Electrocompaniet EMC 1

Electrocompaniet EMC 1

Electrocompaniet EMC 1 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Der norwegische Eisbrecher

Wenn man an Norwegen denkt, kommen einem Fjorde, Kälte und vielleicht Black Metal in den Sinn. Aber High-End Audio? Oh ja! Electrocompaniet ist so ein Name, bei dem Kennern das Wasser im Mund zusammenläuft. Laut Wikipedia – und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – ist ihre Philosophie seit 40 Jahren umstritten. Warum? Weil sie sich einen Dreck um reine Messwerte scheren. Ihr Ziel: Der Klang soll dem Live-Erlebnis entsprechen, nicht dem Oszilloskop. Michael Jackson und die Abbey Road Studios haben das Zeug genutzt. Das ist mal eine Ansage, oder?

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Gegründet wurde der Laden 1973 von Per Abrahamsen und Svein Erik Børja. Die Jungs hatten eine Mission: Sie wollten einen Transistorverstärker bauen, der nicht so grauenhaft klingt wie der damalige Standard. Basierend auf den Forschungen des Finnen Dr. Matti Otala entstand der legendäre „The 2 Channel Audio Power Amplifier“.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Natürlich behauptet jeder Hersteller, er hätte das Rad neu erfunden. Auch Burmester und Co. kochen nur mit Wasser. Und wenn ich ehrlich bin: Auch 1973 gab es schon Transistor-Verstärker, die verdammt gut waren – man denke nur an die fetten Boliden von Marantz, Kenwood oder Sansui. Die waren damals schon Champions League. Aber hier soll es nicht um Verstärker gehen, sondern um digitale Schwergewichte.

Der EMC 1: Ein Panzer im Smoking

1998 haute Electrocompaniet den EMC 1 raus. Das Ziel war bescheiden: „Einer der besten CD-Player der Welt“. Inzwischen sind wir bei der MK 5 Version angekommen, die locker über 5.000 Euro verschlingt und mit SACD, Upsampling und allem Pipapo protzt. Aber braucht man das?

Mein EMC 1 hier ist die MK 1 Version, also der Urvater. Und bin ich traurig, dass es nicht der Neueste ist? Nö, absolut nicht! Im Gegenteil. Die MK 1 Version hat noch diesen brachialen Aufbau mit zwei Netzteilen, den man bei neueren Versionen manchmal vermisst. Anschlüsse? Alles da, was das Profi-Herz begehrt: AES/EBU (mein Favorit!), Coax und natürlich analoge Ausgänge (XLR symmetrisch ist hier Pflicht!).

Haptik und Verarbeitung: Götterdämmerung

Kommen wir zum Physischen. Der Player wiegt fast 20 Kilogramm. Zwanzig! Für einen CD-Player! Die Verarbeitung ist schlichtweg göttlich. Massivität, soweit das Auge reicht. Das ist kein Blechkasten, das ist ein Tresor. Der EMC 1 ist ein echter Top-Loader. Das bedeutet: Kein wackeliges Plastik-Laufwerk, das rausfährt. Man schiebt den massiven Deckel zur Seite, legt die CD ein, platziert den magnetischen Puck (oft „Spider“ genannt) darauf und schiebt zu. Das mechanische Feedback dabei ist pure Erotik für Technik-Nerds.

Aber es gibt auch Schattenseiten: Optisch ist das Teil… nun ja… präsent. Er ist breit. Er ist tief. Er ist riesig. Ich hatte echt Probleme, diesen Trümmer in mein HiFi-Rack zu wuchten, ohne dass es aussieht wie ein Unfall. Und was mich psychologisch wirklich fertig gemacht hat: Der EMC 1 ist größer und schwerer als mein geliebter NAIM SuperNait Verstärker! Vielleicht bin ich da kleinlich, aber wenn die Quelle den Verstärker optisch frisst, stimmt für mich die Balance nicht ganz.

Der Klang: Wenn Technik zur Musik wird

Aber all das Gemecker über die Größe verstummt, sobald man Play drückt. Was dieser norwegische Koloss klanglich abliefert, ist Weltklasse. Ich habe ihn auf zwei Arten getestet:

  1. Als reines Laufwerk: Angeschlossen an meinen dCS Delius Wandler (ein Gerät, das mal 10.000 Euro gekostet hat!). Und siehe da: Der Electrocompaniet liefert ein so sauberes Signal, dass der dCS glänzen kann.
  2. Als integrierter CD-Player: Hier zeigt sich, dass der interne Wandler des EMC 1 absolut kein Müll ist. Er spielt unglaublich nah am dCS. Ja, der dCS zieht am Ende in Sachen Raumausleuchtung und letzter Feinauflösung vorbei und gewinnt das Rennen auf der Zielgeraden. Aber der Abstand ist erschreckend gering.

Der wirklich spannende Vergleich war aber gegen meinen Sony CDP-X707ES. Der Sony ist eine Legende, gebaut wie ein Panzer und einer meiner absoluten Lieblinge. Aber ich muss es neidlos anerkennen: Der EMC 1 zieht dem Sony die Hosen aus. Der Electrocompaniet spielt lebendiger, musikalischer, mit mehr „Schmelz“ und einer Schwärze im Hintergrund, die süchtig macht. Er hat diesen Fußwipp-Faktor, den man bei analytischen Playern oft vermisst.

Fazit

Der Electrocompaniet EMC 1 ist der bessere Player im Vergleich zu den japanischen Legenden. Punkt. Auf dem Gebrauchtmarkt ist er oft gar nicht so viel teurer als ein gehypter Sony ES, bietet aber (in der MK1 Version) AES/EBU und einen Klang, der dich neu in deine CD-Sammlung verlieben lässt. Auch wenn ich mich am Ende für einen Resolution Audio Player entschieden habe (man muss ja auch mal was Neues probieren), gibt es für den EMC 1 eine ganz klare Kaufempfehlung. Wer den Platz im Rack hat und keine Angst vor einem Bandscheibenvorfall beim Aufbauen hat: Kaufen!

Technische Daten (EMC-1 UP Version als Referenz):

  • Ausgangspegel:
    • Single ended (RCA): 1.6X (4dB)
    • Balanced (XLR): 3.2X (10dB) – Tipp: Unbedingt symmetrisch betreiben!
  • THD (Klirrfaktor): < 0,002% (1V out, 1KHz)
  • Kanaltrennung: > 90 dB
  • Digital-Sektion:
    • Laufwerk: Philips CD PRO Top loading drive unit (Das legendäre Guss-Laufwerk!)
    • Wandler: 24 Bit Upsampler 192KHz DAC
    • Digital-Ausgänge: RCA/XLR (AES/EBU)
  • Besonderheiten:
    • Echt-Symmetrisches Design (True balanced system)
    • Mechanisches Filtersystem („Spider“), das Vibrationen eliminiert, bevor sie den Laser stören.
    • FTT (Floating Transformer Technology) Netzteil
  • Maße und Gewicht:
    • Breite: 483 mm (19 inches)
    • Tiefe: 440 mm (17.3 inches) – Achtung beim Rack!
    • Höhe: 115mm (4.5 inches)
    • Gewicht: 20Kg (44 lbs) – Massivbauweise!