Carolin Widmann Simon Lepper – Phantasy Of Spring
Carolin Widmann / Simon Lepper – Phantasy Of Spring Hörbericht:
- Label: ECM New Series 2113
- Format: CD, Vinyl, Streaming
- Land: Deutschland
- Veröffentlicht: 25. September 2009
- Genre: Klassik (Moderne, Avantgarde, Kammermusik)
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Das Album „Phantasy of Spring“ ist eine faszinierende Reise an die Grenzen der klassischen Moderne. Carolin Widmann (Violine) und Simon Lepper (Klavier) präsentieren hier ein Programm, das unter der Regie von Manfred Eicher im Auditorio Stelio Molo in Lugano aufgenommen wurde. Die Akustik dieses Raumes ist legendär und bietet die perfekte Bühne für die dichte, oft fragile Musik von Schönberg, Feldman, Zimmermann und Xenakis.
Die musikalische Reise: Von Stille bis Ekstase
Widmann und Lepper sind ein eingespieltes Team. Das hört man in jeder Sekunde. Die Auswahl der Werke deckt eine enorme stilistische Bandbreite ab. Während Morton Feldman den Hörer in eine fast meditative Zeitlupe versetzt, fordert Iannis Xenakis dem Equipment (und den Ohren) alles an Dynamik und Energie ab.
Besonders beeindruckend ist die Aufnahmequalität. Wer wissen will, wie realistisch Geige und Klavier im Raum stehen können, sollte hier reinhören. ECM-typisch ist der Klang glasklar, mit einer unglaublichen Präsenz und feinsten Details, die besonders auf einer High-End-Kette zur Geltung kommen.
Trackliste & Analyse:
1. Morton Feldman – Spring of Chosroes (14:05)
Ein minimalistisches Meisterwerk. Die Musik entfaltet sich extrem langsam, fast schon schwebend. Die Töne stehen lange im Raum, was eine enorme Kontrolle der Interpreten erfordert. Widmanns Spiel wirkt hier zerbrechlich und von einer fast unirdischen Schönheit.
Bernd Alois Zimmermann – Sonate für Violine und Klavier (1950/51)
Zimmermann verbindet hier Einflüsse aus Jazz und Barock mit der Strenge der Zwölftonmusik.
- 2. I Sonata (4:36): Rhythmisch komplex und voller Energie.
- 3. II Fantasia (5:39): Lyrisch, träumerisch und fast improvisatorisch wirkend.
- 4. III Rondo (4:32): Ein dynamischer Abschluss mit fulminantem Finale.
5. Arnold Schönberg – Phantasy Op. 47 (10:01)
Schönbergs Spätwerk von 1949 zeigt die Essenz seiner Zwölftontechnik. Die Violine führt kantige, ausdrucksstarke Linien, während das Klavier weit mehr als nur Begleiter ist – es ist ein ebenbürtiger Partner in einem hochkomplexen Dialog.
6. Iannis Xenakis – Dikhthas (12:50)
Das krasse Gegenteil zum sanften Feldman. Xenakis integriert mathematische Prinzipien und rohe Energie. Es gibt extreme Kontraste zwischen percussiven Klavieranschlägen und eruptiven Violin-Passagen. Ein echter Härtetest für die Impulstreue Ihrer Lautsprecher!
Fazit
„Phantasy of Spring“ ist kein Album für „nebenbei“. Es fordert Aufmerksamkeit, belohnt den Hörer aber mit einer tiefen emotionalen und intellektuellen Erfahrung. Die technische Virtuosität von Carolin Widmann und das feinfühlige Spiel von Simon Lepper machen dieses Album zu einer Referenzaufnahme für zeitgenössische Kammermusik.
Für audiophile Hörer ist dieses Album ein Muss, um die Räumlichkeit und die natürliche Klangfarbenwiedergabe der eigenen Anlage zu prüfen. Wenn die Geige zu scharf klingt oder das Klavier keinen Korpus hat, deckt diese Aufnahme es gnadenlos auf.