Naim Unitiserve

Naim Unitiserve

Naim Unitiserve High End Netzwerkplayer Erfahrungsbericht / Test: Ein teures Missverständnis?

Die Marke Naim Audio dürfte eigentlich so ziemlich jedem HiFi-Freund geläufig sein. Für mich persönlich gehört Naim zu den Marken, die ich im HiFi-Himmel anstrebe und respektiere. Besonders von ihren klassischen Verstärkern – speziell den End- und Vorstufen der „Olive“- oder „Chrome Bumper“-Ära – halte ich wirklich sehr viel.

Auch wenn es einem eingefleischten Vintage-Freak, der 30 Kilo schwere japanische Boliden gewohnt ist, beim Blick in das oft leere Innere eines Naim-Verstärkers erst mal die Sprache verschlägt: Was bringt es, wenn eine Endstufe bis obenhin mit billigen Bauteilen vollgestopft ist, aber klingt wie ein Sack Nüsse? Richtig: Nichts. Naim beweist seit Jahrzehnten, dass „weniger“ manchmal verdammt viel „mehr“ ist – nämlich mehr Musik, mehr Rhythmus, mehr Seele.

Der Fortschritt im Test: Modernes Equipment im Hause Mackern

Meine Stammleser wissen: Ich stehe total auf das alte Zeug. Aber ich bin dem Neuen gegenüber nicht blind verschlossen. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, ziehe ich mir auch modernes Equipment ins Haus, um zu prüfen, ob der Fortschritt wirklich einer ist. So landete auch der hier besprochene Naim Unitiserve bei mir. Vorweg, damit wir die Dimensionen verstehen: Dieses Gerät hatte einen Neupreis von sagenhaften 3.500 Euro! Hut ab – für ein bisschen Software, ein Slot-In-Laufwerk und eine Festplatte ist das eine Ansage.

Die Erwartungshaltung vs. Realität: Frust statt Plug & Play

Ihr ahnt es wahrscheinlich schon, wenn ihr meine Berichte kennt: Für mich war dieser Netzwerkplayer eine reine Enttäuschung. Man kauft sich ein Gerät in der Preisklasse eines guten Gebrauchtwagens und erwartet… nun ja, Perfektion. Magie. Dass der Kaffee morgens schon fertig ist. Die Realität sah anders aus. Die Naim-eigene Software war zwar optisch übersichtlich und prinzipiell einfach zu bedienen, aber die Integration in mein bestehendes Netzwerk war eine reine Katastrophe.

Bis ich das Ding über meinen Apple Airport Express vernünftig zum Laufen bekommen habe, vergingen Stunden. Es war eine echte Hürde, kein „Plug & Play“. Ich konnte zwar irgendwann auf die Datenbank des Servers zugreifen und sehen, was da liegt – aber es kam schlichtweg kein Ton aus meinen Dynaudio-Lautsprechern. Nach langem Hin und Her, Neustarts und Fluchen musste ich kapitulieren. Ich verzichtete auf die interne Naim-Steuerung und ließ das Ganze notgedrungen über iTunes laufen. Vielleicht hatte ich wirklich nur einen Denkfehler, vielleicht bin ich zu blöd für britisches High-End-Streaming. Aber Intuitivität stelle ich mir anders vor – so wie bei Apple. Da drückt man drauf, und es läuft.

3.500 Euro für… was genau?

Jetzt mal Hand aufs Herz und Butter bei die Fische: Was erwartet man, wenn man für einen reinen Netzwerkplayer/Server über 3.500 Euro auf den Tisch legt? Dass man bei MP3s plötzlich verborgene Engelschöre hört, die man davor nie wahrgenommen hat? Dass die Bits „goldener“ klingen? Nein, meine Freunde, ich verstehe den Sinn dieses Gerätes nicht – schon gar nicht für diesen Preis! Es ist im Grunde ein PC in einem hübschen Gehäuse, der CDs rippt. Das war’s.

Wenn ihr einen wirklich guten Netzwerkplayer wollt, hier mein ultimativer Mackern-Spar-Tipp:

Schnappt euch einen gebrauchten Apple Mac mini für ca. 200 Euro. Ladet eure Lieder auf die Festplatte, installiert eine vernünftige Player-Software (wie Audirvana oder Roon) und schließt einen ordentlichen USB-DAC an. Fertig.

Das Ergebnis ist bedientechnisch überlegen und klanglich mindestens ebenbürtig. Und das Beste: Mit den eingesparten 3.300 Euro kauft ihr eurer Frau einen verdammt schönen Ring, ladet sie zum Essen ein oder macht einen wunderbaren Urlaub! Das steigert den „Woman Acceptance Factor“ (WAF) für das nächste Paar riesige Lautsprecher ungemein.

Mein Fazit: Nur für den harten Kern

Leider kann ich mit dem Naim Unitiserve nichts, aber auch rein gar nichts anfangen. Es wirkt auf mich wie ein Gerät, das für Menschen konzipiert wurde, die zu viel Geld haben, nicht wissen wohin damit und sich technisch nicht mit einem Computer auseinandersetzen wollen. Ein Lifestyle-Produkt für die Scheckbuch-HiFi-Fraktion. Bevor sich jetzt jemand auf den Schlips getreten fühlt: Geschmäcker und Budgets sind verschieden, keine Frage. Naim baut Weltklasse-Verstärker. Aber für so viel Geld hole ich mir lieber eine traumhafte, gebrauchte Vor- und Endstufen-Kombi von Naim (z.B. NAC 72 / NAP 140 oder eine NAP 250). Da habe ich Klang, Wertstabilität und Emotionen. Beim Unitiserve habe ich nur eine teure Festplatte. In diesem Sinne… bleibt kritisch!


Gesamttabelle – Naim Unitiserve

Kategorie Merkmal Daten / Beschreibung
Prinzip Gerätetyp Hard-Disk-Player / Musikserver / Ripp-Station
Speicher Kapazität Interne 2-TB-Festplatte (für ca. 2.400 unkomprimierte Alben)
Formate Kompatibilität WAV, FLAC, ALAC (Apple Lossless), AIFF, AAC, WMA, Ogg Vorbis, MP3
High-Res Abtastraten Wiedergabe und Speicherung bis zu 24 Bit / 192 kHz
Netzwerk Serverfunktion UPnP-Server, Netzwerk-Scan & Indizierung
Anschlüsse Digital-Out BNC und Toslink (optisch)
Bedienung Schnittstellen iOS-App „n-Serve“, Desktop-Software für PC/Mac
Extras Radio vTuner Webradio integriert

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