Philips CD 104
Philips CD 104 Vintage High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Der kleine Panzer aus Belgien
Die Frage, wer den ersten CD-Player auf den Markt gebracht hat, ist in HiFi-Kreisen so etwas wie die uralte Debatte: Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei? Die Sony-Fraktion schreit „Hier!“, die Philips-Jünger halten mit dem CD 100 dagegen. Mir persönlich ist das völlig egal. Wer den ersten Schritt gemacht hat, ist historisch interessant, aber am Ende zählt, wer die Technologie zur Marktreife und Perfektion getrieben hat. Und da muss man ganz klar sagen: Philips hat geliefert, egal wie bieder oder „unattraktiv“ manche ihre frühen Kisten vielleicht finden mögen.
Unterschätze niemals eine graue Maus
Ein Paradebeispiel für diese „Technik vor Optik“-Philosophie ist der Philips CD 104. Auf den ersten Blick wirkt er kompakt, fast schon bescheiden im Midi-Format. Aber wehe, man hebt ihn hoch! Satte 7 Kilogramm bringt dieser Zwerg auf die Waage. Warum? Weil hier nicht mit billigem Plastik hantiert wurde. Das Gehäuse ist massiv, und im Inneren thront das legendäre CDM-1 Gusslaufwerk (oder das frühe CDM-0).
Dieses Laufwerk ist eine mechanische Offenbarung: Ein Schwenkarm aus Druckguss, der den Laser mit einer Präzision über die CD führt, die man heute nur noch in der absoluten Luxusklasse findet. Gepaart mit dem TDA 1540P-Wandler (einem 14-Bit-Wandler, der durch geschicktes Oversampling wie ein 16-Bitter spielt), entsteht hier eine Synergie, die heute Kultstatus genießt.
Braucht man wirklich mehr?
Ganz ehrlich: Eigentlich nicht. Es sei denn, man leidet wie ich an der chronischen Sucht nach den zentnerschweren Panzerkreuzern von Sony (7er Serie lässt grüßen). Aber rein klanglich betrachtet, ist der CD 104 eine Ansage. Durch die Kombination aus dem stabilen Gusslaufwerk und dem musikalischen Wandler spielt dieser Player extrem analog. Er hat eine Ruhe, eine Wärme und eine Detailtreue, die viele moderne, analytisch-kalte Player alt aussehen lässt. Er macht Musik, er analysiert nicht nur Daten.
Meine Begeisterung für den CD 104 wurde noch einmal in eine andere Perspektive gerückt, als ich ihn direkt mit der absoluten Studiomaschine, dem Philips LHH 2000, vergleichen konnte. Der LHH 2000 ist ohne Zweifel der beste CD-Player, den ich jemals gehört habe – ein heiliger Gral. Aber dass der kleine CD 104 in diesem Vergleich nicht völlig untergeht, sondern seinen ganz eigenen, charmanten Charakter bewahrt, sagt alles über seine Qualität aus.
Fazit
Der Philips CD 104 ist ein Stück Technikgeschichte zum Anfassen. Er ist robust, er ist schwer und er klingt verdammt musikalisch. Wer auf das Midi-Design der 80er steht und ein Gerät sucht, das wahrscheinlich noch läuft, wenn moderne Streamer längst Elektroschrott sind, der muss hier zugreifen. Ein echter Wolf im Schafspelz! In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Philips CD 104
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Laufwerk | Typ | Philips CDM-1 (Druckguss-Schwenkarmlaufwerk, Glaslinse) |
| Wandler | Chipsatz | 2 x TDA 1540P (14 Bit mit 4-fach Oversampling) |
| Filterung | Digitalfilter | SAA7030 |
| Audio-Werte | Frequenzgang / SNR | 20 Hz – 20.000 Hz / 96 dB |
| Klirrfaktor | THD | 0,003 % (bei 1.000 Hz) |
| Maße | Gewicht / Format | 7,0 kg / Midi-Format (32,0 x 9,0 x 30,0 cm) |
| Bauzeit | Jahre / Herkunft | 1983 – 1985 / Belgien |
| Historie | Neupreis | ca. 1.150,- DM (1984) |
Hinweis für Käufer: Achtet bei gebrauchten Geräten auf die sogenannten „Griplets“ (Durchkontaktierungen auf den Platinen). Wenn die einmal nachgelötet sind, ist der CD 104 für die nächsten 40 Jahre gerüstet!
Auch ich hatte damals die Kiste: Im damaligen Stammladen kam unser Chefdealer (Gott hab ihn selig) und sagte „möchtest den? kriegst zum Sonderpreis und ich geb Dir 5 Jahre Garantie.“
Was war passiert? Der Player hatte auf der Oberseite eine Macke im Lack (oder war das Beschichtung?) Philips zeigte sich wohl sehr kulant und nochmals auf die Reise brauchte der Player nicht mehr.
Ich schielte seinerzeit vor 34 Jahren gerade auf die Silberlinge… Teufel, das waren 2 große Argumente, die Macke auf dem oberen Blech war mir egal. Stell ich eben ein Automodell druff…
Der gute Philips Made in Belgium hat mich in 10 Jahren nie im Stich gelassen, dann wurde er zum Indianer, der Stammladen hatte (leider) geschlossen und so ging er den Weg alles alten Eisens. Damit konnten selbst in meiner staubigen Bude ein ppp wie ein ppp klingen (was bei Schallplatten immer eher an „Kaminfeuer“ erinnerte, trotz Lencoclean, trotz soviel probierter Chemie).
Ich glaube das war der erste und einzige CD-Player der mir wirklich was bedeutete, ein guter Freund mit der Leichtigkeit und Lebens- und Spielfreude wie sie die Niederländer halt haben. Wer mal dort Urlaub gemacht hat versteht was ich meine…
Die „anderen“ die seitdem kamen und gingen waren einfach nur ne Kiste Elektronik.
Er brachte immerhin einen jahrzehntelangen Thorens-Plattenspielerfan dazu sich ebenfalls einen CD-Player zu holen nachdem er bei uns Beethovens 6. Symphonie hörte. Innerhalb eines Jahres trennte er sich von seinen ganzen Schallplatten, selbst von seinem schönen Thorens.