Isophon Enigma Keramik
Isophon Enigma Keramik Hochtöner Erfahrungsbericht / Test: Wenn Tuning zum klanglichen Albtraum wird
Rückblick: Die Magie der klassischen Enigma
Vor einigen Jahren hatte ich das Vergnügen, die Isophon Enigma in ihrer ursprünglichen Version mit Seidenkalotten-Hochtönern vorzustellen. Diese Lautsprecher haben mich damals tief beeindruckt und tun es eigentlich heute noch. Sie verkörpern fast alles, was ich an exzellenten HiFi-Komponenten liebe: eine ungemein präzise und dennoch natürliche Wiedergabe von Stimmen, einen seidigen, niemals nervigen Hochtonbereich und einen Bass, der zwar kraftvoll zupackt, aber dabei stets die volle Kontrolle behält. Was die Enigma aber wirklich auszeichnet, ist ihre enorme Langzeittauglichkeit. Man kann stundenlang Musik genießen, ohne dass sich auch nur der Hauch einer Ermüdung einstellt. Ein echter Genuss-Lautsprecher eben.
Isophon Vescova: Der bisherige Zenit
Nach meinen Erlebnissen mit der Enigma zog irgendwann die Isophon Vescova bei mir ein und wurde prompt zu meinem persönlichen Heiligen Gral. Obwohl hier bereits konsequent auf Keramik-Chassis gesetzt wurde, schaffte es Isophon durch eine extrem ausgefeilte Frequenzweiche, beeindruckende Klangfarben zu generieren. Die oft zitierte „Härte“ oder Schärfe von Keramik war hier absolut kein Thema – der Klang war warm, einladend und tief emotional. Interessanterweise fand ich die spätere Gauder Vescova MK II deutlich weniger überzeugend. Die erste Generation blieb für mich der unangefochtene Maßstab, an dem ich alles messe, was aus dem Hause Gauder oder Isophon kommt.
Die Enigma mit Keramikhochtöner: Erwartungen gegen Realität
Mit diesen durchweg positiven Erfahrungen im Gepäck konnte ich nicht widerstehen, als ich auf eBay-Kleinanzeigen ein Paar Enigma-Lautsprecher entdeckte, die direkt bei Gauder auf Keramikhochtöner umgerüstet worden waren. Ich investierte eine beträchtliche Summe und war voller Vorfreude. Am nächsten Tag stand der große Vergleichstest an: Meine geliebte Dynaudio Contour 2 MK II gegen die „getunte“ Wunder-Enigma. Doch was ich dann zu hören bekam, war schlichtweg niederschmetternd.
Die überarbeitete Keramik-Version hat praktisch nichts mehr mit dem ursprünglichen Charakter der Enigma gemeinsam. Wo die Original-Version sanft und harmonisch musizierte, präsentiert sich die Keramik-Variante mit einem Hochtonbereich, der so scharf und aufdringlich agiert, dass es fast körperlich wehtut. S- und F-Laute fühlten sich an wie gezielte Nadelstiche in meinen Gehörgang. Weiche, schmeichelnde Frauenstimmen bekamen plötzlich eine raue, fast schon kratzige Note, die jegliche Natürlichkeit vermissen ließ. Alben, die ich in- und auswendig kenne und liebe, konnte ich kaum zu Ende hören. Es war eine herbe Enttäuschung auf ganzer Linie.
Fazit: Ein zerstörtes Konzept
Aus meiner Sicht hat diese Überarbeitung das ursprüngliche, so harmonische Konzept des Lautsprechers komplett zerstört. Statt einer natürlichen Musikwiedergabe wurde hier eine harsche, übermäßig analytische Präsentation erzwungen, die am Ende einfach nur anstrengend ist. Es ist ein klassisches Paradebeispiel dafür, wie gut gemeinte „Verbesserungen“ ein eigentlich perfektes Produkt massiv verschlechtern können.
Natürlich ist Klangempfinden immer subjektiv, aber für mich ist Natürlichkeit der oberste Maßstab. Musik muss einladend klingen und nicht wie ein akustisches Folterinstrument. Wenn unsere Umwelt so scharf klingen würde wie diese Lautsprecher, müssten wir alle ständig mit Ohrenschützern herumlaufen. Ein guter Lautsprecher muss die Balance zwischen Detailreichtum und musikalischer Wärme finden – und genau diese Balance ist bei der „Keramik-Enigma“ völlig verloren gegangen. In meine Sammlung wird dieses Modell definitiv keinen Platz finden. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Isophon Enigma (Keramik-Version)
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Bauart | 3-Wege Doppelbandpass-Standlautsprecher |
| Bestückung | Chassis | 2x 178 mm Bass, 120 mm Mittelton, 25 mm Keramik-Hochton |
| Audio | Übergangsfrequenzen | 160 Hz / 3200 Hz |
| Leistung | Belastbarkeit (Sinus/Impuls) | 160 Watt / 290 Watt |
| Elektrik | Impedanz | 4 Ohm |
| Gehäuse | Technik | Einzeln ventiliert, hochpassgefiltert |
| Maße | Gewicht / Größe | 25,0 kg / 1020 x 210 x 350 mm (H x B x T) |
| Charakter | Klangtendenz (Tuning) | Extrem analytisch, scharfer Hochton, wenig harmonisch |