Marantz CD 11
Marantz CD-11 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Ein Panzer im Champagner-Gewand
Meine Erfahrung: Philips-Gene im Marantz-Pelz
Vor einigen Jahren konnte ich mir einen legendären Philips LHH 2000 Studio-CD-Player sichern. Warum ich das erwähne? Weil Marantz damals die Edel-Tochter von Philips war. Holländische Ingenieurskunst traf auf japanische Fertigungsqualität. Der Marantz CD-11 ist ein direktes Kind dieser Ehe – technisch ein Zwilling des Philips LHH 500, nur in einem anderen, prachtvolleren Anzug.
Das Design ist typisch für die frühen 90er: Champagner-Gold und massive Wangen. Auf Fotos wirkt er manchmal etwas altbacken, aber steht man erst einmal vor ihm, ändert sich alles. Das Ding ist ein Bolide. Ein Tresor. Wenn man ihn anfasst, spürt man Kälte, Masse und absolute Wertigkeit. Nichts wackelt, nichts knarzt. Es ist ein Gerät, das für die Ewigkeit gebaut wurde.
Streaming vs. CD: Ein klares Statement
Ich nutze selbst Streaming, habe sogar einen Auralic Aries G 2.1 für 5.500 Euro hier stehen. Aber wenn ich wirklich hören will, greife ich zur CD. Warum? Wegen der Mikrodynamik. Ein Top-Player wie der CD-11 besitzt eine Autorität und Körperhaftigkeit, die selbst teure Streamer oft vermissen lassen. Es ist, als ob beim Streaming immer ein ganz feiner Schleier über der Musik liegt.
Zudem stehen in meinem Regal über 3000 CDs (MFSL, XRCD, ECM). Dank der Unfähigkeit gewisser Internetanbieter (schönen Gruß an Vodafone!) habe ich hier regelmäßig Netzausfälle. Wenn das Internet weg ist, ist der Streamer ein teurer Briefbeschwerer. Mein Marantz CD-11 hingegen lacht darüber: Lade auf, CD rein, Play – das ist Unabhängigkeit und Lebensqualität.
Technik ohne Rotstift: Ein Blick unter die Haube
Der CD-11 bringt fast 17 Kilo auf die Waage und ist vollgestopft mit Technik, die heute kaum noch bezahlbar wäre:
- Das Laufwerk: Philips CDM-4/36. Der heilige Gral der Schwenkarm-Laufwerke aus Guss. Unverwüstlich und liest CDs ein, die andere Player längst ausspucken.
- Der Wandler: DAC7 (TDA1547). Philips‘ Antwort auf den perfekten Bitstream-Wandler. Er klingt musikalisch, fließend und unglaublich präzise, statt analytisch-kalt.
- Aufbau: Reichlich Kupfer zur Abschirmung und ein Chassis-Design, das Vibrationen im Keim erstickt. Ruhe im Gehäuse bedeutet Ruhe im Klangbild.
Technische Daten:
| Kategorie | Spezifikation |
|---|---|
| Baujahre | 1989 – 1994 |
| Originalpreis | ca. 5.300 DM |
| Wandler (DAC) | 2x TDA1547 (DAC7) – Dual Differential Mode |
| Laufwerk | Philips CDM-4/36 (Metall-Druckguss Schwenkarm) |
| Frequenzgang | 20 Hz – 20 kHz (Linealglatt) |
| Ausgänge | Analog (Cinch & XLR symmetrisch), Digital (Koax & Optisch) |
| Gewicht | 16,7 kg (Kampfgewicht!) |
| Maße (BxHxT) | 457 x 140 x 359 mm |
Fazit
Wer heute noch einen Marantz CD-11 in gutem Zustand findet: Zuschlagen! Es ist HiFi-Geschichte zum Anfassen und Hören. Ein Gerät, das zeigt, was möglich ist, wenn Budget keine Rolle spielt und Ingenieure freie Hand haben. Er ist ein technisches Denkmal aus einer Zeit, als noch die Qualität regierte und nicht der Rotstift.
In diesem Sinne…