Sehring 703
Sehring 703 High End Standlautsprecher Erfahrungsbericht / Test: Berliner Präzision im Bauhaus-Gewand
Sehring: Ein echter Geheimtipp für HiFi-Enthusiasten
Für eingefleischte HiFi-Freunde dürfte die Marke Sehring sicherlich ein Begriff sein. Dennoch treffe ich immer wieder auf Menschen, die mit dem Namen Sehring absolut nichts verbinden, obwohl ihr eigener HiFi-Hintergrund durchaus beachtlich ist. Warum ist das so? In den gängigen, großen HiFi-Glatzblättern liest man leider kaum etwas über die kleine, aber feine Lautsprechermanufaktur aus Berlin. Eine rühmliche Ausnahme bildet die Online-Testseite fairaudio, die das größere Modell 903 sehr positiv bewertet hat. Da ich die 903 selbst noch nicht im direkten Vergleich hören durfte, konzentriere ich mich hier voll auf das Modell 703, das zwar schon einige Jahre auf dem Buckel hat, aber klanglich absolut nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.
Ein Kauf mit Hindernissen: 900 Euro und 8 Stunden Autobahn
Vor etwa drei Jahren suchte ich nach einer klanglichen Abwechslung zu meinen gewohnten Hauptlautsprechern von Dynaudio. Doch fast alles, was ich in dieser Zeit ausprobierte – mit der glanzvollen Ausnahme der Vescova von Gauder – konnte mich nicht wirklich überzeugen. Dann stieß ich bei eBay Kleinanzeigen auf ein Paar Sehring 703 in Göttingen. Der Preis war kein Pappenstiel und die Strecke von Stuttgart aus auch kein Katzensprung. Aber das modulare Design im strikten Bauhausstil hatte es mir sofort angetan. Zudem eilte der Marke der Ruf voraus, eine ähnliche Langzeit-Hörfreude wie Dynaudio zu bieten. Nach 900 Euro weniger im Portemonnaie und rund 8 Stunden Fahrt standen diese, meiner Meinung nach wunderschönen, Lautsprecher schließlich in meiner Wohnung.
Designfragen und häusliche Differenzen
Als meine Ex-Frau von ihrem alltäglichen Fitness-Kurs nach Hause kam, hielt sich ihre Begeisterung – gelinde gesagt – in engen Grenzen. Die grauen, in ihren Augen „hässlichen“ Boxen gefielen ihr überhaupt nicht. Nun ja, hätten wir beide damals den gleichen Geschmack gehabt, wären wir vielleicht heute noch zusammen. Jetzt genießt sie ihr Leben, während ich mich bei Tinder umsehe und mich wieder wie 19 fühle. Aber bevor ich hier weiter abschweife und meine Tinder-Erfahrungen teile – was vermutlich Stoff für einen ganz eigenen Blog böte – zurück zum eigentlichen Thema: HiFi.
Verarbeitung und Qualität: Leidenschaft statt Rotstift
Was beim Auspacken und Aufstellen sofort auffällt, ist die hervorragende handwerkliche Verarbeitung. Die Sehring 703 ist konsequent modular aufgebaut: Die Hoch- und Mittelton-Einheit lässt sich abnehmen und theoretisch sogar als separater Kompaktlautsprecher nutzen. Das obere Modul ist über ein cleveres Stecksystem mit dem unteren Bassmodul verbunden. Ein Blick auf die Frequenzweiche offenbart Überraschendes: Sie ist mit extrem hochwertigen Bauteilen bestückt. Warum eine kleine Manufaktur wie Sehring solch erstklassige Komponenten verbaut, während die „Big Player“ der Branche oft an jedem Cent sparen, lässt sich nur mit echter Leidenschaft für das eigene Produkt erklären – ganz ähnlich wie bei Audioplan aus Malsch. Es verwundert daher kaum, dass Sehring-Lautsprecher auch in vielen professionellen Studios als Arbeitswerkzeug geschätzt werden.
Klangerlebnis: Authentizität ohne Verfärbungen
Nachdem alles verkabelt war (als Verstärkung dienten ein T+A PA 1000 Pulsar, ein T+A CD 2000 AC und Kabel von Straight Wire), konnte der Spaß beginnen. Sehring erfindet das Rad beim Lautsprecher-Design vielleicht nicht neu, aber die Natürlichkeit und Neutralität der 703 ist absolut beeindruckend! Stimmen klingen unglaublich authentisch, ohne dass feinste Signale im Hintergrund verloren gehen. Die Raumabbildung gelingt präzise, das Musikgeschehen bleibt stets klar nachvollziehbar, ohne jegliche klangliche Verfärbung. Besonders erstaunlich ist der Bass: Er geht für eine so schlanke Box beeindruckend tief und bleibt dabei staubtrocken. Für mich sind das herausragende Schallwandler, die in meinem persönlichen Ranking sogar meine B&W Nautilus 803 übertreffen.
Fazit: Ein seltener Glücksgriff
Mit dem Kauf eines Paares Sehring 703 macht man definitiv nichts falsch – diese Lautsprecher spielen einfach in einer anderen Liga. Allerdings sei gewarnt: Sie sind ehrlich. Schlechte Aufnahmen klingen auch gnadenlos schlecht. Aber selbst gut gemachte MP3s machen auf den Berlinern noch richtig Freude. Mein nächstes Ziel bleibt trotzdem die 903! Dass man gebrauchte Sehring-Exemplare nur extrem selten auf dem Markt findet, spricht übrigens Bände über die Zufriedenheit der Besitzer. Wer sie einmal hat, gibt sie so schnell nicht wieder her. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Sehring 703
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Bauart | 3-Wege-Standlautsprecher (Modularer Aufbau) |
| Audio | Frequenzgang | 38 Hz – 30.000 Hz |
| Audio | Wirkungsgrad | ca. 87 dB (1 W / 1 m) |
| Elektrik | Impedanz | 4 Ohm |
| Leistung | Belastbarkeit (Nenn/Max) | 120 W / 200 W |
| Maße | Gewicht / Größe | ca. 26 kg pro Stück / 110 x 23 x 30 cm (HBT) |
| Anschlüsse | Terminal | Bananenbuchsen |
| Besonderheit | Konzept | Modulares System, Gehäuse im Bauhausstil |
Moin,
ich besitze auch die Sehring 603.
Sind echt tolle Lautsprecher.
Leider findet man echt wenig darüber im Netz.
Insbesondere zur Aufstellung der LS finde ich nichts.
Evtl. hat ja jemand noch ein paar Daten mehr .
VG