Marantz PM 11 S3
Marantz PM 11S3 High End Vollverstärker Test / Erfahrungsbericht:
Wenn man über die PM-11 Serie von Marantz spricht, dann redet man über eine Institution im High-End-Bereich. Wir reden hier nicht von irgendwelchen Plastik-Kisten aus dem Elektromarkt um die Ecke, sondern von echtem Schwermetall aus Japan. Der Marantz PM-11 S3 ist die dritte und vielleicht ausgereifteste Evolutionsstufe einer Legende, die schon viele HiFi-Racks weltweit dominiert hat. Um zu verstehen, warum dieser Brocken so fasziniert, müssen wir uns die Ahnenreihe mal genauer anschauen.
Marantz PM-11 S1: Der Urknall
Der PM-11 S1 war der Beginn einer neuen Zeitrechnung bei Marantz. Er wurde als kompromissloser Referenz-Vollverstärker positioniert. Mit satten 2 x 100 Watt an 8 Ohm und den damals bahnbrechenden HDAM-Modulen (Hyper Dynamic Amplifier Modules) setzte er ein Zeichen. Sein Klang? Typisch „Old-School-Marantz“: warm, seidig, fast schon schmeichelnd, aber mit einer Dynamik, die auch komplexe Orchesterpassagen locker stemmen konnte. Wer heute einen S1 auf dem Gebrauchtmarkt schießt, bekommt verdammt viel HiFi für sein Geld – ein absoluter Schnäppchenkandidat!
Marantz PM-11 S2: Die Feinarbeit
Der S2 war keine Revolution, sondern eine kluge Modellpflege. Marantz erhöhte die Leistung auf 2 x 110 Watt und feilte am HDAM-Modul. Das Ergebnis war eine spürbar bessere Transparenz und eine Soundstage, die breiter und tiefer war als beim Vorgänger. Er bügelte die kleinen Unsicherheiten des S1 aus und war für viele Jahre das Maß der Dinge in der Preisklasse.
Marantz PM-11 S3: Die Perfektionierung der Evolution
Und dann kam der S3. Auf den ersten Blick könnte man meinen: „Ach, wieder nur kleine Änderungen.“ Aber weit gefehlt! Marantz hat hier an den entscheidenden Stellschrauben gedreht, die einen sehr guten Verstärker von einem exzellenten trennen. Obwohl die Leistung nominell wieder bei 100 Watt liegt, wirkt der S3 im Antritt deutlich souveräner.
Die technischen Highlights des S3:
- HDAM-SA3-Module: Die neueste Generation dieser diskreten Baugruppen sorgt für eine Schnelligkeit und Präzision, die man eher bei teureren Vor-End-Kombis vermutet.
- Stromversorgung ohne Ende: Ein riesiger Toroidaltransformator (Ringkern) und spezialisierte Hochleistungskondensatoren garantieren, dass dem S3 auch bei fiesen Impedanzverläufen der Lautsprecher nicht die Puste ausgeht.
- Panzergehäuse: Das Chassis ist nochmals versteift worden. 26,5 Kilogramm Kampfgewicht kommen nicht von ungefähr – hier schwingt nichts mit, was nicht schwingen soll.
- Symmetrie: Der konsequent symmetrische Aufbau sorgt für eine Kanaltrennung, die man bei jedem Saitenanschlag hört.
Klangcheck: Ist das noch Marantz?
Ich hatte den PM-11 S3 für einige Wochen bei mir im Hörraum stehen. Mein erster Eindruck: Der hat die Lautsprecher gnadenlos im Griff. Vergessen Sie das Klischee vom „mollig-warmen“ Marantz-Sound. Der S3 spielt realistisch und neutral. Er fügt nichts hinzu, was nicht da ist, aber er lässt auch nichts weg. Er lässt dem Medium – egal ob Vinyl oder CD – den Raum, den es braucht.
Die Bässe kommen knochentrocken und mit einer Autorität, die man spüren kann. Die Mitten sind wunderbar aufgelöst, Stimmen stehen festgenagelt in der Mitte des Raums. Die Höhen? Klar wie ein Bergsee, aber ohne diese anstrengende Analytik, die einem nach einer Stunde Kopfschmerzen bereitet. Das ist echtes High-End: Kraft gepaart mit Eleganz.
Optik und Haptik: Ein Lichtblick mit Schattenseite
Über das Design von Marantz kann man nicht streiten – es ist ikonisch. Die geschwungenen Flanken, das Bullauge, das gebürstete Metall. Haptisch ist das ein Traum; jeder Regler läuft wie in Butter gelagert. Aber jetzt kommt mein großer Kritikpunkt: Die Beleuchtung!
Ich bin ein Fan von puristischem Genuss. Marantz erlaubt es glücklicherweise, die blauen LED-Streifen an der Front abzuschalten. Wunderbar! Aber warum zum Teufel leuchten die blauen Statusanzeigen (Speaker A/B, Phono etc.) munter weiter? Wenn ich „Licht aus“ drücke, meine ich „Licht aus“. Das wirkt unlogisch und stört bei nächtlichen Hörsessions die Konzentration auf das Wesentliche. Hier hätte Marantz konsequenter sein müssen.
Technische Daten: Marantz PM-11 S3
| Spezifikation | Details |
|---|---|
| Leistung (8 Ω / 4 Ω) | 2 x 100 Watt / 2 x 200 Watt (Referenzwerte!) |
| Frequenzgang | 5 Hz – 100 kHz (da geht nichts verloren) |
| THD (Klirrfaktor) | Verschwindend geringe 0,01 % |
| Dämpfungsfaktor | 100 |
| Phono-Stufe | Exzellente MM / MC Sektion |
| Stromversorgung | Voll gekapselter Ringkerntransformator |
| Gewicht | 26,5 kg (Massivbauweise) |
Fazit: Ein klangliches Monument mit kleinen Ecken
Der Marantz PM-11 S3 ist ein beeindruckendes Stück Audiotechnik. Er schafft den Spagat zwischen roher Gewalt und feinster Auflösung so spielerisch wie kaum ein anderer Vollverstärker seiner Zeit. Wer ihn einmal an einem Paar hochwertiger Lautsprecher gehört hat, wird merken, dass die Suche nach dem „perfekten“ Verstärker hier ein Ende finden könnte.
Warum sollte man ihn kaufen? Weil er die Souveränität einer Endstufe mit dem Komfort und der Ausstattung eines Vollverstärkers verbindet. Die Phono-Sektion ist so gut, dass man sich externe Kisten oft sparen kann. Ja, die Beleuchtungssache ist nervig und ja, er ist ein echter Trümmer, der Platz braucht. Aber klanglich? Da spielt er in einer Liga, in der die Luft verdammt dünn wird.
Wenn Sie einen Verstärker suchen, der Ihre Musiksammlung nicht nur abspielt, sondern zum Leben erweckt und dabei wertstabil wie eine Goldunze ist, dann greifen Sie beim S3 zu. Und wenn das Geld knapp ist? Der S1 ist der Geheimtipp für Sparfüchse, der S2 die goldene Mitte. Aber der S3 ist die Krönung der Serie.
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Wenn nicht! Schaue doch mal vorbei! Es sind wirklich gute und erschwingliche Hifi-Geräte und andere tolle Sachen dort zu erwerben. Oft findet man dort Kabel und Zubehör, das den großen Namen in nichts nachsteht, aber nur einen Bruchteil kostet.
Wäre es für dich interessant, wenn ich noch einen kurzen Vergleich zu den aktuellen Model-Serien von Marantz erstelle? Die neue Optik spaltet ja die Gemüter, und klanglich hat sich der Fokus bei den neuesten Modellen doch etwas verschoben.