De-Phazz presents De-Drums Cover mit gezcihneten Affen in braun und rot welche eine Trommeln in der Hand haben. ein größerer Affe läuft nach rechts und alles anderen nach links.

De-Phazz presents De-Drums

De-Phazz presents De-Drums Hörbericht: Wenn der Rhythmus die Lounge übernimmt

Neues Jahr, neue Töne aus Heidelberg. De-Phazz meldet sich zurück, und dieses Mal haben sie den Maschinenraum der Musik in den Fokus gerückt: Das Schlagzeug.

  • Label: Phazz-a-delic
  • Format: Digital, Streaming, Stereo (Aktuell leider nur digital, Vinyl-Liebhaber müssen noch warten)
  • Land: Deutschland
  • Veröffentlicht: 31. Dezember 2024
  • Genre: Jazz, Electronic
  • Stil: Lounge, Downtempo, Trip-Hop, Nu-Jazz
  • Werbung Amazon Link: De-Phazz

De-Phazz: Eine Institution, keine Eintagsfliege

Wer sich auch nur ansatzweise mit der deutschen Musiklandschaft der letzten 30 Jahre beschäftigt hat, kommt an De-Phazz nicht vorbei. Gegründet 1997 von Pit Baumgartner im schönen Heidelberg, ist diese Truppe der lebende Beweis dafür, dass „Lounge“ nicht gleichbedeutend mit langweiliger Fahrstuhlmusik sein muss. Der Name ist Programm: „Destination Future Jazz“. Und genau das liefern sie seit Jahrzehnten.

De-Phazz ist für mich immer wie ein verlässlicher alter Freund: Man weiß, was man bekommt – eine extrem entspannte, aber handwerklich perfekte Mischung aus Downtempo, Jazz-Anleihen, Latin-Flair, Soul und einer Prise Trip-Hop. Sie haben den „Heidelberg-Sound“ in die Welt getragen und dabei traditionelle Instrumentierung so geschickt mit Turntablism und Elektronik verwoben, dass es nie aufgesetzt wirkte.

Das neue Album „Presents De-Drums“: Rhythmus im Fokus

Pünktlich zum Jahreswechsel, am 31. Dezember 2024, haben die Herrschaften ihr neuestes Werk „Presents De-Drums“ auf den Markt geworfen. Und der Titel verrät es schon: Hier geht es nicht primär um säuselnde Vocals oder endlose Saxophon-Soli, sondern um das Fundament, das Herzstück jeder guten Groove-Nummer – das Schlagzeug. Das Album ist eine Hommage an die Kunst des Drummes, an den Beat, der uns nicken lässt.

Wir reden hier über 16 Tracks und gut 55 Minuten Spielzeit. Verfügbar ist das Ganze auf den üblichen Verdächtigen wie Apple Music und Amazon Music. Physische Mediensammler schauen aktuell noch in die Röhre, aber wer weiß, vielleicht kommt da noch was.

Ein Konzept mit Hand und Fuß: Die Schlagzeuger

Was „Presents De-Drums“ von den üblichen De-Phazz-Scheiben unterscheidet, ist die konsequente Zusammenarbeit mit echten Koryphäen am Drumset. Das ist kein programmierter Einheitsbrei aus der Dose, hier sind Menschen am Werk, die ihr Handwerk verstehen:

  • Oli Rubow: Wer ihn kennt, weiß, dass er einer der innovativsten Drummer ist, wenn es darum geht, den organischen Sound des Schlagzeugs mit elektronischer Ästhetik zu verschmelzen. Ein „Organic Electro“-Pionier.
  • Flo Dauner: Ein Name wie ein Donnerhall in der deutschen Szene. Ob bei den Fantastischen Vier oder als Taktgeber für Helene Fischer – Dauner ist eine Präzisionsmaschine mit unfassbarem Groove-Gespür.

Hör-Highlights: Wo der Fuß wippt

„Give the Drummer Some“

Schon die erste Single „Give the Drummer Some“ (mit Oli Rubow und Eez) macht klar, wohin die Reise geht. Das ist eine rhythmisch dynamische Komposition, die moderne elektronische Beats mit den klassischen, entspannten Lounge-Vibes verbindet, für die wir De-Phazz lieben. Es treibt, aber es stresst nicht.

„De-Phazz pres. De-Drums feat. Flo Dauner“

Der Titeltrack ist ein weiteres Schmankerl. Hier darf Flo Dauner zeigen, warum er zu den Besten gehört. Die rhythmischen Elemente sind so präzise verzahnt, dass ein fesselndes Hörerlebnis entsteht. Es ist technisch virtuos, bleibt aber immer musikalisch dienlich.

Was sagen die anderen? Kritische Rezeption

Die Kritiker überschlagen sich mal wieder mit Lob für die innovative Herangehensweise. Das Zusammenspiel von traditionellem Jazz und Elektronik wird gefeiert, und De-Phazz wird attestiert, dass sie auch nach über 25 Jahren noch in der Lage sind, ihre Nische neu zu definieren. Besonders die Leistung der Schlagzeuger wird hervorgehoben – zu Recht, denn sie sind die heimlichen Stars dieser Platte.

Mein persönliches Fazit: Ehrlich und direkt

Machen wir uns nichts vor: Mit „Presents De-Drums“ liefert De-Phazz wieder Qualität ab. Es ist ein Fest für Freunde von Lounge-Musik, die gerne mal auf rhythmische Entdeckungsreise gehen. Aber – und jetzt kommt das große „Mackern-Aber“:

Für mich persönlich zündet der Funke nicht zum Flächenbrand. Ja, einige Titel sind absolut hörenswert, sie laden ein, kurz abzutauchen. Es gibt diese typische De-Phazz-Entspannungsqualität, die einfach funktioniert. Aber es fehlt mir der letzte „Wow-Effekt“, das gewisse Etwas, das mich zwingt, die „Repeat“-Taste zu drücken.

Und dann müssen wir über den Klang reden. Ich erinnere mich an frühere De-Phazz-Alben, die in meiner Erinnerung klanglich etwas mehr „Fleisch am Knochen“ hatten. Die Aufnahmequalität von „Presents De-Drums“ ist gut, keine Frage – sauber produziert, ordentlich gemischt. Aber ist sie audiophil? Ist sie Futter für die High-End-Kette, bei der man das Harz auf dem Becken hören will? Eher nicht. Das ist aber auch kein Beinbruch. Wie ich immer sage: Die Musik steht im Vordergrund, nicht das Messdiagramm. Auch eine nicht perfekte Aufnahme kann Spaß machen, wenn der Vibe stimmt. Und der Vibe ist hier definitiv da.

Unterm Strich: Es ist eine solide Produktion. Musik zum Abschalten, Musik, die niemanden nervt, aber vielleicht auch niemanden zu Tränen rührt. Für mich fällt es in die Kategorie „1x hören, anerkennend nicken, und gut ist“. Aber: Ich sehe dieses Album schon jetzt als den perfekten Soundtrack für die nächste Grillparty. Wenn die Steaks auf dem Rost brutzeln, das Bier kalt ist und die Gespräche fließen, dann ist das hier die ideale Hintergrundbeschallung. Unaufdringlich, groovig, stilvoll.

Weitere Informationen

Wer tiefer eintauchen will, schaut auf der offiziellen Website vorbei: www.dephazz.com.

Tracklist und meine Notizen dazu:

  • Give the Drummer Some (3:30)
    Ein treibender Opener. Hier wird sofort klar gemacht: Der Drummer ist der Chef. Energiegeldaden, pulsierend – macht wach.
  • Transit Tango (De-Phazz Remix) (3:36)
    Spannend! Das Tango-Thema wird durch den Wolf gedreht und kommt als moderner, rhythmusbetonter Dance-Track wieder raus. Tanzbar? Definitiv.
  • Drumbone Dub (4:42)
    Hier wird es atmosphärisch. Drum & Bass trifft auf Dub. Der Bass schiebt, das Schlagzeug treibt. Schön für späte Stunden.
  • Pression Night (2:53)
    Dunkler, fast hypnotisch. Minimalistisch gehalten, baut sich hier langsam eine Spannung auf, die nie ganz aufgelöst wird.
  • Bahia Sketches (4:12)
    Die Sonne geht auf. Brasilianische Vibes, tropische Rhythmen, sanfte Percussion. Der perfekte Track für den Caipirinha in der Hand.
  • Snare Get Lifted (2:52)
    Experimentell und snare-lastig. Ein treibender Flow, der einen fast in Trance versetzt. Handwerklich interessant.
  • Petty Cash (De-Phazz Remix) (3:02)
    Ein bekannter Track im neuen Gewand. Elektronischer, perkussiver, frischer. Bringt lebendige Energie in die Bude.
  • Disko Punk (2:59)
    Der Name ist Programm: Disco trifft Punk-Attitüde. Kräftig, rau, ungeschliffen. Hier darf getanzt werden.
  • Love Again (2:24)
    Durchatmen. Ruhig, gefühlvoll, sanfte Melodie. Ein kurzer Moment der Introspektion.
  • Enjoy the Moment (4:17)
    Der Titel sagt alles. Entspannt, chillig, fließend. Genau der Track, um beim Grillen das zweite Steak zu genießen und den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen.
  • Bino (4:33)
    Funky! Eine markante Bassline, die Spaß macht, dazu kreative Drums und eine Gitarre, die den Groove nach vorne peitscht.
  • Kraut Fun Ding (3:13)
    Krautrock lässt grüßen. Experimentell, psychedelisch, treibende Beats. Eine verspielte Hommage an alte Zeiten.
  • Sick Sailor (3:57)
    Leicht düster, fast marschierend. Eine melancholische Melodie über einem stoischen Rhythmus. Erzeugt eine interessante Spannung.
  • Yam Yam (3:51)
    Lebhaft und positiv. Ein bunter Mix aus Funk, Latin und Elektro-Beats. Macht gute Laune.
  • En La Selva No Hay Tulipanes (2:25)
    Kurz und knackig. Exotische Rhythmen, südamerikanisches Flair, entspannter Groove.
  • Belltime (3:12)
    Der Rausschmeißer. Experimentell, fließend, verspielt. Ein harmonischer Abschluss für ein rhythmisches Album.