Philips CD 100

Philips CD 100

Philips CD 100 Vintage High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Der Urknall im Wohnzimmer

Wer war der Erste – Philips oder Sony?

Diese Frage ist der Stoff, aus dem HiFi-Stammtisch-Diskussionen gemacht sind. War es der Sony CDP-101 oder der Philips CD 100? Für Technikenthusiasten mag das Datum der Markteinführung (Oktober 1982 in Japan für Sony, November 1982 in Europa für Philips) interessant sein, aber letztlich spielt es heute keine große Rolle mehr. Fakt ist: Beide Firmen haben das Medium „Compact Disc“ erschaffen. Aber Philips hat mit dem CD 100 etwas geschaffen, das mehr ist als nur ein Abspielgerät. Es ist eine Ikone des Industriedesigns und der Startschuss für eine Ära.

Ein Toaster? Ein Laborgerät? Nein, pure Haptik!

Wenn man den CD 100 heute sieht, wirkt er wie aus der Zeit gefallen – und gleichzeitig ultramodern. Er hat nicht das typische 43cm-Rastermaß. Er ist klein, kompakt und verdammt schwer für seine Größe. Das Gehäuse besteht aus Metall und hochwertigem Kunststoff, die Tasten haben diesen wunderbaren, mechanischen Druckpunkt, den man heute vergeblich sucht. Und das Beste: Er ist ein Top-Loader!

Vergesst wackelige Plastikschubladen, die nach zehn Jahren klemmen. Beim CD 100 öffnet man manuell die massive Klappe, legt die CD ein, schließt den Deckel und drückt „Play“. Das ist ein Ritual, ähnlich wie beim Auflegen einer Schallplatte. Die grünen LEDs (Cullmann-LEDs) zeigen den Fortschritt an. Das ist haptischer Genuss pur.

Das Herzstück: CDM-Laufwerk und TDA 1540

Warum wird dieser kleine Kasten heute noch für vierstellige Summen gehandelt? Wegen dem, was unter der Haube steckt. Philips erlangte mit seinen CDM-Laufwerken (CDM-0 und CDM-1) Weltruhm. Das sind keine billigen Zahnrad-Antriebe, sondern Schwenkarm-Laufwerke aus Guss. Der Laser bewegt sich nicht auf einer Schiene, sondern wird wie ein Tonarm über die CD geschwenkt. Diese Laufwerke sind praktisch unzerstörbar und lesen selbst CDs, die als Bierdeckel missbraucht wurden, oft noch fehlerfrei ein.

Nicht ohne Grund haben High-End-Legenden wie McIntosh, Burmester, Revox und Spectral damals bei Philips eingekauft und genau diese Laufwerke in ihre sündhaft teuren Boliden eingebaut.

Gekrönt wird das technische Meisterwerk durch den hauseigenen TDA 1540D-Wandler. Hier scheiden sich die Geister: Es ist „nur“ ein 14-Bit-Wandler. Sony hatte damals schon 16-Bit. Aber Philips war schlau: Durch massives Oversampling (4-fach) erreichten sie rechnerisch ebenfalls die 16-Bit-Auflösung. Und das Ergebnis gibt ihnen bis heute Recht: Viele Audiophile schwören, dass der TDA 1540 (bzw. 1540D Keramik) der musikalischste Wandler ist, der je gebaut wurde.

Der Klang: Digital mit Seele

Deshalb sind Philips CD-Player dieser Ära heute noch so hoch geschätzt. Die Nachfrage reißt nicht ab. Viele Liebhaber von Vintage-HiFi schätzen den analogen Klang, den diese frühen Geräte erzeugen. Es ist ein Klangbild, das warm, fließend und natürlich wirkt. Es fehlt diese klinische Schärfe, dieses „Gläserne“, das viele moderne Delta-Sigma-Wandler haben. Es klingt fast so, als würde man eine sehr gute, rauschfreie Schallplatte hören. Es ist Musik, keine Datenanalyse.

CD 100 vs. CD 101: Die Evolution

Oft wird in einem Atemzug der Nachfolger, der Philips CD 101, genannt. Äußerlich fast identisch, gab es im Inneren kleine Verbesserungen (vor allem beim Hitzemanagement und leicht veränderter Wandler-Beschaltung). Der CD 100 wurde im Betrieb nämlich gerne mal gut warm. Für Sammler ist der CD 100 („Der Urvater“) meist das begehrtere Objekt, aber klanglich bieten beide ein absolut überzeugendes Erlebnis. Wer einen CD 101 findet: Zugreifen! Er steht dem 100er in nichts nach.

Fazit: Ein Stück Geschichte

Der Philips CD 100 ist ohne Zweifel ein Meilenstein. Durch die wachsende Beliebtheit bei Sammlern wird er immer seltener. Er ist nicht nur ein Relikt aus der frühen Ära der digitalen Musikwiedergabe, sondern ein Stück Technikgeschichte, das auch heute noch große Freude bereitet. Er repräsentiert eine Zeit, in der Ingenieure das Sagen hatten und nicht die Buchhalter. Wer einen hat: Behalten. Wer einen will: Geduld und Geld mitbringen.

Technische Daten:

  • Modell: Philips CD 100
  • Baujahre: 1982-1984 (Markteinführung Ende ’82)
  • Hergestellt in: Holland / Belgien (Eindhoven/Hasselt)
  • Typ: Top-Loader (Manuelle Klappe)
  • Laufwerk: Philips CDM-0 (Später CDM-1), Guss-Schwenkarm mit Glaslinse
  • Wandler: 2x Philips TDA 1540D (14-Bit Monoschaltung mit 4-fach Oversampling)
  • Filter: SAA 7030
  • Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz (± 0,3 dB)
  • Dynamikbereich: > 90 dB
  • Kanaltrennung: > 86 dB
  • Klirrfaktor: < 0,005 %
  • Abmessungen: 320 x 73 x 267 mm (BxHxT) – Midi-Format
  • Gewicht: ca. 5 kg (Massiv!)
  • Neupreis ca.: 2.300,- DM (Damals ein Vermögen!)
  • Anschlüsse: 1x Cinch-Ausgang (festes Kabel oder Buchsen, je nach Version)
  • Besonderheiten: Keine Fernbedienung (gab es erst später oder beim Marantz-Bruder CD-63), Spielt CD-R problemlos (dank der guten Fehlerkorrektur)