Pioneer PD 75
Pioneer PD-75 Urushi Elite CD-Player Erfahrungsbericht / Test: Der Plattenteller-Prinz
Eine verdammt lange Zeit waren die Urushi-Geräte von Pioneer für mich wie eine Fata Morgana – wunderschön anzusehen, aber für mich nicht wirklich greifbar. Natürlich hatte ich diese schwarz glänzenden Schönheiten immer wieder auf meiner Suchliste, aber die verlangten Preise waren schlichtweg zu hoch. Vor allem im direkten Vergleich zu Produkten aus denselben Jahrgängen von meinem ewigen Favoriten: Sony.
Es war immer das gleiche Spiel: Sobald eine Anschaffung des PD-75 im Raum stand, machten mir die dicken Sony-CD-Player der 7er ES-Serie einen Strich durch die Rechnung. Wenn man bedenkt, dass man für fast dasselbe Geld einen Sony-Panzer bekommen konnte, der gefühlt aus dem vollen Block gefräst war, fiel meine Entscheidung immer klar aus: Natürlich Sony! Doch vor einigen Tagen hatte ich das unverschämte Glück, eine komplette Pioneer Urushi-Kette zu erwerben. Ein Traum in Hochglanz-Schwarz. Neben dem PD-75 stehen nun auch ein PD-91, die Endstufe M-90a, die Vorstufe C-90a, das Tapedeck CT-91a und der Tuner F-91 in meinem Rack. Und ich sage euch eines: Wenn die Sonne auf diese Fronten scheint, ist das HiFi-Pornografie in Reinkultur.
PD-75 vs. PD-91: Der Bruder-Zwist im Geiste
Um es direkt vorwegzunehmen: Für mich ist der PD-91 rein technisch und vom Materialaufwand her definitiv das hochwertigere Gerät. Er kostete damals auch knappe 1.200 D-Mark mehr, was in den frühen 90ern ein echtes Vermögen war. Aber welches Gerät nun das schönere ist? Das entscheidet allein die persönliche Vorliebe. Mir gefallen beide hervorragend, aber der PD-75 macht optisch fast den noch „highendigeren“ Eindruck.
Warum? Weil er einfach ruhiger wirkt. Die Front ist puristisch gehalten, aufgeräumter und verzichtet auf zu viel „Mäusekino“. Und dann ist da natürlich dieses eine Feature, das Pioneer zur unsterblichen Legende machte: Der Plattenteller.
Das „Stable Platter Mechanism“ – Vinyl-Feeling für Digital-Fans
Das Laufwerk ist der absolute Hammer. Pioneer nannte diese Konstruktion „Stable Platter Mechanism“. Man legt die CD hier nicht wie gewohnt mit dem Label nach oben ein, sondern verkehrt herum, mit der Datenseite nach oben. Die CD liegt vollflächig auf einem Teller auf, ganz ähnlich wie bei einem analogen Plattenspieler. Das vermittelt einem tatsächlich das Gefühl, gerade eine edle Vinylscheibe aufzulegen. Ein Ritual, das in unserer schnelllebigen Streaming-Zeit richtig gut tut.
Aber es ist nicht nur Show: Die Mechanik ist technisch brillant durchdacht! Die Lasereinheit sitzt nicht unten, sondern hängt oben und „fährt“ zur Abtastung herunter. Sobald sich die CD zu drehen beginnt, fällt sofort auf, dass die Scheibe durch die vollflächige Auflage kaum „eiert“. Vibrationen werden im Keim erstickt. Das bedeutet im Klartext: Die Fehlerkorrektur muss kaum eingreifen, die Daten werden sauberer ausgelesen. Das hat mich technisch extrem imponiert – es ist eine logische und physikalisch absolut sinnvolle Lösung.
Technik unter der Haube: Sauberes Engineering
Im Gegensatz zum großen Bruder PD-91 kommen beim PD-75 zwei vollständig getrennte Transformatoren zum Einsatz, um eine maximale Isolierung zwischen den analogen und digitalen Abschnitten zu garantieren. Das ist sauberes Engineering, wie man es sich wünscht. Herzstück ist der von Pioneer entwickelte Pulse-Flow-1-Bit-Digital-Analog-Wandler. Pioneer versprach damals vollmundig, dass dieser effektiver sei als die 1-Bit-Systeme der Konkurrenz (MASH, Bitstream etc.) und deutlich weniger Rauschen sowie Verzerrungen aufweise.
Klangcheck: Pioneer vs. Sony ES – Der ewige Kampf der Giganten
Bevor ich weitermache, muss ich eines klarstellen: Ich habe keinen Markenfetisch. Ich liebe HiFi-Geräte markenübergreifend. Aber wenn ein Bolide wie der PD-75 hier steht, muss er sich natürlich meinem persönlichen Referenz-Player, dem Sony CDP-X707ES, stellen.
In Sachen purer Gehäuse-Verarbeitung und Materialschlacht hat der Sony für mich immer noch leicht die Nase vorn. Der Sony wirkt wie ein massiver Tresor, der Pioneer dagegen wie ein edles Musikinstrument. Beides hat zweifellos seinen Reiz.
Im Netz liest man oft, dass HiFi-Freunde sich für den PD-75 entschieden haben, weil der Sony zu „hart“ spielen soll. Dass ein großer Sony ES der 7er Serie „hart“ spielt, halte ich allerdings für ein absolutes Ammenmärchen. Die großen Sonys sind auf der neutralen Seite der Macht beheimatet – sie sind ehrlich und präzise.
Doch der Pioneer PD-75 gibt sich nicht kampflos geschlagen. Er bringt meinen X707ES ganz schön ins Schwitzen. Stellenweise habe ich echte Schwierigkeiten, deutliche Unterschiede herauszuhören – wir bewegen uns hier auf absolutem Champions-League-Niveau. Was jedoch im direkten A/B-Vergleich auffällt: Der Pioneer trägt im Bassbereich etwas dicker auf. Er hat diesen gewissen „Schmelz“ und eine leichte Wärme, die manchen Aufnahmen sehr gut tut. Für mich als Neutralitäts-Fanatiker ist das technisch kein Vorteil, aber als „musikalischer Genuss“ kann man das durchaus lieben. Es ist eine reine Geschmacksfrage und hängt stark vom Rest der Kette ab. Wer analytische Lautsprecher hat, wird den Pioneer vergöttern.
Fazit: Ein Juwel für Auge und Ohr
Ich jedenfalls bin froh, dass ich den PD-75 nun endlich mein Eigen nennen darf. Er erfüllt alle meine Ansprüche an einen hervorragenden CD-Player: Er sieht fantastisch aus (Urushi ist einfach zeitlos!), er fasst sich toll an, und das Laufwerk ist ein echtes technisches Highlight. Wäre da nicht der PD-91 in meinem Regal, wäre der 75er wohl mein absoluter Haupt-Player für die gemütlichen Stunden. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Pioneer PD-75 (Urushi Serie)
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Laufwerkstyp | Stable Platter Mechanism (CD-Plattenteller) |
| Wandler | D/A-Wandlung | Pioneer Pulse Flow 1-Bit-D/A-Wandler |
| Audio | Frequenzgang / Klirr | 2 Hz – 20.000 Hz / 0,0018 % |
| Audio | SNR / Dynamik | 112 dB / 98 dB |
| Ausgänge | Digital | Optisch (TOS) & Koaxial (75 Ohm) |
| Maße | Gewicht / Größe | 12,0 kg / 459 x 130 x 330 mm (B x H x T) |
| Historie | Bauzeit / Neupreis | 1991 – 1993 / ca. 2.000,- DM |
| Besonderheit | Design | Urushi-Hochglanzlack, Holzwangen, Display abschaltbar |