Sony CDP XA3ES

Sony CDP XA3ES

Sony CDP-XA3ES High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Die Einstiegsdroge in den ES-Olymp

Sony XA3ES: Der vernünftige Bruder der Giganten

High-End-CD-Player gibt es wie Sand am Meer, und jeder Hersteller behauptete in den 90ern, das Rad neu erfunden zu haben. Doch nur wenige konnten sich so konstant mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis durchsetzen wie Sony mit seiner legendären ES-Serie (Elevated Standard). Wenn dieses goldene Kürzel auf der Front prangt, weiß man in der Regel: Hier gibt es Qualität.

Der hier besprochene XA3ES ist der direkte Nachfolger der klassischen 3er-Reihe (wie X333ES, X303ES) und markierte Mitte der 90er den Einstieg in die neue Design-Ära der XA-Serie. Er ist der kleine Bruder des gefeierten XA5ES und des Über-Players XA7ES. Aber ist er deshalb schlecht? Keineswegs. Er ist der vernünftige Kauf für alle, die Sony-Sound wollen, ohne einen Kredit aufzunehmen.

Laufwerk: Standard statt Puck-Magie

Hier muss man ehrlich sein: Der größte Unterschied zu den großen Brüdern (XA5, XA7, XA50) liegt im Laufwerk. Während die Großen den legendären Fixed Pickup Mechanism nutzen, bei dem man einen schweren Puck auf die CD legt und der Laser feststeht, muss der XA3ES mit einer herkömmlichen Schublade auskommen. Er hat keinen Puck, der die CD stabilisiert.

Ist das ein Nachteil? Haptisch: Ja. Es fehlt dieses zelebrierte Ritual beim Einlegen. Technisch? Nicht unbedingt für den Alltag. Die Schublade des XA3ES öffnet sich extrem schnell, aber dennoch geschmeidig und leise. Die Einlesegeschwindigkeit ist Sony-typisch rasend schnell. Zudem ist der hier verbaute Laser (oft ein KSS-240A oder ähnlich) deutlich günstiger und einfacher zu beschaffen als die exotischen Einheiten der großen Modelle. Das macht den XA3ES heute zum wartungsfreundlicheren Gerät!

Optik und Haptik: Der 90er-Jahre Sparstift?

Äußerlich finde ich den XA3ES wirklich ansprechend. Das Design mit der zentralen Lade und den leicht abgerundeten Oberkanten wirkt moderner als die alten „Briketts“ der 80er Jahre. In Schwarz wirkt er professionell, in Champagner (Gold) einfach nur edel.

Aber – und das ist ein großes Aber für Fans von „Heavy Metal“: Wenn man den Deckel lupft oder das Gerät anhebt, merkt man, dass in den 90ern der Rotstift regierte. Ein alter CDP-X333ES wog über 10 Kilo, war vollgestopft mit Kupfer und hatte riesige Trafos. Der XA3ES bringt „nur“ noch 6,6 Kilo auf die Waage. Das Innere wirkt im Vergleich zur alten 3er-Serie fast schon erschreckend leer. Auch die wunderschönen Holzseitenteile, die früher Standard waren, fielen hier weg (oder waren nur optional). Er wirkt nicht mehr wie ein Panzer, sondern „nur noch“ wie ein sehr gutes HiFi-Gerät.

Klang: Typisch Sony ES

Doch lassen wir uns vom Gewicht nicht täuschen. Klanglich schenken sich die neue und die ältere Serie kaum etwas. Sony hat es geschafft, den typischen „House Sound“ zu bewahren:

Der XA3ES spielt extrem neutral, präzise und dynamisch. Der Bass ist trocken und konturiert, die Höhen lösen fein auf, ohne zu nerven (was bei ganz alten Sony-Playern manchmal ein Problem war). Er nutzt die fortschrittlichen Current Pulse D/A-Wandler, die für ein sehr sauberes Klangbild sorgen.

In dieser Preisklasse spielt er auch heute noch auf sehr hohem Niveau. Er zeigt einmal mehr, warum Sony diese Player damals wie warme Brötchen verkauft hat. Er macht nichts falsch. Er ist der perfekte Allrounder.

Fazit: Kaufen oder lassen?

Keine Frage, der XA3ES ist ein toller Player für einen erschwinglichen Preis. Er ist die ideale „Einstiegsdroge“ in die Welt von Sony ES. Wer jedoch das volle Programm an Haptik, das Puck-Laufwerk und die Panzerschrank-Verarbeitung will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen und zum XA5ES oder XA50ES greifen.

Für alle anderen, die einfach nur gut Musik hören wollen und ein zuverlässiges Gerät suchen, gibt es von mir eine klare Empfehlung. Er ist der Golf GTI unter den CD-Playern: Sportlich, zuverlässig, macht Spaß, aber kostet nicht die Welt. In diesem Sinne…

Technische Daten:

  • Modell: Sony CDP-XA3ES
  • Hersteller: Sony (Japan)
  • Baujahre: ca. 1994 – 1996
  • Wandler: Current Pulse D/A Converter
  • Frequenzgang: 2 – 20.000 Hz (± 0,3 dB)
  • Dynamikbereich: > 100 dB
  • Signal-Rauschabstand: > 118 dB (Hervorragende Stille!)
  • Klirrfaktor: 0,0018 %
  • Kanaltrennung: > 110 dB
  • Ausgänge:
    • Analog (Cinch/RCA) – Variabel und Fix
    • Digital Optical (Toslink)
    • Digital Coaxial (Cinch)
    • Kopfhörer (6,3mm Klinke, regelbar – und zwar motorisch per Fernbedienung!)
  • Leistungsaufnahme: 17 Watt
  • Abmessungen: 430 x 125 x 345 mm
  • Gewicht: 6,6 kg (Netto)
  • Fernbedienung: Ja (meist RM-D921)
  • Besonderheiten: Custom File Funktion, Jog Dial für schnelle Titelwahl