Moin Leute. Wer sich in High-End-WhatsApp-Gruppen oder einschlägigen Foren rumtreibt, kennt das Spiel: Irgendwann eskaliert die Diskussion. Es geht um phasenrichtige 6-dB-Weichen gegen steilflankige 24-dB-Filter. Es geht um Lautsprecher, die angeblich so „schnell“, „transparent“ und „hochauflösend“ sind, dass sie „gnadenlos die Schwächen deines Raumes aufdecken“.
Vor einigen Wochen passierte etwas, das bei vielen in der HiFi-Szene wohl für blankes Entsetzen sorgen dürfte. Ein mir bekannter Händler hatte ein Paar Pioneer S-1EX im Angebot. Als ich diese Trümmer sah, zögerte ich nicht lange und machte ihm ein Tauschangebot: Meine Sonus Faber Guarneri Memento im direkten Tausch gegen die Pioneer.
Vor einigen Monaten klingelte mein Telefon. Dran war ein Freund aus dem Norden – hi Adam! –, der mich mit der typischen Schnäppchenjäger-Nervosität in der Stimme fragte, ob ich mal eben in meiner Region ein paar Lautsprecher und HiFi-Geräte abholen könnte. Er hatte da gerade was auf Kleinanzeigen geschossen. Wie das so ist, wenn man selbst einen vollen Terminkalender hat: Leider konnte ich nicht so schnell reagieren. Zuerst meinte ich noch zu ihm, er solle den Verkäufer bitten, den Termin auf morgen zu verschieben, dann würde ich das erledigen.
XTC (Crosstalk Cancellation) und die gehörrichtige Lautstärke nach ISO-226 haben wir erfolgreich im Mackern Physics Lab (MPL) abgehakt. Die Werkzeuge sind geschärft, die Theorie sitzt. Jetzt begeben wir uns in ein Terrain, in dem sich die Spreu der echten Audio-Wissenschaft endgültig vom Weizen der HiFi-Esoterik trennt: Die Phase.
Wer von euch kennt Chesky Records nicht? Wenn wir über absolute akustische Maßstäbe und audiophile Referenzklasse sprechen, ist David Chesky der „Godfather of binaural sound“. Die Aufnahmen, die dort – oft in akustisch perfekten Kirchen oder speziellen Räumen – produziert werden, fangen Rauminformationen mit einer atemberaubenden, dreidimensionalen Präzision ein. Sie nutzen dafür Kunstkopfmikrofone (Dummy Head Recording), die exakt das aufzeichnen, was an den Trommelfellen eines menschlichen Zuhörers im Raum ankäme.
Um euch kurz abzuholen: Labels wie ECM spielen gerne mit der Atmosphäre. Das bedeutet, dass über Phase und Zeit extrem viel Räumlichkeit suggeriert wird – also wie tief, hoch und breit die Bühnendarstellung vermittelt wird. Wenn unser Raum nun sehr viele Reflexionen hat, zerstört das diese empfindliche Phase. All das Schaffenswerk des Studios wird zunichtegemacht und wir bekommen Musik präsentiert, die in unserem Ohr überhaupt keinen Sinn mehr ergibt.
nun steht mein Mackern Physics Lab (MPL) kurz vor der Vollendung. Anfänglich hätte es nur eine einfache, ehrliche Raumsimulation werden sollen. Ein bisschen Wände schubsen, die fiesesten Raummoden berechnen, fertig. Doch dank meiner Lieblings-HiFi-WhatsApp-Gruppe ist das Projekt massiv eskaliert. Man wirft ein harmloses Diagramm in den Chat, es kommen drei Detailfragen zurück – „Sag mal Cüneyt, berechnest du da eigentlich auch das Group Delay der Frequenzweiche mit rein?“ – und bumm: Plötzlich baust du eine komplette DSP-Simulations-Engine mit allem Zipp und Zapp. Eine ausführliche
Neueste Kommentare