Marantz 1122DC

Marantz 1122DC

Marantz 1122DC Vollverstärker Erfahrungsbericht / Test: Ein kraftvoller „Schinken“ der DC-Serie

Die ungebrochene Faszination der klassischen Marantz-Ära

In meinen zahlreichen Artikeln und Berichten habe ich schon oft die beeindruckende Optik der älteren Marantz-Geräte gewürdigt. Doch es bleibt immer wieder ein kleines Wunder, welche ungebrochene Faszination diese klassischen „Marantz-Schinken“ bei uns Vintage-Liebhabern auslösen. Wenn man vor der massiven Aluminiumfront eines solchen Boliden steht, blickt man auf ein wahres Fest der Schalter, Knöpfe und Regler. Es ist offensichtlich, dass die Designer damals aus dem Vollen geschöpft haben, um ein Design zu schaffen, das nicht nur funktional ist, sondern eine fast schon magische Anziehungskraft ausstrahlt. Jede Bedienung eines Schalters wird hier zu einem haptischen Erlebnis.

Das Mysterium des fehlenden Mutingschalters

Ein kleines Rätsel bleibt allerdings die Entscheidung der Marantz-Ingenieure, konsequent auf einen Mutingschalter zu verzichten. Sicherlich, so ein Schalter ist nicht jedermanns Sache, aber gerade im Zeitalter der CD-Wiedergabe wäre er ein Segen gewesen. Wer gerne Musik bei gepflegter Zimmerlautstärke genießt und schnell mal den Pegel absenken möchte, ohne am Hauptregler zu drehen, wird dieses Feature schmerzlich vermissen. Für manchen potenziellen Käufer mag das Fehlen eines solchen Schalters sogar ein Ausschlusskriterium sein. Doch für uns echte Sammler ist das lediglich ein kleiner, verzeihlicher Schönheitsfehler, der die allgemeine Begeisterung für diese Geräte keineswegs schmälern kann.

Die 11er-Serie: Qualität von klein bis groß

Die Modelle 1122DC, 1152DC und 1180DC gehören zur gleichen ehrwürdigen Serie wie das absolute Schlachtschiff 1300DC. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung an die Verarbeitung, und ich kann euch beruhigen: Auch der kleinste Vertreter dieser Reihe, der hier vorgestellte 1122DC, erweist sich als absolut würdiger Bruder seiner größeren Verwandten. Er ist keineswegs ein billiger Abklatsch, sondern ein grundsolide aufgebauter Verstärker, der die Familientradition stolz weiterträgt.

Klanglich ist der 1122DC über jeden Zweifel erhaben. Er spielt ganz im typischen, geliebten Marantz-Stil – das heißt: ungemein kräftig und druckvoll im Keller, ohne dabei jemals die nötige Seidigkeit und Feinzeichnung in den oberen Lagen zu verlieren. Es ist diese spezielle Mischung aus Autorität und Wärme, die das Musikhören mit einem Marantz so besonders macht.

Leistungsreserven und Lautsprecher-Wahl

Die Klangqualität bereitet einfach nur Freude, und der Marantz 1122DC erweist sich im Alltag als absolut unkritisch gegenüber den angeschlossenen Lautsprechern. Er spielt auf einem beachtlich hohen Niveau mit fast allem, was ich ihm in meinem Hörraum vorgesetzt habe. Dennoch ein kleiner Rat am Rande: Bei extrem leistungshungrigen Boxen mit schlechtem Wirkungsgrad sollte man den Lautstärkeregler nicht dauerhaft im Anschlag lassen. Auch wenn er ein kleiner „Kraftzwerg“ ist, hat er physikalische Grenzen, und man möchte das gute Stück ja nicht überlasten.

Mit einer Leistung von 2 x 61 Watt an 8 Ohm und soliden 2 x 77 Watt an 4 Ohm bietet er für die meisten Haushalte mehr als genug Reserven. Wenn man ihn mit wirkungsgradstarken Lautsprechern kombiniert, wird das Hörerlebnis zu einem absoluten Traum. Für die Preise, die derzeit auf dem Gebrauchtmarkt aufgerufen werden, ist dieser Verstärker eine dicke Empfehlung wert. Aber um ehrlich zu bleiben: Ein Kenwood KA 7300 kann hier nicht nur locker mithalten, sondern den Marantz in Sachen klanglicher Neutralität stellenweise sogar übertrumpfen. Am Ende entscheidet wie immer der persönliche Geschmack und die Liebe zur blauen Beleuchtung.

Fazit

Der Marantz 1122DC ist ein wunderbarer Einstieg in die Welt der klassischen DC-Verstärker. Er bietet die volle optische Breitseite der 70er Jahre gepaart mit einem Klang, der einfach Spaß macht. Wer einen ehrlichen, druckvollen Vintage-Amp sucht, kommt an diesem Modell kaum vorbei. In diesem Sinne…


Gesamttabelle – Marantz 1122DC

Kategorie Merkmal Daten / Beschreibung
Prinzip Gerätetyp Vollverstärker (DC-gekoppelt)
Leistung Ausgangsleistung (RMS) 2x 61 W (8 Ohm) / 2x 77 W (4 Ohm)
Audio Klirrfaktor (THD) 0,03 % (bei 8 Ohm) / 0,06 % (bei 4 Ohm)
Audio Frequenzgang 20 Hz – 20.000 Hz
Technik Besonderheit DC-Verstärkung (abschaltbar)
Haptik Bedienelemente Massive Aluminiumknöpfe, Schiebepotentiometer für EQ
Maße Gewicht / Größe ca. 12,5 kg / 416 x 146 x 316 mm (B x H x T)
Historie Produktionszeitraum ca. 1977 – 1980

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