Harbeth Monitor 40.3 XD im Test
Harbeth Monitor 40.3 XD – Wenn Weichspüler zum Luxusgut wird
Ein Blick in die Geschichtsbücher: BBC, Sperrholz und der „Klick“
Bevor wir zum aktuellen Modell kommen, müssen wir verstehen, woher dieser Kult kommt. Harbeth wurde 1977 von Dudley Harwood gegründet, der zuvor Leiter der Lautsprecherentwicklung bei der BBC war. Das „Har“ steht für Harwood, das „Beth“ für seine Frau Elizabeth. Die DNA dieser Lautsprecher ist der Rundfunkmonitor.
Die Philosophie dahinter ist das sogenannte Thin-Wall-Design. Während Hersteller wie Magico oder Wilson Audio versuchen, das Gehäuse so tot und massiv wie möglich zu machen, lässt Harbeth das Gehäuse gezielt mitschwingen. Es ist aus dünnem Sperrholz gefertigt und wird durch Bitumenplatten bedämpft. Das Gehäuse wird hier als Teil des Instruments verstanden.
Und dann ist da diese Sache mit dem „klingen“. Wenn man gegen eine Harbeth klopft, oder wenn man die Gehäuseschrauben betrachtet, merkt man, dass hier nichts auf maximale Steifigkeit getrimmt ist. Die Gehäusepaneele sind verschraubt, nicht verleimt. Das sorgt für eine ganz spezifische Resonanzableitung. Warum die so „weich“ klingen müssen? Weil Harwood und sein Nachfolger Alan Shaw der Meinung sind, dass steife Gehäuse Resonanzen in den Mitteltonbereich verschieben, wo das menschliche Ohr am empfindlichsten reagiert. Ein weiches Gehäuse schiebt diese Energie nach unten in den Bassbereich – wo sie dann aber, wie wir noch sehen werden, für ordentlich Matsch sorgen kann.
Die Ahnenreihe der 40er Serie
- Monitor 40: Der Urvater. Ersetzte Ende der 90er den legendären LS 5/8 der BBC. Ein riesiger Drei-Wege-Monitor, der für viele das Ende der Suche war.
- Monitor 40.1: Hier wurde die Frequenzweiche angepasst, um den Lautsprecher etwas „wohnraumfreundlicher“ zu machen, da der Bass der Ur-40er oft alles erschlug.
- Monitor 40.2: Mit der Einführung des RADIAL2-Materials für den Mitteltöner wurde es etwas transparenter, aber das Grundkonzept blieb gleich.
- Monitor 40.3 XD (Xtended Definition): Man verspricht mehr Detailauflösung und eine noch bessere Integration der Treiber. Kostenpunkt? Schlappe 25.000 Euro ohne Ständer.
Technische Daten: Harbeth Monitor 40.3 XD
| Prinzip | 3-Wege Bassreflex-Monitor |
| Tieftöner | 300 mm Harbeth Bass-Einheit |
| Mitteltöner | 200 mm Harbeth RADIAL2™ |
| Hochtöner | 25 mm Ferrofluid-gekühlte Gewebekalotte |
| Frequenzbereich | 35 Hz – 20 kHz, ±3 dB im Freifeld |
| Empfindlichkeit | 86 dB (1W/1m) |
| Nennimpedanz | 6 Ohm |
| Abmessungen (H x B x T) | 750 x 432 x 388 mm |
| Gewicht | 38 kg pro Stück |
| UVP (Paar) | ca. 24.950,- Euro |
Nun, ihr kennt mittlerweile ja auch einen guten Freund von mir, den ich ab und zu erwähne und vieler seiner Entscheidungen ich anfänglich nicht folgen konnte. So wie wir alle ist auch er auf der Suche nach dem perfekten Klang in seiner Wohnung. Er unterteilt in seinen Räumlichkeiten das Klanggeschehen schlicht in „angenehm“ oder „unangenehm“.
Bevor ihr aber jetzt auf falsche Ideen kommt: Er weiß sehr wohl, wie was zu klingen hat. Räumlichkeit, Punch, Holographie und alle anderen Begrifflichkeiten, die ich gerne nutze, um ein Gerät zu beschreiben, das mir gefällt, sind ihm geläufig. Aber er kann damit schlicht nichts anfangen. Er möchte Musik als Hintergrundbeschallung nutzen, ohne dass es ihm auf die Nerven geht. „Auf die Nerven gehen“ bedeutet für ihn schon, wenn es „dynamisch“ wird – also dieser ständige Wechsel zwischen laut und leise. Kurz gesagt: Er ist Loudness-verseucht. Der Dynamikumfang seiner Medien darf im Grunde nicht mehr als 8 dB haben. Nach langer Suche bekam er für einen wirklich guten Kurs die hier besprochene Harbeth 40.3 XD.
Wie die meisten meiner Leser wissen, hatte ich ja selbst mal die Harbeth Super HL5, die mir anfangs auch gut gefallen hatte. Aber am Ende konnte ich die SHL5 einfach nicht mehr hören, weil sie mir viel zu weichgespült war und massenweise Informationen einfach unterschlagen hat. Deshalb war ich umso gespannter, als der besagte Freund mich anrief und meinte, ob ich ihn besuchen mag – die Harbeths seien eingetroffen. Von meiner Seite aus gibt es leider kaum etwas Positives, das ich über die 40.3 XD berichten kann. Der Bass ist super unpräzise, es gibt kaum eine Staffelung, alles wirkt viel zu aufgedickt und viel zu weich. Der Titel „Is Anyone Listening?“ von Bugge Wesseltoft mit Rohey Taalah vom Album Am Are ist für mich zur absoluten Referenz geworden. Insbesondere die Anfangspassage dieses Liedes hat es meiner Meinung nach in sich.
Als ich nun zu Besuch bei ihm war und ich ihn bat, diesen Titel abzuspielen, hat es mich regelrecht schockiert, wie unpräzise dieser Bass auf der Harbeth kam. Anfänglich sagte ich nichts und bat Rainer, kurz die Magico V3 anzuschließen und nochmals diesen Titel abzuspielen. Und ja, meine Freunde! Da liegen Welten dazwischen. Ich weiß, viele Harbeth-Jünger werden jetzt auf die Barrikaden gehen und Pläne schmieden, wie sie mir, dem Autor von mackern.de, das Handwerk legen können – aber ich spreche hier nur das an, was ich für gut und weniger gut befinde.
Bei diesem Song sollte und muss die Anfangssequenz straff sein! Erst dann hört man die Instrumente und die Feindynamik des Pianos. Die Harbeth allerdings überdeckt diese Feinheiten und dickt sowas von auf, als gäbe es kein Morgen. Menschen, die Lautsprecher vom Schlage einer V3 von Magico oder Dynaudio Confidence 5, ATC im Zimmer haben, werden mich verstehen.
Natürlich kann ich der Harbeth nichts abgewinnen, aber für meinen Kumpel sind das genau die Lautsprecher, die er schon lange gesucht hatte. Er braucht nur Hintergrundbeschallung. Als ich mit ihm darüber gesprochen habe, dass das, was die 40.3 XD nicht gut macht, antwortete er wie folgt:
„Die Harbeth-Jünger wollen es genau so. Sobald du den Lautsprechern Präzision beibringst, rennen die davon und laufen bei Harbeth Sturm.“
Also das ist eine bewusste und gewollte Entscheidung, warum die Lautsprecher so klingen, wie sie klingen. Auch vom Hersteller aus. Aber bei aller Liebe! So eine Weichspülercharakteristik bekomme ich auch für deutlich weniger Geld und muss keine tausende Euros ausgeben!