Sherwood Tema CD 1
Sherwood Tema CD1 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Der verkannte Exot mit dem Herz aus Gold
Einleitung: Sherwood – Mehr als nur Kaufhaus-HiFi
Sherwood. Wenn man diesen Namen in HiFi-Kreisen fallen lässt, denken die meisten sofort an solide, aber eher unspektakuläre Receiver aus dem unteren Regalbereich der großen Elektronikmärkte oder an die typischen Einsteiger-Anlagen der 90er Jahre. Aber Leute, haltet mal kurz die Luft an und werft eure Vorurteile über Bord. Die Tema-Serie ist nämlich eine völlig andere Hausnummer. Das war Sherwoods ambitionierter Versuch, den ganz großen Jungs im High-End-Sandkasten mal ordentlich die Schaufel wegzunehmen. Über die massive Endstufe A1 und den feinsinnigen Vorverstärker P1 habe ich mich ja bereits an anderer Stelle unendlich positiv geäußert. Wer diese Kombination jemals an einer ordentlichen Kette gehört hat, weiß ganz genau, wovon ich rede – das ist purer Maschinenbau für Genießer.
Einhorn-Jagd auf dem Gebrauchtmarkt
Die extreme Seltenheit dieser Geräte dürfte inzwischen jedem klar geworden sein, der mal versucht hat, ein Exemplar zu ergattern. Falls nicht, dann macht euch mal spaßeshalber auf die Suche im weltweiten Netz. Ich verspreche euch: Ihr werdet mit viel Glück vielleicht genau ein Angebot finden, bei dem die gesamte Tema-Serie als Komplettpaket angeboten wird. Und wenn ihr dann noch nach den passenden Lautsprechern aus dieser Serie sucht? Vergesst es. Die Chance, die zu finden, ist in etwa so hoch wie ein Sechser im Lotto bei gleichzeitigem Blitzeinschlag. Das Zeug ist rar, es ist exotisch und wer ein Set besitzt, gibt es in der Regel bis zum Lebensende nicht mehr her.
Das technische Herzstück: Legendäre Philips-Präzision
Kommen wir zum eigentlichen Star dieses Berichts, dem Tema CD1. Über die Qualitäten dieses auf den ersten Blick fast schon unscheinbaren Flachmanns gibt es wirklich nur Gutes zu berichten. Der Grund dafür ist so simpel wie beeindruckend: Sherwood hat hier nicht gekleckert, sondern beim Einkauf der technischen Komponenten ins absolut oberste Regal gegriffen. Das Herzstück des Players ist kein Geringeres als das legendäre CDM-9 Pro Laufwerk von Philips.
Für die Technik-Nerds unter uns bedeutet das: Wir sprechen hier von einem der letzten großen Schwenkarm-Laufwerke mit einer echten Glaslinse, die für die Ewigkeit gebaut wurden. Dieses Laufwerk findet man normalerweise nur in Boliden, die damals ein Vielfaches kosteten – Marken wie Burmester, Krell oder Mark Levinson haben darauf geschworen. Dass Sherwood dieses feinmechanische Juwel in den CD1 gepackt hat, zeigt unmissverständlich, wie ernst sie es damals meinten. Die Fehlerkorrektur arbeitet fantastisch und CDs werden so rasant eingelesen, dass man kaum Zeit zum Blinzeln hat.
Klangfarben: Auf Augenhöhe mit den absoluten Giganten
Die Verarbeitung des Gehäuses ist erstklassig – feines gebürstetes Metall und solide Anschlüsse vermitteln Wertigkeit. Aber entscheidend ist natürlich, was hinten bei den Cinch-Buchsen rauskommt. Und da lässt der CD1 die Hosen runter: Der Klang ist super neutral und besitzt einen wunderbar analogen „Fluss“, den viele moderne Player mit ihren hochgezüchteten Delta-Sigma-Wandlern oft schmerzlich vermissen lassen. Er spielt enorm transparent und schält Details aus den Aufnahmen heraus, ohne dabei jemals nervig, spitz oder klinisch zu wirken.
Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster: Für mich spielt er klanglich auf dem absolut selben Niveau wie ein Panzerkreuzer vom Schlage eines Sony CDP-X707ES oder eines feingeistigen Accuphase DP-60. Der Bass ist knochentrocken und straff, die Bühne baut sich breit und tief auf, und Stimmen haben einen Körper, den man fast greifen kann. Man wirft eine CD nach der anderen ein und vergisst die Technik komplett. Es gibt keinen Drang zu skippen – und das ist wohl das größte Kompliment, das man einem HiFi-Gerät machen kann.
Der Wermutstropfen: Ein Plastik-Knochen trübt die Freude
Aber wo viel Licht ist, da ist leider auch Schatten. Und hier hat Sherwood einen verdammt großen Schatten geworfen. Die mitgelieferte Fernbedienung ist – genau wie bei der Vorstufe – schlichtweg unter aller Sau. Entschuldigt die Wortwahl, aber anders kann man das nicht ausdrücken. Da baut man einen Player für die Ewigkeit, spendiert ihm eines der besten Laufwerke der Weltgeschichte, und legt dann einen billigen Plastik-Knochen dazu, der sich anfühlt, als käme er direkt aus einem Kaugummi-Automaten. Das ist haptisch eine absolute Katastrophe und eines „High End“-Gerätes völlig unwürdig. Wirklich schrecklich! Da hätte man sich bei Sony oder Marantz mal anschauen sollen, wie man wertige Signalgeber baut, die dem Gerät gerecht werden.
Fazit: Pures Understatement für Kenner
Aber wisst ihr was? Am Ende des Tages tut das der Liebe keinen Abbruch. Sobald die ersten Takte Musik laufen, ist der Ärger über das billige Plastik in der Hand sofort verflogen. Der Sherwood Tema CD1 ist ein ultimativer Geheimtipp für alle, denen Klang wichtiger ist als ein fettes Image. Er sieht vielleicht nicht so protzig aus wie ein 20-Kilo-V2A-Bolide, aber er spielt viele von ihnen schlicht an die Wand. Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ich würde ihn nicht mal gegen meinen Burmester Twin Player eintauschen wollen. Der Burmester hat vielleicht mehr Chrom und Bling-Bling fürs Ego, aber der Sherwood mit seinem CDM-9 Pro hat dieses unaufgeregte, musikalische Selbstverständnis, das mich einfach mehr abholt. Ein echter Traumplayer für Kenner und Genießer.
Gesamttabelle – Sherwood Tema CD1
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | High End CD-Player |
| Laufwerk | Modell | Philips CDM-9 Pro (Guss-Chassis mit Glaslinse) |
| Wandlung | Technik | 24-Bit Sigma-Delta (Doppel-Differential-Modus) |
| Audio | Frequenzgang / Klirr | 2 Hz – 20.000 Hz / unter 0,005 % (THD) |
| Audio | Dynamik / SNR | 96 dB / über 100 dB |
| Anschlüsse | Ausgänge | Analog (Cinch vergoldet), Digital (Koaxial 75 Ohm) |
| Maße | Gewicht / Größe | ca. 4,5 kg / 430 x 100 x 310 mm (B x H x T) |
| Konstruktion | Besonderheit | Getrennte Stromversorgung (Analog/Digital) |