Marantz CD 73
Marantz CD 73 Erfahrungsbericht / Test: Der Showmaster der frühen Digital-Ära
Einleitung: Was macht echte Qualität aus?
Wie definiert man eigentlich Qualität? Über diese Frage lässt sich bei einem guten Glas Wein vermutlich nächtelang philosophieren. Für mich persönlich setzt sich Qualität aus dem ersten, unbestechlichen Gesamteindruck und der kompromisslosen Wahl der verbauten Komponenten zusammen. Der Marantz CD 73 bietet beides in einer Art und Weise, die ihn schlicht unvergesslich macht. Er ist nicht einfach nur ein weiteres Abspielgerät aus der Anfangszeit der Compact Disc; er ist ein massives Statement aus dem Jahr 1983, als die digitale Welt noch in den Kinderschuhen steckte, aber mit maximalem Aufwand zelebriert wurde.
Design und Optik: Ein champagnerfarbenes Prachtstück
Legen wir die Karten direkt auf den Tisch: Optisch ist der CD 73 schlichtweg eine Wucht. In meinen Augen zählt er zu den schönsten Vintage-CD-Playern, die jemals das Licht der Welt erblickt haben. Mit seiner edlen champagnerfarbenen Front – oder der extrem seltenen schwarzen Variante – und dem Meer aus grünen Kontroll-LEDs versprüht er einen Charme, dem man sich als HiFi-Liebhaber kaum entziehen kann. Er sieht teuer aus, er wirkt wichtig und er verleiht jedem Rack eine ganz besondere, fast schon majestätische Aura.
Besonders spektakulär wird es, wenn man die Open-Taste betätigt. Der Lademechanismus ist absolut einzigartig und sorgt heute noch für einen massiven „Wow-Effekt“. Die gesamte Frontlade klappt erst theatralisch nach vorne, bevor sie majestätisch ausfährt. Aber Vorsicht: Die Mechanik hat eine Kraft, die man keinesfalls unterschätzen sollte! Wenn der CD 73 auf einem zu glatten Untergrund stünde und nicht stolze 8 Kilo auf die Waage brächte, könnte er sich beim Ausfahren fast selbst vom Platz schieben. Ein sicherer Stand ist bei diesem Gerät also Pflicht.
Technik: Bewährte Philips-Gene im Luxus-Gewand
Hinter der prachtvollen Fassade steckt – wie fast immer bei Marantz aus dieser Ära – feinste Technik vom Mutterkonzern Philips. Im Inneren verrichtet das legendäre CDM-0 Laufwerk seinen Dienst. Später kam das CDM-1 zum Einsatz, doch beide teilen sich das gleiche Prinzip: Ein Schwenkarm-Antrieb aus massivem Druckguss, der für die Ewigkeit gebaut wurde. Gepaart mit zwei der berühmten TDA 1540D Wandler bietet der CD 73 eine technische Basis, die klanglich auch heute noch viele moderne „Plastik-Player“ blass aussehen lässt.
Klanglich spielt der Marantz wunderbar musikalisch, mit einer Wärme und Ruhe, die typisch für diese frühen 14-Bit-Wandler mit ihrem speziellen Oversampling ist. Er schmeichelt den Ohren regelrecht und lässt einen schnell vergessen, dass man hier eigentlich eine digitale Quelle hört. Die Wiedergabe wirkt niemals scharf oder analytisch-kalt, sondern eher wie ein guter alter Analog-Player, nur eben ohne Knistern.
Kritische Töne: Wo Schatten ist, ist auch Licht
Trotz aller berechtigten Begeisterung muss ich auch ein wenig Wasser in den Wein gießen. Bei einem Gerät, das 1983 stolze 2.600 DM kostete, hätte ich mir an manchen Stellen eine konsequentere Materialwahl gewünscht. Schaut man nämlich hinter die Kulissen, entdeckt man doch recht viel Kunststoff an der Ladekonstruktion und im inneren Gehäuseaufbau. Das trübt den massiven Gesamteindruck bei genauerer Betrachtung ein wenig. Ein Sony CDP-101 aus der gleichen Epoche wirkte hier und da noch einen Tick metallischer und konsequenter verarbeitet.
Marktvergleich und Fazit
Wer heute einen CD 73 sucht, muss tief in die Tasche greifen. Man zahlt zweifellos einen ordentlichen „Design-Aufschlag“. Wer rein auf den Klang fokussiert ist, findet in alten Grundig-Playern mit ähnlichem Philips-Innenleben oder im unterschätzten Braun CD 2/3 günstigere Wege zum Ziel. Aber mal ehrlich: Wer den Charme, das Lichtspiel der LEDs und diesen unvergleichlichen Lademechanismus einmal live erlebt hat, der will keinen Grundig im nüchternen Kunststoffkleid mehr. Der Marantz CD 73 ist eine Zeitmaschine in die goldene Ära des HiFi und ein haptisches Erlebnis. Von mir gibt es eine glasklare Empfehlung für Sammler und Genießer! Ein kleiner Tipp zum Schluss: Achtet beim Kauf unbedingt auf die Funktion der grünen Titel-LEDs – ein Tausch ist bei diesem verbauten Gerät eine echte Strafarbeit.
Gesamttabelle – Marantz CD 73
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | Vintage CD-Player der 1. Generation |
| Wandlung | Technik | 2 x Philips TDA 1540D (14-Bit mit 4-fach Oversampling) |
| Laufwerk | Modell | Philips CDM-0 (Druckguss-Schwenkarmlaufwerk) |
| Audio | Frequenzgang / Klirr | 20 Hz – 20.000 Hz / 0,005 % (THD) |
| Audio | Dynamik / SNR | 90 dB / 90 dB |
| Design | Besonderheit | Theatralischer Frontlademechanismus |
| Maße | Gewicht / Größe | ca. 8,0 kg / 416 x 81 x 300 mm (B x H x T) |
| Historie | Baujahr / Neupreis | 1983 / ca. 2.600 DM |