Accuphase E-305V
Accuphase E305V High End Vollverstärker Erfahrungsbericht / Test: Ein Traum in Champagner mit klanglichen Rätseln
Für die meisten HiFi-Enthusiasten führen alle Wege irgendwann zu Accuphase. Auch ich kann mich der Faszination dieser traditionsreichen Marke kaum entziehen. Sobald ich Bilder der wunderschönen Geräte sehe, beginne ich sofort zu träumen. Mittlerweile konnte ich bereits einige ältere Verstärker dieser Manufaktur probehören und testen – darunter den E-303, P-266 oder den legendären P-500L! Letzterer war einfach nur grandios, aber eben auch extrem selten und kostspielig.
Vor einigen Wochen konnte ich den hier besprochenen E-305V in Heilbronn erwerben. Obwohl die Fernbedienung fehlte, war der Preis alles andere als niedrig. Wenn man vor einem Accuphase steht, fühlt es sich erst einmal an, als würde man in der Sahara gerade ein erfrischendes Glas Wasser trinken.
Die klangliche Ernüchterung
Doch meine Freude währte nicht lange. Die klanglichen Eigenschaften in Verbindung mit meiner Dynaudio Contour 3.0 waren kaum zu ertragen! Super langweilig! Keine Emotionen, und die Stimmen vermischten sich so stark mit den anderen Instrumenten, dass keinerlei Freude aufkam. Also stellte ich die Dynaudios zur Seite und ließ meine Coral DX 11 erneut antreten. Doch auch hier: keine Besserung!
Eigentlich sind die Corals superdynamische Lautsprecher, aber was war nur los? Ich brachte den Accuphase zu einem Freund zur Überprüfung. Sein Urteil nach einer Woche: „Die Parameter stimmen laut Plan, ich habe keine Defekte gefunden!“ Also startete ich zu Hause einen erneuten Test, doch auch diesmal stellte sich einfach keine Freude ein. Ich hielt sechs Monate lang an dem Gerät fest, bis ich schließlich die Hoffnung aufgab und ihn gegen einen zweiten Pioneer A-27 eintauschte.
Vergleiche und Fazit
Ich verstehe nicht, wie jemand Gefallen am E-305V finden kann – für mich war er schlichtweg so unendlich langweilig, dass er nie wieder in mein Haus kommen wird. Auch wenn mich jetzt einige Accuphase-Jünger steinigen werden: Meine Meinung bleibt bestehen. Ein Symphonic Line RG14 oder ein alter RG9 spielen den E-305V derart an die Wand, dass man sich fragen muss, was die Entwickler sich dabei gedacht haben. Sogar ein Marantz PM-14 oder ein kleiner Linn Klassik Movie Di zeigen diesem Accuphase klanglich, wo es langgeht!
Was man dem E-305V allerdings absolut zugutehalten muss, ist seine herausragende Verarbeitungsqualität, sowohl äußerlich als auch im Innenleben. Optisch und haptisch ein Meisterwerk, klanglich für mich jedoch eine Enttäuschung. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Accuphase E-305V
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Leistung (8 / 4 Ohm) | Dauerleistung (RMS) | 2 x 130 Watt (8Ω) / 2 x 180 Watt (4Ω) |
| Audio-Werte | Frequenzgang / THD | 20 Hz – 20.000 Hz (+0/-0,2 dB) / 0,02 % |
| Phono-Sektion | MM / MC | MM: 4,38 mV (47kΩ) / MC: 140 µV (100Ω) |
| Signalrauschabstand | SNR | Tuner/Aux: 102 dB / Phono MM: 80 dB / MC: 78 dB |
| Kontrolle | Dämpfungsfaktor | 100 (an 8 Ohm) |
| Anschlüsse | Eingänge | Phono, Tuner, Aux, 2x Tape, Symmetrisch (XLR), Main-In |
| Maße | Gewicht / Größe | 20,5 kg / 47,5 x 17,0 x 37,5 cm (BxHxT) |
| Historie | Bauzeit / Neupreis | 1990 – 1993 / ca. 5.500,- DM |