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Ist der Mark Levinson 390S noch ein Geheimtipp? DAC & CD-Klangcheck!
Wenn der Name Mark Levinson fällt, wird es in audiophilen Kreisen meistens still. Ehrfürchtig still. Wir reden hier nicht über irgendeine HiFi-Bude, sondern über den Olymp des amerikanischen High-End-Audios. Die Geschichte dieser Marke ist eng verknüpft mit technischer Obsession, dem Streben nach Perfektion und – wie so oft in dieser Branche – einer wechselvollen Geschichte voller Höhen und Tiefen.
Doch heute wollen wir uns nicht nur in Geschichtsbüchern wälzen, sondern klären: Ist der legendäre No. 390S heute, Jahre nach seinem Erscheinen, noch relevant? Ist er „nur“ ein alter CD-Player oder vielleicht die ultimative Schaltzentrale für digitale Nostalgiker und Streaming-Fans zugleich?
Gründung und der Mann hinter dem Mythos
Alles begann 1972 mit Mark Levinson, einem Mann, der nicht einfach nur Ingenieur war, sondern Musiker. Als Jazz-Bassist wusste er genau, wie ein Kontrabass zu klingen hat – und wie kläglich die meisten damaligen Anlagen daran scheiterten, dieses Gefühl ins Wohnzimmer zu transportieren. Seine Mission war simpel, aber größenwahnsinnig: Das Live-Konzert muss nach Hause. Ohne Filter, ohne Vorhang.
Mark war ein Pionier. Während andere noch an den Klangreglern ihrer Receiver drehten, predigte er den puristischen Signalweg. Er wollte Geräte bauen, die nicht „klingen“, sondern die Musik einfach nur durchreichen. Das war damals revolutionär und ist bis heute der Goldstandard.
Die ersten Meilensteine: Technik, die Geschichte schrieb
Wer sich mit Vintage-High-End beschäftigt, bekommt feuchte Augen beim Gedanken an den LNP-2 Vorverstärker. Das Ding war damals ein technischer Overkill und setzte Maßstäbe in der Signalverarbeitung, die teilweise bis heute Bestand haben. Es folgten Schwergewichte wie der ML-2 Mono-Verstärker – Class-A-Monster, die im Winter die Heizung ersetzten und klanglich so seidig waren, dass man darin baden wollte.
Levinson scheute keine Kosten. Class-A-Technik ist ineffizient, teuer und wird heiß. Aber für den Klang? Unverzichtbar. Diese kompromisslose Haltung zog eine Anhängerschaft an, die bereit war, für das letzte Prozent Klangqualität den Preis eines Kleinwagens auf den Tresen zu legen.
Die Philosophie: Wissenschaft trifft Emotion
Die Intention hinter Mark Levinson Audio war nie, einfach nur „laute“ Verstärker zu bauen. Es ging um die Eliminierung von Verzerrungen, um die absolute Ruhe im Signalweg. Mark Levinson sah seine Arbeit als Schnittstelle zwischen harter Wissenschaft und emotionaler Kunst. Ein Gerät darf technisch perfekt sein, aber wenn es dich emotional kalt lässt, ist es Elektroschrott. Diese DNA spürt man auch beim No. 390S noch in jeder Faser.
Der Bruch und die neue Ära
Wie bei vielen Genies gab es auch hier Reibung. 1990 verließ Mark Levinson sein eigenes Unternehmen (bzw. verlor die Namensrechte – eine Tragödie für sich). Die Firma ging an Harman International Industries. Viele Unkenrufe wurden laut: „Jetzt wird alles Mainstream!“ Aber Pustekuchen. Harman wusste genau, welches Juwel sie da hatten, und investierte massiv. Unter der Regie von Harman (genauer gesagt der Madrigal Audio Laboratories Gruppe) entstanden einige der besten Geräte der Firmengeschichte – darunter auch unser Protagonist, der No. 390S.
Seit 2017 gehört der Laden nun zu Samsung. Das mag für Puristen komisch klingen, aber die Koreaner haben das Budget, um die Forschung am Laufen zu halten. Mark Levinson ist und bleibt das Aushängeschild für Luxus-Audio – ob im Wohnzimmer oder im Lexus.
Der Protagonist: Mark Levinson No. 390S
Kommen wir zum Eingemachten. Der Mark Levinson No. 390S ist nicht einfach nur ein CD-Player. Das wäre eine Beleidigung. Er ist ein technisches Statement. Der 390S war die Weiterentwicklung des No. 39, und das „S“ steht hier für signifikante Upgrades. Wir reden hier von Platinen aus Arlon (einem Material aus der Raumfahrttechnik mit besseren dielektrischen Eigenschaften als das übliche Epoxidharz), was für noch mehr Detailauflösung sorgt.
Das Besondere an diesem Gerät: Es ist ein vollwertiger High-End-Vorverstärker für digitale Quellen. Er schließt die Lücke zwischen der physischen CD und der Welt der externen Wandler. Man kann ihn direkt an die Endstufen klemmen – und genau das sollte man auch tun!
Technische Daten: Zahlen, die beeindrucken
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Funktionalität | CD-Player mit integriertem DAC und Vorstufen-Funktion; Laufwerk entkoppelt |
| Digital-Analog-Wandler | Dual Differential 24-bit/192kHz DACs (AD1853), vollsymmetrischer Aufbau |
| Upsampling | Intelligentes Upsampling auf 352.8 kHz / 384 kHz |
| Ausgänge – Analog | 1 x XLR (symmetrisch), 1 x RCA (unsymmetrisch) – variable Lautstärke! |
| Eingänge – Digital | 1 x S/PDIF (RCA), 1 x Toslink (Optisch) – perfekt für Streamer |
| Frequenzgang | 10 Hz – 20 kHz (+0, -0,1 dB) – schnurgerade |
| Signal-Rausch-Verhältnis | Besser als 110 dB (Das ist „schwarzer Hintergrund“ pur) |
| Abmessungen | 43,5 cm x 14,5 cm x 36,6 cm – passt ins Rack, dominiert es aber |
| Gewicht | Satte 16 kg (Kampfgewicht für einen CD-Player!) |
| Haptik | Gebürstetes Aluminium, Tasten mit perfektem Druckpunkt, Lade fährt wie auf Schienen |
Haptik und Verarbeitung: Ein Panzer im Smoking
Wenn man den 390S aus dem Karton wuchtet, weiß man, wofür man bezahlt hat. 16 Kilogramm! Für einen CD-Player! Das Gehäuse ist aus massivem Aluminium, die Tasten haben diesen satten Druckpunkt, den man heute vergeblich sucht. Die CD-Lade ist ultradünn, fährt aber mit einer Präzision und Ruhe aus, die ihresgleichen sucht. Das Display? Groß, rot, gut lesbar und dimmbar. Hier wackelt nichts, hier klappert nichts. Das ist Maschinenbau für die Ewigkeit.
Der Klang: Wie klingt eine Legende?
Ich habe den 390S gegen diverse moderne DACs antreten lassen. Und wisst ihr was? Viele dieser modernen „High-Res-Wunderkistchen“ können einpacken. Der Levinson spielt nicht einfach Musik ab, er zelebriert sie.
Die Auflösung: Er gräbt Details aus meinen alten CDs, die ich vorher nie wahrgenommen habe. Das Anreißen einer Gitarrensaite, das Atmen des Pianisten – alles da, aber nie nervig analytisch.
Der Bass: Knochentrocken. Mark Levinson Geräte sind bekannt für ihre Basskontrolle, und der 390S macht da keine Ausnahme. Er hat Autorität und Fundament.
Die Bühne: Wenn man die Augen schließt, spannt sich ein Raum auf, der tief und breit ist. Die Instrumente sind festgenagelt. Das Upsampling auf 352,8 kHz sorgt für eine analoge Geschmeidigkeit, die digitaler Härte keine Chance lässt.
Besonders spannend: Nutzt man den digitalen Eingang und hängt einen modernen Streamer (z.B. Bluesound oder WiiM) dran, veredelt der 390S das Signal. Er fungiert als erstklassiger DAC. Das macht ihn zukunftssicher!
Fazit: Ein Kauf fürs Leben?
Der Mark Levinson No. 390S ist ein audiophiles Schwergewicht, das den Test der Zeit mit Bravour bestanden hat. Er ist CD-Player, DAC und Vorstufe in einem Gehäuse, das vermutlich auch einen Atomschlag überstehen würde.
Für wen ist dieses Gerät? Für alle, die keine Lust auf Plastik-HiFi haben. Für Leute, die verstehen, dass „Vintage-Digital“ oft musikalischer klingt als der neueste Chip-Hype aus China. Wer einen gut erhaltenen 390S auf dem Gebrauchtmarkt findet: Zuschlagen! Es ist eines der wenigen digitalen Geräte, das Seele hat. Ein echter Klassiker, der auch heute noch ganz oben mitspielt.