendäre ECM-Klangphilosophie ist: weit, offen und ungemein räumlich.
Die Melancholie ist allgegenwärtig, doch sie wirkt nie schwerfällig. Molværs Spiel ist präzise, emotional und schafft es, den Hörer in eine Art Trance zu versetzen. Es ist die perfekte Musik für lange Nächte und Anlagen, die in der Lage sind, feinste Hallfahnen und tiefste Bässe sauber abzubilden.
Trackliste & Analyse:
- Khmer (4:59)
Ein Einstieg nach Maß. Hypnotische Rhythmen treffen auf eine mystische E-Bow-Gitarre von Eivind Aarset. Die Trompete schwebt traumartig über dem Geschehen – ein Track, der sofort die Tiefe der Klangbühne offenbart. - Tløn (7:52)
Hier wird es dynamischer. Treibende Beats und geschickt platzierte Samples von Ulf W. Ø. Holand schaffen eine spannungsgeladene Fusion, in der die Trompete die Führung übernimmt. - Access / Song Of Sand I (5:51)
Ein experimentelles Highlight. Meditative Klänge und subtile Soundbehandlungen entführen den Hörer in eine andere Dimension. Die harmonische Interaktion zwischen Bass und Trompete ist hier besonders hervorzuheben. - On Stream (5:01)
Energetisch und fast schon rockig. Kraftvolle Gitarrenriffs (Morten Mølster) treffen auf markante Trompetenstöße. Rhythmisch intensiv und extrem packend. - Platonic Years (6:33)
Vielschichtig und komplex. Mit Samples, die unter anderem von Bill Laswell produziert wurden, entsteht eine melancholische, fast schon industrielle Klangwelt. - Phum (3:39)
Ein kurzer, intimer Moment. Nur akustische Gitarre und Trompete. Die Einfachheit sorgt hier für eine enorme emotionale Tiefe. - Song Of Sand II (6:11)
Die Fortsetzung des dritten Tracks, aber mit deutlich mehr rhythmischem Drive. Die Dynamik zwischen den Instrumenten ist hier greifbar. - Exit (2:42)
Ein leiser, melancholischer Ausklang. Akustische Gitarre und E-Bow lassen das Album reflektiert und ruhig enden.
Fazit
„Khmer“ ist ein zeitloser Klassiker, der auch heute – über 25 Jahre nach seinem Erscheinen – nichts von seiner Relevanz verloren hat. Es ist ein Pflichtalbum für jeden, der die Schnittstelle zwischen Jazz und Elektronik liebt. Für High-End-Enthusiasten ist es zudem ein fantastisches Testobjekt: Die Mischung aus harten elektronischen Impulsen und dem weichen, luftigen Klang der Trompete deckt gnadenlos auf, wie gut ein System Auflösung und Kontrolle im Griff hat.