Stephan Micus Life
Stephan Micus – Life Hörbericht:
- Label: ECM Records – ECM 1897
- Genre: Folk, World, Ambient
- Released: 18. Oktober 2004
- Amazon Link: Stephan Micus – Life
Life ist ein außergewöhnliches Werk des deutschen Multiinstrumentalisten Stephan Micus. Seit über vier Jahrzehnten entwickelt Micus eine eigene musikalische Sprache, indem er traditionelle Instrumente aus aller Welt sammelt und in völlig neue klangliche Kontexte stellt. Seine Musik entzieht sich jeder einfachen Kategorisierung – sie ist eine Reise zwischen Weltmusik, meditativer Stille und atmosphärischem Folk.
Konzept: Eine musikalische Meditation über das Dasein
Wie der Titel bereits andeutet, ist dieses Album eine tiefe Reflexion über das Leben als kontinuierlicher Fluss. Micus betrachtet das menschliche Dasein als ein Netzwerk von Erfahrungen, das durch unterschiedlichste kulturelle Einflüsse geformt wird. Dabei begegnet er den Instrumenten fremder Kulturen mit höchstem Respekt, ohne jedoch ihre traditionellen Spielweisen strikt zu kopieren. Er schafft einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Stille und Bewegung.
Instrumentierung: Die Welt in einem Raum
Micus ist dafür bekannt, seltene und exotische Instrumente meisterhaft zu kombinieren. Auf Life webt er eine dichte Klangpalette aus:
- Genbri: Ein nordafrikanisches Saiteninstrument für erdige, sonore Töne.
- Shakuhachi & Suling: Bambusflöten aus Japan und Indonesien für spirituelle, atmende Klänge.
- Zampoña: Südamerikanische Panflöten für luftige, melodische Akzente.
- Bagana: Die äthiopische Leier, die oft das rhythmische und narrative Fundament bildet.
Durch das Übereinanderlegen vieler Spuren erzeugt Micus – der im Studio alles allein einspielt – einen fast orchestralen Klang, der dennoch eine zutiefst persönliche und intime Atmosphäre bewahrt.
Produktion: Die typische ECM-Transparenz
Typisch für ECM ist die Produktion kristallklar und transparent. Jedes Instrument erhält seinen eigenen Raum im Klangbild. Diese Detailtreue ist ein Fest für jede High-End-Anlage: Selbst feinste Nuancen des Atems bei den Flöten oder das Zupfen der Saiten werden in ihrer vollen Dynamik eingefangen. Es ist Musik, die zum Innehalten einlädt und den Hörer aus der Hektik des Alltags entführt.
Trackliste & Analyse:
- Narration One And The Master’s Question (14:26): Ein ritueller Opener mit Bagana-Lyra, tibetischen Chimes und japanischer Sho. Meditativ und tiefgründig.
- The Temple (6:20): Singende Schalen aus Thailand und die indische Dilruba beschwören die Atmosphäre eines heiligen Ortes herauf.
- Narration Two (5:44): Mehrstimmige Gesänge entfalten eine fast chorale Qualität über der Bagana-Lyra.
- The Monk’s Answer (2:56): Ruhig und reflektierend, getragen von den schwebenden Klängen der Dilruba.
- Narration Three (4:04): Die bayerische Zither und Tin Whistle fügen der Erzählung eine träumerische Dimension hinzu.
- The Master’s Anger (3:35): Intensiv und fast bedrohlich – tibetische Zimbeln und Gongs machen den „Zorn“ spürbar.
- Narration Four (4:54): Eine gestrichene Bagana sorgt für eine tiefe, fast rituell-meditative Textur.
- The Monk’s Question (4:47): Balinesische und burmesische Gongs schaffen eine fragende, schwebende Atmosphäre.
- The Sky (4:10): Ein Solo mit der Sho-Mundorgel. Luftig, weit und unendlich wie der Horizont.
- The Master’s Answer (3:21): Ein minimalistischer Solo-Gesang bildet den puristischen Abschluss und liefert die „endgültige Antwort“.
Fazit
Stephan Micus‘ Life ist weit mehr als Weltmusik. Es ist ein spiritueller Rückzugsort, der gerade in unruhigen Zeiten eine heilende Wirkung entfalten kann. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, wird mit einer neuen Perspektive auf die Welt belohnt. Für HiFi-Enthusiasten ist das Album zudem eine exzellente Referenz, um die Natürlichkeit von Instrumenten und die räumliche Abbildung der eigenen Anlage zu prüfen.