Philips N4520
Philips N4520 Studio Bandmaschine Erfahrungsbericht / Test: Ein analoger Ferrari für Band-Liebhaber
Die Frage, ob Bandmaschinen in der heutigen Zeit noch einen sinnvollen Einsatz finden, ist durchaus berechtigt. Selbst ich stelle mir manchmal die Frage: „Brauche ich das wirklich noch?“. Früher saß man stundenlang da, um sorgfältig seine Lieblingsstücke auf Band aufzunehmen, damit man später stundenlang Musik in bestmöglicher Qualität genießen konnte. Doch wenn ich ehrlich bin, betreibe ich das heute nur noch zu Testzwecken. Es ist mittlerweile zu einer Aufgabe geworden, und die moderne Technik hat uns irgendwann schlichtweg eingeholt.
Diese Einstellung trifft jedoch auf viele professionelle Tonstudios keineswegs zu. Gerade in High-End-Studios setzt man nach wie vor auf die analoge Technik, denn der Klang ist nach wie vor unübertroffen. Auch wenn ich das Aufnehmen mit Bandmaschinen mittlerweile als mühsam empfinde, muss ich zugeben: Wenn man einmal hochwertiges Bandmaterial besitzt, das beispielsweise von einer EMT Fräse kommt, dann kann man den besten CD-Player getrost vergessen. Der Klang ist beeindruckend, und ich wünsche jedem, einmal in den Genuss dieser Klangqualität zu kommen.
Doch in meinem persönlichen Alltag fristen die Spulengeräte mittlerweile eher ein dekoratives dasein. Gelegentlich spiele ich mit meinen Kindern und wir machen kleine Mikrofonaufnahmen – quasi eine Art „Sänger-Star“-Moment in der Familie. Die einst so prunkvollen Geräte sind heute eher selten im Einsatz, und das aus reinen Nostalgiegründen.
Ein besonderes Erlebnis hatte ich kürzlich bei einer Freundin meiner Frau. Wir waren zum Essen eingeladen und im Wohnzimmer grinste mich eine Philips N4520 an. Natürlich stand sie dort nicht zur aktiven Nutzung, sondern ebenfalls aus optischen Gründen – eine Situation, die man heute immer häufiger beobachtet. Die Retro-Welle hat längst auch die jüngeren Generationen, insbesondere die Hipster, erfasst. Alles, was Retro ist, gilt als cool. Die Freundin war zwar nicht bereit, mir die Maschine zu überlassen, aber ich durfte sie zumindest testen.
Die Philips N4520 gilt als eine der besten Bandmaschinen, die Philips je produziert hat, und das völlig zu Recht. Die Qualität ist schlichtweg perfekt: Die Maschine startet und stoppt so präzise und schnell wie ein Ferrari, die Bremsen sind ebenso beeindruckend, und man hat zudem die Möglichkeit, auch dickere Mehrspur-Bänder zu verwenden – ideal für den Studiobetrieb. Das Design erinnert stark an die japanischen Geräte dieser Zeit, besonders an Marken wie AKAI. Obwohl ich das Aussehen der Philips-Maschine schön finde, muss ich sagen, dass sie im Vergleich zu japanischen Modellen oder Revox etwas zu groß geraten ist. Gerade die großen Spulen, das eigentliche Highlight solcher Maschinen, kommen bei den Japanern besser zur Geltung.
Trotz dieser kleinen Designkritik bleibt die Philips N4520 eine hochbegehrte Bandmaschine, die auf dem Markt auch heute noch beachtliche Preise erzielt. In Sachen Klang und Technik ist sie nach wie vor eine echte Größe, und wer das Glück hat, eine gut erhaltene N4520 zu besitzen, hält ein Stück HiFi-Geschichte in den Händen.
In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Philips N4520
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Laufwerk | Köpfe / Spuren | 3 Köpfe / 4 Spuren |
| Geschwindigkeit | Bandgeschwindigkeiten | 9,5 cm/s, 19 cm/s, 38 cm/s |
| Audio-Werte | Frequenzgang (max) | 30 Hz – 26.000 Hz (bei 38 cm/s) |
| Gleichlauf | Schlupf (DIN) | < 0,05% (bei 38 cm/s) |
| Spulen | Max. Durchmesser | 26,5 cm |
| Anschlüsse | Eingänge / Ausgänge | Line (Cinch/DIN), Mikro (6,3mm Klinke), Monitor, Kopfhörer |
| Maße | Gewicht / Größe | 25,0 kg / 53,0 x 52,7 x 23,0 cm (BxHxT) |
| Historie | Baujahr / Neupreis | ca. 1981 / ca. 3.000,- DM |
In diesem Zusammenhang sollte die Philips N4522 als die deutlich seltenere Halbspur-Stereo-Ausführung nicht übersehen werden: diese Bandmaschine vereinigte zu ihrer Zeit alle Verbesserungen, die das Vorbild Revox A700 noch missen lassen mußte, wie die regelbare Umspulgeschwindigkeit, sehr abriebfeste Longlife-Tonköpfe mit breiteren Spuren (je nach Quelle mit 2,3 oder 2,5 mm Spurbreite), der doppelt mit gelben und roten LEDs gegen Übersteuerung abgesicherten Pegelanzeige, die Umschaltung zwischen IEC- oder NAB-Entzerrung bei 38 cm/s und natürlich der regelbaren Bias, der die Verwendung aller damals gängigen Tonband-Fabrikate erlaubt. Grundsätzlich wäre auch ein zusätzlicher Viertelspur-Wiedergabekopf möglich gewesen, auf den man bei den Serienmodellen allerdings verzichtete.
Beide Philips-Bandmonster, die N4520 und die N4522, boten an solchen Verfeinerungen all das, was eine hypothetische Revox B700 hätte haben müssen, und spielten klanglich in der absoluten Oberliga die Konkurrenz aus Japan und der Schweiz mühelos an die Wand, wie die Tests damals zeigten. Die buchstäbliche Achillesferse ist die Achse der Bandzugrollen, die bei einem Bandriß beim Umspulen leider zum Abbrechen neigt, und die man tunlichst als Präzisions-Werkstück nachfertigen lassen sollte.
Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag.