Michael Mantler – The Jazz Composers Orchestra Update
Michael Mantler – The Jazz Composer’s Orchestra Update Hörbericht:
- Genre: Jazz (Zeitgenössisch, Avantgarde, Big Band)
- Jahr: 2014
- Label: ECM Records (ECM 2391)
- Format: CD, Vinyl, Streaming
- Amazon Link: The Jazz Composer’s Orchestra Update
Michael Mantlers The Jazz Composer’s Orchestra Update ist eine faszinierende Neuinterpretation seines einflussreichen Werks von 1968. Es ist weit mehr als ein bloßes Remake; es ist eine klangliche Aktualisierung, die den experimentellen Geist des Originals mit der audiophilen Klarheit moderner ECM-Produktionen verbindet. Aufgenommen in den renommierten Studios La Buissonne in Frankreich unter der Regie von Manfred Eicher, bietet dieses Album eine Detailtiefe, die jede High-End-Anlage fordert.
Hintergrund und Konzept
Das ursprüngliche Album von 1968 war ein Meilenstein des Avantgarde-Jazz. Es verschmolz orchestrale Wucht mit freier Improvisation und versammelte Legenden wie Cecil Taylor und Don Cherry. Mit dem Update bringt Mantler diese Kompositionen in den modernen Kontext. Er bewahrt die Komplexität, nutzt aber die Möglichkeiten zeitgenössischer Orchesterbesetzungen, um frische Klangwelten und eine neue Dynamik zu erkunden.
Die Besetzung: Orchestrale Fülle trifft auf Solisten
Die Neuaufnahme vereint die Nouvelle Cuisine Big Band unter Christoph Cech mit handverlesenen Solisten:
- Michael Mantler: Dirigent, Komponist und Trompete (mit seinem gewohnt expressiven Klang).
- Bjarne Roupé: Gitarre – liefert atmosphärische und hochpräzise Soli.
- Wolfgang Reisinger: Schlagzeug – sorgt für die rhythmische Komplexität und dynamische Akzente.
Musik und Arrangements: Spannung und Struktur
Die Arrangements auf diesem Album sind ein Drahtseilakt zwischen Spannung und Fluss. Es ist eine düstere, oft bedrückende Atmosphäre, die typisch für Mantlers Stil ist. Audiophile Hörer werden vor allem den differenzierten Umgang mit der Dynamik lieben: Sparsame, fast stille Momente wechseln sich mit kraftvollen orchestralen Eruptionen ab. Die Kombination aus freier Improvisation und streng strukturierter Klassik macht dieses Album zu einem Erlebnis für anspruchsvolle Ohren.
Tracklist & Analyse:
- Update One (4:52): Ein atmosphärischer Opener, der den Dialog zwischen Orchester und Solisten (Trompete/Gitarre) etabliert.
- Update Eight (6:23): Dichte Orchestrierung trifft auf rhythmische Vielfalt. Perfekt, um die Staffelung der Lautsprecher zu testen.
- Update Nine (5:52): Hier steht die Interaktion zwischen Gitarre und Trompete im Fokus. Abstrakt und expressiv.
- Update Eleven (7:07): Eine vielschichtige Klanglandschaft, die zwischen Ordnung und freier Improvisation schwankt.
- Update Five (5:15): Melancholisch und introspektiv. Die harmonischen Schichtungen des Orchesters sind hier besonders beeindruckend.
- Update Six (7:36): Ein dynamisches Highlight mit spannenden rhythmischen Wechseln und einem großen Crescendo.
- Update Ten (6:54): Ein Spiel aus Dissonanz und Melodie. Organische Entwicklung zwischen Anspannung und Lösung.
- Update Twelve (Pt. 1-3): Das dreiteilige Finale führt von atmosphärischer Ruhe (Pt. 1) über energetische Intensität (Pt. 2) hin zu einem reflektierenden, leisen Ausklang (Pt. 3).
Fazit
The Jazz Composer’s Orchestra Update ist ein Pflichtkauf für Jazz-Liebhaber, die keine Angst vor Komplexität haben. Die ECM-Produktion sorgt für eine Transparenz und Tiefe, die das Zusammenspiel zwischen Solisten und Orchester greifbar macht. Es ist eine Hommage an den experimentellen Geist der 60er und gleichzeitig ein Beweis für Michael Mantlers zeitlose Relevanz in der modernen Jazzkomposition.
Für High-End-Fans ist diese Aufnahme ein exzellentes Werkzeug, um die Detailauflösung und die Fähigkeit der Anlage zur Darstellung großer Orchesterbesetzungen zu prüfen. Hier zeigt sich, ob ein System die dichten Klangtexturen sauber trennen kann oder im Matsch versinkt.