Sony SCD 777ES
Sony SCD 777ES High End Super Audio CD Player Erfahrungsbericht / Test: Ein Panzer für die Ewigkeit
Sony SCD-777ES: Ein zeitloser Klassiker unter den Super Audio CD-Playern
Wenn man über den Sony SCD-777ES spricht, redet man nicht einfach über einen CD-Player. Man redet über ein Statement. Als Sony Ende der 90er Jahre die SACD einführte, wollten sie der Welt zeigen, wer der Chef im Ring ist. Der 777ES war das Ergebnis dieser Machtdemonstration. Er vereint überragende Technik, eine Verarbeitung, die man heute fast nur noch bei Kleinserienherstellern jenseits der 10.000 Euro findet, und eine Klangqualität, die auch Jahrzehnte später noch Gänsehaut verursacht.
Einführung: SACD-Revolution und der SCD-777ES
Mit der Einführung der SACD-Technologie (Super Audio Compact Disc) wollte Sony den digitalen Klang revolutionieren. Weg vom „Treppchen-Sound“ der PCM-Technik, hin zum analogen Fluss des DSD-Streams. Der SCD-777ES war einer der ersten Botschafter dieser neuen Welt. Er war der „kleine Bruder“ des SCD-1, aber technisch fast identisch – nur ohne die symmetrischen Ausgänge und mit einem Deckel, der manuell geschoben werden musste (was, unter uns gesagt, viel cooler ist als jede Motorlade!).
Technologische Besonderheiten des SCD-777ES: Ingenieurskunst pur
Direct Stream Digital (DSD)-Technologie
Das Herzstück ist die DSD-Technologie. Statt wie bei der CD das Signal in 16 Bit Pakete zu zerhacken, wird hier ein 1-Bit-Stream mit irrwitziger Geschwindigkeit (2,8224 MHz) aufgezeichnet. Das Ergebnis? Eine Auflösung, die der analogen Schallplatte verdammt nahekommt, aber ohne Knistern und Rauschen.
Sony hat hier nicht gekleckert. Es wird gemunkelt, dass bei der Entwicklung der Wandler-Sektion Legenden wie Ed Meitner (EMM Labs) ihre Finger im Spiel hatten. Und wer Meitner kennt, weiß: Der Mann duldet keine Kompromisse.
Mechanik und Aufbau: Ein Tresor für Musik
- Solide Konstruktion: Wenn man den SCD-777ES anhebt, braucht man einen Physiotherapeuten. 25 Kilogramm! Das Gehäuse besteht aus massiven Aluminiumplatten und einer doppelten Bodenplatte („Twin Base Construction“). Vibrationen? Haben hier Hausverbot.
- Hochwertiger CD-/SACD-Lesemechanismus: Der Top-Loader-Mechanismus ist ein Traum. Man schiebt den massiven Deckel zur Seite, legt die Disc ein, platziert den schweren Messing-Puck darauf… allein dieses Ritual ist High-End. Der Laser („Fixed Pickup Mechanism“) bewegt sich nicht wie üblich auf einem Schlitten, sondern die Optik ist fest fixiert, während sich der Spindelmotor bewegt. Das minimiert Jitter und Auslesefehler drastisch.
- Getrennte Signalwege: Sony hat für SACD und CD komplett getrennte Signalwege implementiert. Keine Kompromisse, keine billigen Lösungen.
Klangcharakteristik: Ein Meisterwerk der Musikalität
Wie klingt so ein Koloss? Nun, er klingt nicht nach „Digital“.
Im SACD-Modus: Hier geht die Sonne auf. Die Raumabbildung ist gigantisch, die Luft um die Instrumente greifbar. Stimmen haben diesen Schmelz, den man sonst nur von sehr teuren Röhren oder Vinyl kennt. Es ist eine Mischung aus chirurgischer Präzision und emotionaler Wärme.
Im CD-Modus: Viele SACD-Player behandeln die normale CD stiefmütterlich. Nicht der Sony. Dank umschaltbarer Digitalfilter (ein Feature, das damals revolutionär war!) kann man den Klang an seinen Geschmack anpassen. Er holt Details aus 16-Bit-Scheiben, die man vorher nie gehört hat.
Langlebigkeit und Wartung: Die Achillesferse
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein häufiger Kritikpunkt bei diesen älteren Boliden ist der Laser (KHS-180A). Er ist ein Präzisionsinstrument, aber leider auch eine Diva.
Das Problem der „Doppel-Augen“: Der Laser hat zwei Linsen – eine für CD, eine für SACD. Wenn das Gerät lange nur für CDs genutzt wurde, kann der SACD-Teil „blind“ werden (und umgekehrt). Mein Tipp: Spielt regelmäßig beide Formate ab! Das hält die Optik fit.
Ersatzteile: Original Sony-Ersatzlaser sind mittlerweile so selten wie Einhörner und entsprechend teuer. Es gibt Nachbauten, aber die Qualität schwankt. Wer einen funktionierenden 777ES hat: Pflegt ihn!
Fazit: Ein audiophiles Denkmal
Der Sony SCD-777ES ist für mich einer der besten Player, die je gebaut wurden. Punkt. Er markiert den Höhepunkt der japanischen High-End-Offensive. Wer heute einen modernen Streamer für 5.000 Euro kauft, bekommt oft eine leere Blechkiste mit einem Raspberry Pi drin. Beim Sony bekommt man 25 Kilo Materialschlacht und Ingenieursstolz.
Er ist vielleicht nicht der modernste, er hat kein USB, kein Netzwerk. Aber er hat Seele. Wenn man abends den schweren Deckel zur Seite schiebt, den Puck auflegt und die Musik startet, ist das ein Erlebnis, das kein Mausklick ersetzen kann. Ein Traumgerät für die Ewigkeit.
Technische Daten – Sony SCD-777ES (1999–2002)
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Hersteller | Sony (Made in Japan) |
| Modell | SCD-777ES |
| Typ | Top-Loader SACD/CD-Player |
| Baujahre | 1999 – 2002 |
| Gewicht | 25 kg (Massivbauweise!) |
| Neupreis ca. | 6.000 – 7.000 DM (Ein Vermögen damals) |
| Abspielformate | SACD (2-Kanal Stereo), CD, Hybrid-SACD |
| Wandler | S-TACT Pulse D/A Converter (Current Pulse) |
| Frequenzgang (SACD) | 2 Hz – 100.000 Hz (Wahnsinn!) |
| Dynamikbereich (SACD) | > 105 dB (Im hörbaren Bereich) |
| Ausgänge | Analog Cinch (vergoldet), Digital Coax & Optisch (nur für CD-Signal!) |
| Besonderheiten | Twin R-Core Transformatoren, Kupfer-Chassis, umschaltbare Digitalfilter (Standard, 1, 2, 3, 4) |