Marantz 4270
Marantz 4270 Vintage Receiver Erfahrungsbericht / Test: Ein blau leuchtendes Quadro-Kraftpaket
Einleitung: Das ewige Marantz-Gesicht
Die Optik der klassischen Marantz-Receiver bleibt über die Jahre hinweg eine Konstante, die man entweder liebt oder an der man sich irgendwann sattgesehen hat. Sie sind alle nach dem gleichen, bewährten Rezept gestaltet: schön anzusehen, das ikonische blaue Leuchten der Skala und eine Armada an massiven Schaltern und Reglern auf der Frontplatte. Der Marantz 4270, den ihr oben auf dem Bild bewundern könnt, ist ein Vertreter der Quadro-Ära. Das bedeutet, er ist technisch in der Lage, vierkanäligen Klang wiederzugeben – ein Trend der 70er Jahre, der heute wieder viele Sammler fasziniert.
Kritik an der Verkaufsstrategie: Quadro als Extra?
Ein Punkt, der mich bei diesem Gerät jedoch massiv stört, ist die damalige Preispolitik von Marantz. Die volle Quadro-Funktionalität war nämlich nur dann gegeben, wenn das entsprechende Quadromodul im Gehäuseboden installiert war. Zu seiner Zeit war dieses Modul lediglich als optionale und teure Erweiterung erhältlich. Das ist eine Praxis, die ich absolut unverständlich finde, besonders wenn man bedenkt, dass viele Konkurrenten diese Module bereits ab Werk inkludiert hatten. Meiner Meinung nach war es völlig unnötig, dieses Modul separat anzubieten, da Marantz bereits eine hervorragend bestückte Stereo-Receiver-Palette im Programm hatte. Wenn man einen Quadro-Receiver kauft, sollte er auch Quadro können – ohne Wenn und Aber. Stellt euch vor, ein Hersteller würde heute einen modernen Surround-Receiver verkaufen und das HDMI-Modul als kostenpflichtiges Extra anbieten. Eine Strategie, die mir heute noch Kopfschmerzen bereitet, zumal diese Module auf dem Gebrauchtmarkt inzwischen fast so selten sind wie Einhörner.
Technische Einordnung und klangliche Gewalt
Innerhalb der Produktlinie ordnet sich der 4270 zwischen den Modellen 4300 und 4400 ein, was ihn zum drittgrößten Receiver dieser imposanten Serie macht. Die Leistungsdaten lesen sich auch heute noch beachtlich: Er liefert 2 x 70 Watt Sinus im reinen Stereo-Modus und 4 x 40 Watt (wie die Werksdaten präzisieren), wenn er im Quadrobetrieb gefahren wird. Klanglich bietet der 4270 genau das, was Fans an der Marke so schätzen: Er spielt ungemein kraftvoll und besitzt einen druckvollen Charakter, der sofort mitreißt.
Der ungleiche Vergleich: Marantz gegen McIntosh
Vor einigen Monaten hatte ich ein Erlebnis, das mich tief beeindruckt hat. Ich konnte in einer Vorführung einen modernen McIntosh MA 7000 hören – ein Verstärker, der zu einem schwindelerregenden Preis von knapp 9.000 Euro verkauft wird. Als Lautsprecher dienten unter anderem ein Paar I.Q. 300T sowie die feinen Dynaudio Special Edition 25. Erstaunlicherweise schaffte es der alte Marantz 4270 im direkten Vergleich, mehr Spielfreude zu vermitteln als der hochgelobte McIntosh-Bolide. Der Marantz entfaltete deutlich mehr Druck im Keller und schien die Lautsprecher sogar besser im Griff zu haben. Die trockene Reaktion des Verkäufers sagte eigentlich alles: „Jetzt wisst ihr, warum ich wieder auf Vintage umsteigen möchte.“
Fazit: Ein tolles Gerät mit Design-Sättigung
Ohne jeden Zweifel ist der Marantz 4270 ein großartiger Receiver mit klanglichen Qualitäten, die auch moderne High-End-Elektronik alt aussehen lassen können. Dennoch muss ich gestehen: Ich habe mich an dem klassischen „Blue-Face“-Design der kleineren und mittleren Marantz-Modelle mittlerweile einfach sattgesehen. Für mich kommen heute eigentlich nur noch die wirklich massiven Schlachtschiffe der Marke in Frage, um den Reiz des Neuen aufrechtzuerhalten. Wer aber einen kraftvollen und charakterstarken Klassiker sucht, macht mit dem 4270 absolut nichts falsch. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Marantz 4270
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Bauart | Quadrophonie-Receiver (Stereo-Brückbar) |
| Leistung Stereo | Dauerleistung (8 Ohm) | 2 x 70 Watt (RMS) bei 0,3 % Klirrfaktor |
| Leistung Quadro | Dauerleistung (8 Ohm) | 4 x 40 Watt (RMS) |
| Audio | Frequenzgang / SNR | 7 Hz – 70.000 Hz / über 90 dB |
| Anschlüsse | Eingänge | Phono (2,2 mV), Aux (150 mV), 2x Tape, Dolby In |
| Technik | Besonderheit | Eingebautes Dolby-System, optionales Quadromodul-Fach |
| Maße | Gewicht / Größe | 18,2 kg / 441 x 137 x 400 mm (B x H x T) |
| Historie | Baujahre / Neupreis | 1973 – 1978 / ca. 1.998 DM |
Hallo,
hab‘ dein(en) Review/Bericht zum 4270 grad eben erst entdeckt/gelesen.
Daß der Marantz-Quadro-Klassiker gegen den neuen McIntosh MA-7000 an den gen. Speakern, klangl. eine so gute Figur gemacht hat, ist tatsächlich ein Hammer!
Könntest du darauf nochmal etwas eingehen? In welchem Studio habt Ihr diesen Vergleichstest durchgeführt. welcher CD-Player (oder Plattenspieler?) wurde verwendet.
Also – versteh‘ mich bitte nicht falsch; ich stelle das nicht in Frage – ganz im Gegenteil! Es wär‘ nur klasse, wenn du noch ‚paar Einzelheiten dazu schreiben könntest.
Habt Ihr den 4270 dann im Brücken-Stereo-Betrieb (da stellt er ja dann die volle Ausgangsleistung von 2×70 Watt Sinus zur Verfügung), gegen den MA-7000 antreten lassen?
Also – du kannst definitv sagen, daß der 4270 gegen den MAC im Grunde die klangl. bessere Figur an den IQ’s und der Dynaudio Special-25 gemacht hat?
Das könntst du eigentlich ruhig mal in diesem Thread hier schreiben: http://www.hifi-forum.de/index.php?action=browseT&forum_id=108&thread=9655&back=&sort=&z=43
Ich mein – der MA-7000 hat AUF DEM PAPIER, sehr viel mehr Ausgangsleistung als der gebrückte 4270 und auch, lt. Datenblatt, einen viel höheren Dämpfungsfaktor. Durch die Autoformer am Augang, ist er zudem absolut unerschütterlich, selbst an den komplexesten Lasten.
Daß der 4270 gegen diesen aktuellen MAC dennoch eine so gute Figur gemacht – ich wiederhol‘ mich: Ist im Grunde eine Sensation, oder eben einfach nur ‚der Hammer‘. Schreib‘ das ruhig mal im Hifi-Forum!
Beste Grüße
Bernhard
PS: Ist der 4270 von Helmut Thomas (‚Ruesselschorf‘) überholt worden?
Hallo Bernhard,
den MA 7000 wollte ein Freund von mir kaufen und deshalb bin ich mit. Als der Preis dann doch zu hoch war, konnte der Verkäufer uns beantworten warum er seinen MC verkaufen will. Seine Antwort war eine Marantz Sammlung inkl. der von mir angesprochenen 4270.
Der Vintage- Liebhaber, so auch ich, steht eben auf den vollen und satten Sound ohne Verluste. Der MA 7000 war unglaublich steril und schaffte erst ab einem gewissen Pegel die Bässe der Dynaudio und der I.Qs zubewegen. Beim Marantz ganz anders! Dieser olle Schicken verprügelte (im positiven Sinne) die Bässe der Lautsprecher so gewaltig, dass mir, dem Verkäufer und meinem Freund die Kinnlade nicht mehr zu ging. Nicht falsch verstehen. Ich mag Marantz eigentlich nicht unbedingt. Ich finde es gibt sehr viel bessere. Unter Anderen Sansui. Und deshalb ist es mir wirklich fern, Marantz zu hypen!
Die Lautsprecher standen frei im Raum, zur Rückwand ca. 1,5 Meter und seitlich (pro Seite) ca. 2.5 Meter zu den Wänden. Hörraum ca. 35 m2 und fast leer. Kein Loudness im M und natürlich im Stereobetrieb. Überholt war der Schinken auch, allerdings vom Fachmann vor Ort. Was aber verändert wurde, kann ich nicht sagen. Haben nicht nachgefragt. Es könnte aber durchaus sein, dass mit dem MC etwas nicht gestimmt hat. Weil wir genauso erschrocken vom Ergebnis waren wie Leutchen die meine Besprechung oben lesen. Ich möchte meine Beschreibungen gerne auf meiner Seite belassen.
Wenn einige damit nicht einverstanden ist, können Sie hier gerne, oder in meinem Forum Ihr Senf dazu ablassen.
Falls noch Fragen bestehen, melden.
Gruss
MK