Pioneer PD 91
Pioneer PD-91 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Schwarzes Gold mit Rucksack
Urushi, Urushi, UUUrushi… Ja, ich weiß, das klingt fast so, als hätte ein Pioneer-Sammler im Fieberwahn seine kühnsten Träume im Halbschlaf rausgemurmelt. Aber ich muss es offen zugeben: Diese Serie von Pioneer hat einen Reiz, dem man sich kaum entziehen kann. Wer allerdings glaubt, mit dem PD-91 das absolute Ende der Fahnenstange bei Pioneer erreicht zu haben, der irrt gewaltig. Es gab da noch die Exclusive-Serie (P3, P10 etc.), die – gelinde gesagt – preislich und technisch in Regionen schwebte, die für uns Normalsterbliche völlig unerreichbar waren. Für uns „einfache“ High-End-Verrückte blieb dann eben die Urushi-Serie. Und was für eine das ist!
Design: Ein Klavier im HiFi-Rack
Die Urushi-Serie (M-90, C-90, PD-91, CT-91 und Co.) war durchweg eine Ansage. Die Optik mit diesem tiefschwarzen Klavierlack und den edlen Holzwangen ist so zeitlos gewählt, dass man auch heute noch – Jahrzehnte später – mit glänzenden Augen davorsteht. Der PD-91 fügt sich nahtlos in dieses Konzept ein. Die Front ist zwar mit Knöpfen regelrecht übersät (damals wollte man zeigen, was man kann!), aber es wirkt trotzdem wie aus einem Guss.
Der „Rucksack“ am Heck:
Was mir allerdings optisch überhaupt nicht in die Tüte kommt, ist das Netzteil, das wie eine fette Zecke hinten am Gehäuse klebt. Wir müssen uns nicht über den technischen Sinn ausgelagerter Trafos streiten (Stichwort: Einstreuungen vermeiden!), aber warum man das nicht schöner lösen konnte, bleibt ein Rätsel. Aber keine Sorge: Sobald die erste CD läuft, vergisst man den „Rucksack“ ganz schnell und lebt einfach damit.
Materialschlacht: Wenn Ingenieure eskalierten
Spannend wird es, wenn man den Deckel abnimmt oder sich die unzähligen „Nacktfotos“ im Netz anschaut. Da bleibt einem vor Staunen fast die Spucke weg – einfach toll, super toll! Pioneer hat hier eine Materialschlacht gefeiert, die ihresgleichen sucht. Alles ist verkupfert, alles ist geschirmt. Irgendjemand musste den Sony-Panzern ja Einhalt gebieten, nicht wahr? Der PD-91 war Pioneers Antwort auf die aufkeimende Dominanz der Sony ES-Serie.
Das Laufwerk ist ein Traum: Die Einlesezeit ist absolut TOP, und die Schublade gleitet so leise auf und zu, dass man fast meint, sie würde auf Samt laufen. Das ist haptischer Genuss, der heute bei fast jedem modernen Player komplett fehlt.
Klang: Detailfülle ohne Ende
Klanglich ist dieser Player dank der exzellenten Burr-Brown PCM65 Wandler (echte 18-Bit-Linear-Technik!) eine feste Bank. Er gehört sicher zu den besten Playern, die man sich damals anschaffen konnte – und heute noch kann. Seine ganz große Stärke ist die enorme Detailfülle. Er schält Nuancen aus den Aufnahmen, die andere Player einfach verschlucken. Er spielt präzise, druckvoll und mit einer souveränen Ruhe.
Sony oder Pioneer?
Trotz all der Liebe zum PD-91: Wenn ich mich entscheiden müsste, bleibt Sonys 7er-Serie (X779ES, X707ES) mein Favorit. Die Sonys sitzen für mich einfach noch einen Tick fester auf dem Thron, was die ultimative Neutralität angeht. Aber der Pioneer PD-91 ist verdammt nah dran und hat vielleicht sogar den etwas „schöneren“ Schmelz im Klang. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Pioneer PD-91
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Wandler-Sektion | D/A-Wandler | 2 x Burr-Brown PCM65P (Echte 18-Bit Linear-Wandlung) |
| Audio-Werte | Klirrfaktor / SNR | 0,0015% / > 110 dB |
| Frequenzgang | Bereich | 2 Hz – 20.000 Hz |
| Laufwerk | Antriebstechnik | Hochpräzisions-Antrieb mit Linearmotor |
| Ausgänge | Analog / Digital | Cinch (fest/variabel), Optisch (Toslink), Koaxial (Cinch) |
| Konstruktion | Besonderheiten | Massives Kupfer-Chassis, externes Netzteil („Rucksack“) |
| Maße | Gewicht | 11,7 kg Netto |
| Historie | Baujahre | 1987 – 1990 |
Fazit: Der PD-91 ist ein Denkmal der CD-Geschichte. Wer ein Gerät sucht, das nicht nur fantastisch klingt, sondern auch aussieht wie ein edles Möbelstück, kommt an diesem Urushi-Kaiser nicht vorbei.