Gryphon Diablo 300
Gryphon Diablo 300 High End Vollverstärker Erfahrungsbericht / Test:
Der Kauf eines Gryphon Diablo 300: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht
Vor etwa viereinhalb Wochen entdeckte ich bei einem Händler, mit dem ich bereits einige Tauschgeschäfte abgeschlossen hatte, den Gryphon Diablo 300 Vollverstärker. Dieser Händler zeichnet sich durch eine beeindruckende Auswahl an gebrauchten Hi-Fi-Geräten aus, wobei sein Sortiment einer hohen Fluktuation unterliegt. Allerdings bedeutet diese Vielfalt auch, dass er vermutlich nicht die Möglichkeit hat, alle Geräte ausgiebig zu testen. Das habe ich bereits mehrfach selbst erlebt: Einige der Geräte, die ich in der Vergangenheit von ihm erwarb, waren nicht in einwandfreiem Zustand.
Erfahrungen mit dem Händler: Licht und Schatten
Meine bisherigen Geschäfte mit diesem Händler verliefen unterschiedlich. Während einige Transaktionen reibungslos abliefen, gab es auch Enttäuschungen. Besonders negativ ist mir der Kauf einer Accuphase P-600 Endstufe in Erinnerung geblieben. Dieses Gerät stellte sich nach dem Kauf als defekt und unsachgemäß modifiziert heraus. Der Händler behauptete zwar, die Endstufe sei vier bis fünf Stunden getestet worden, doch die unprofessionellen Veränderungen im Inneren sprachen eine andere Sprache. Trotz seiner Zusage, das Gerät reparieren zu lassen, war ich skeptisch. Meine Sorge, dass die Reparatur eher bei einem Bastler als bei einem Fachmann landen würde, führte letztlich dazu, dass ich mich entschied, keine weiteren Geschäfte mit diesem Händler abzuwickeln.
Diese Erfahrung hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, beim Kauf gebrauchter Hi-Fi-Geräte auf eine persönliche Abholung mit Vorführung zu bestehen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass man ein Gerät erhält, das den eigenen Erwartungen und Anforderungen entspricht.
Der Gryphon Diablo 300: Ein Meilenstein im High-End-Audio
Trotz meiner gemischten Erfahrungen verlief der Erwerb des Gryphon Diablo 300 Vollverstärkers reibungslos. Um diesen außergewöhnlichen Verstärker in meinen Besitz zu bringen, habe ich eine Accuphase P-800 Endstufe, eine C-280L Vorstufe sowie eine MC-17 in Zahlung gegeben. Dieses beachtliche Opfer hat sich gelohnt, denn der Diablo 300 ist zweifellos ein Highlight im Bereich der High-End-Verstärker.
Technische Überlegenheit und klangliche Brillanz
Der Gryphon Diablo 300 überzeugt auf ganzer Linie. Seine außergewöhnliche Basskontrolle sorgt für eine präzise und druckvolle Wiedergabe, die ihresgleichen sucht. Klanglich ist der Diablo 300 leicht warm abgestimmt. Er bietet zwar eine enorme Transparenz, aber im Hochtonbereich rollt er sanft ab. Das macht ihn zu einem Langzeitbegleiter, der den Zuhörer tief in die musikalischen Details eintauchen lässt, ohne jemals nervig oder anstrengend zu werden.
Der Verstärker beweist, dass klangliche Präzision und Wärme kein Widerspruch sind. Manche Kritiker argumentieren, dass analytische Verstärker oft „zu schlank“ oder „kalt“ klingen. Dieses Urteil entlarvt jedoch eher die Grenzen ihrer bisherigen Hi-Fi-Erfahrungen. Ein Verstärker wie der Diablo 300 zeigt, was echte High-End-Technologie leisten kann und verdeutlicht den Unterschied zwischen mittelmäßigem Hi-Fi und echter Klangkunst.
Die Schattenseite: Preispolitik und Modul-Frust
Man muss aber auch Tacheles reden: Der Diablo 300 wird standardmäßig ohne den internen DAC ausgeliefert. Und hier fängt der Wahnsinn an. Wer dieses Modul nachrüsten will, muss tief in die Tasche greifen – das Ding soll über 6.500 Euro kosten! Kann mir mal einer erklären, wieso? Für mich ist das eine absolute Schande und reine Geldmacherei. Eine solche Preisgestaltung für ein Zusatzmodul ist durch nichts zu rechtfertigen.
Das Schlimmste daran ist jedoch die fehlende Nachhaltigkeit innerhalb der Marke: Der neuere DAC aus dem Nachfolger Diablo 333 passt technisch gar nicht in den Schacht des Diablo 300. Da kauft man ein Gerät in dieser Preisklasse und wird bei Upgrades eiskalt im Regen stehen gelassen. Das ist für mich unverständliche Preispolitik und lässt einen faden Beigeschmack zurück.
Der Gryphon Diablo 300 im Detail
Trotz der Kritik bleibt der Diablo 300 technisch ein Biest. Hier einige Fakten zum dänischen Boliden:
- Leistung: Der Diablo 300 liefert 300 Watt pro Kanal an 8 Ohm und verdoppelt diese auf 600 Watt bei 4 Ohm (bis zu 950 Watt an 2 Ohm). Diese Kraft sorgt für unerschütterliche Basskontrolle.
- Klangbild: Die leicht warme Charakteristik gepaart mit dem sanften Hochton-Roll-off ermöglicht eine stressfreie Wiedergabe feinster Details.
- Bauqualität: Massiv und für die Ewigkeit gebaut. Gryphon nutzt Bauteile höchster Güte, was man bei jedem Dreh am Lautstärkeregler spürt.
Weltbester Vollverstärker?
Der Gryphon Diablo 300 wurde oft als der „weltbeste Vollverstärker“ vermarktet. Was ich bestätigen kann: Der Diablo 300 ist ein Bodybuilder, der aufgrund seiner Muskeln fast die Fähigkeit verloren hat, sich an den Hinterkopf zu fassen. Er verhält sich wie eine Ballerina, die bei Bedarf LKWs durch die Gegend schleudern kann.
Doch selbst dieser Verstärker hat Mühe, meine Magico V3 artgerecht anzutreiben. Da braucht es wirklich Monoblöcke. Selbstverständlich haben andere Mütter ebenfalls schöne Söhne – unter anderem einen Mark Levinson 585, der dem Gryphon diesen Anspruch streitig machen kann, auch wenn die reinen Leistungsdaten dort konservativer ausfallen.
Fazit
Der Gryphon Diablo 300 ist ein beeindruckendes Kraftwerk, das audiophile Träume wahr werden lässt. Der Kauf war trotz des Händler-Ärgers und der unverschämten Preise für das DAC-Modul eine Entscheidung, die ich nicht bereue. Wer keine Kompromisse bei der Leistung sucht, ist hier richtig. Doch Vorsicht: Die Preisgestaltung bei den Modulen ist jenseits von Gut und Böse. Am Ende bleibt er ein Ausnahmetalent mit einzigartigem Charakter, das aber auch zeigt, wie schmerzhaft High-End für den Geldbeutel sein kann.
Technische Daten des Gryphon Diablo 300
| Eigenschaft | Spezifikation |
|---|---|
| Leistung | 2 x 300 Watt (8 Ω) | 2 x 600 Watt (4 Ω) | 2 x 950 Watt (2 Ω) |
| Verstärkertyp | Vollverstärker (Integrierter Verstärker) |
| Verzerrung | Weniger als 0.05% THD |
| Frequenzgang | 0 Hz – 350 kHz (-3 dB) |
| Optionale Module | DAC-Modul (ca. 6.500 €) und Phono-Modul |
| Abmessungen | 48.3 x 45 x 20.6 cm |
| Gewicht | 37.5 kg (Netto) |