Philips CD 880

Philips CD 880

Philips CD 880 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Das 16-Bit-Monster mit der empfindlichen Haut

Einer der größten und klanglich besten CD-Player, die jemals die Werkshallen von Philips verlassen haben, ist zweifelsohne der CD 880. Er ist das Flaggschiff einer Ära, in der Philips der Welt beweisen wollte, dass sie nicht nur die Erfinder der Compact Disc sind, sondern auch die unangefochtenen Meister der Wiedergabe. Ausgestattet mit dem berühmten CDM 1 MK II Schwenkarm-Laufwerk aus massivem Druckguss, ist dieses Gerät mechanisch für die Ewigkeit gebaut.

Innere Werte: Der heilige Gral der Wandler

Als wäre das Laufwerk nicht schon beeindruckend genug, hat Philips dem CD 880 zusätzlich das wohl begehrteste Chipset der HiFi-Geschichte spendiert: den TDA1541A S1 (Single Crown). Dieser Wandler ist eine Legende und sorgt für einen Klangcharakter, den viele heute als den „analogsten“ der Digital-Ära bezeichnen. Es ist kein Wunder, dass renommierte Hersteller wie Marantz, B&O oder Revox bei Philips einkauften, um ihre eigenen High-End-Boliden zu bestücken. Diese Drittanbieter hatten oft den Vorteil, dass sie das Gehäusedesign schöner verpackten. Philips blieb beim CD 880 eher sachlich – ich persönlich hätte mir für dieses technische Meisterwerk eine noch etwas prestigeträchtigere Optik gewünscht.

Verarbeitung: Ein kleiner Makel an der Front

Die äußere Verarbeitungsqualität ist grundsätzlich solide, aber wer genau hinschaut, bemerkt Unterschiede zu den japanischen Panzern. Ein leidiges Thema beim CD 880 ist die Beschriftung der Frontplatte. Diese ist leider extrem empfindlich. Wer hier mit dem falschen Reinigungsmittel rangeht, erlebt eine böse Überraschung. Ich habe es tatsächlich geschafft, beim vorsichtigen Putzen ein bis zwei Wörter der Beschriftung förmlich wegzuwischen. Das schmerzt die Sammlerseele, auch wenn es technisch natürlich keine Rolle spielt.

Klang: Seidig, offen und dynamisch

Klanglich ist der Philips CD 880 im Originalzustand eine absolute Wucht. Er spielt offen, seidig, ungemein dynamisch und jederzeit kontrolliert. In der Szene wird oft darüber diskutiert, das Oversampling abzuschalten (Non-Oversampling / NOS Mod), um den Klang noch direkter und natürlicher zu machen. Ob das wirklich die Offenbarung ist, kann ich nicht bestätigen, da mein Testgerät im Originalzustand blieb – und ganz ehrlich: Der CD 880 klingt ab Werk schon so gut, dass man eigentlich keine Bastelarbeiten benötigt.

Im Gebrauchtmarkt liegen die Preise für einen gut erhaltenen CD 880 mittlerweile auf dem Niveau der dicken Sony-Player. Doch wenn ich mich entscheiden müsste, würde mein Herz immer für den Sony CDP-557ESD schlagen. Der Sony wiegt stolze 8 Kilogramm mehr und ist verarbeitungstechnisch (Kupferchassis, Keramikfüße, Kapselung) einfach in einer ganz anderen Liga. Zwischen dem Philips und den großen Sony-ES-Modellen liegen haptisch Welten, klanglich ist es hingegen Geschmackssache.

Fazit

Der Philips CD 880 ist ein Meilenstein. Er ist das beste Beispiel dafür, wie gut die 16-Bit-Technik klingen kann, wenn sie perfekt umgesetzt wird. Für Fans des „echten“ Philips-Sounds führt an diesem Gerät kein Weg vorbei. Ein Arbeitstier mit dem Herz eines Weltmeisters! In diesem Sinne…


Technische Daten:

  • Laufwerk: Philips CDM 1 MK II (Schwenkarm aus Guss)
  • Wandler: Philips TDA1541A S1 (Single Crown)
  • Frequenzgang: 2 Hz – 20.000 Hz
  • Dynamikbereich: > 96 dB
  • Signal-Rauschabstand: 103 dB
  • Klirrfaktor: 0,002 %
  • Kanaltrennung: 103 dB
  • Anschlüsse:
    • Analog: Cinch (vergoldet)
    • Digital: Koaxial (Cinch) & Optisch (Toslink)
  • Abmessungen (B x H x T): 436 x 104 x 363 mm
  • Gewicht: 10,3 kg
  • Neupreis: ca. 1.500 DM (Ende der 80er)