Klein und Hummel OX
Klein und Hummel OX Monitorlautsprecher Erfahrungsbericht / Test: Ein Stück deutsche Studiogeschichte
Einleitung: Wiedergabetreue als Lebensaufgabe
Im Jahr 1935 schrieb ein erst 18-jähriger Walter Hummel einen Satz in der Zeitschrift „Funkillustrierte“, der heute noch als Fundament für alles gelten kann, was wir unter echtem HiFi verstehen: „Die Wiedergabe muss so gut sein, dass sie besonders in der Klangfarbe der Originaldarbietung entspricht. Deshalb reden wir von Wiedergabetreue.“ Diese frühe Erkenntnis macht mir den Mann unendlich sympathisch. Umso trauriger stimmt es mich, dass der legendäre Name Klein + Hummel im Jahr 2009 faktisch vom Markt verschwand. Das immense Know-how wird zwar unter dem Label Neumann (Sennheiser) weitergeführt, aber dass die einstige Mannschaft von K+H die Segel streichen musste, ist ein herber Verlust für die deutsche Audio-Landschaft. Eine Marke mit dieser Historie einfach einzustellen, schmerzt jeden Vintage-Liebhaber.
Neutralität als Werkzeug und Herausforderung
Die meisten Lautsprecher aus dem Hause K+H wurden primär für den professionellen Einsatz in Studios und Regieräumen entwickelt. Ihr Ruf eilt ihnen bis heute voraus: Sie gelten als unbestechlich neutral. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Ein Lautsprecher sollte Signale im Idealfall vollkommen ohne Verfälschungen wiedergeben. Für viele Musikhörer ist das jedoch gewöhnungsbedürftig, da der „Spaßfaktor“ auf der Strecke bleiben kann. Wenn eine schlechte Aufnahme gnadenlos entlarvt wird, macht das Hören mancher Lieblingstitel plötzlich keine Freude mehr.
Doch was ist High End eigentlich? Für mich persönlich bedeutet es vor allem Spaß an der Musik! Wenn man nur noch verkrampft vor der Anlage sitzt und analysiert, was bei der Produktion alles schiefgelaufen ist, könnte man 90 % der weltweiten Musikstücke direkt in die Tonne klopfen. Musik sollte uns in eine andere Welt entführen, uns entspannen und genießen lassen. Dennoch liebe ich Hersteller wie Dynaudio oder eben Klein + Hummel, die es schaffen, Studioqualität zu liefern, ohne dabei die Seele der Musik zu opfern.
Die OX unter der Lupe: Restaurierung und Serienunterschiede
Bisher hatte ich leider selten die Gelegenheit, K+H ausführlich zu hören – mal eine O 98 bei einem Freund, und nun die OX bei einem Bekannten namens Kelvin. Kelvin hat sich extrem intensiv mit der OX beschäftigt, sie aufwendig restauriert und tief in der Historie gegraben. Seiner Meinung nach sind die Modelle unter der Seriennummer 600 die klanglich besseren. Ein Blick auf die Platinen im Netz bestätigt zumindest optisch, dass die Frequenzweichen der früheren Serien deutlich aufwendiger bestückt waren. Auch bei den passenden V 30 Monoblöcken gab es wohl verschiedene Röhrenbestückungen von EL500 bis EL34 – wobei letztere mir persönlich klanglich oft eine Spur zu kühl sind.
Höreindruck: Präzision gegen Volumen
Ich konnte das Paar OX leider nur im passiven Modus genießen. Ein interessantes Phänomen zeigt sich beim Gehäuse: Mit fest verschraubter Rückwand agiert der Bass extrem präzise und trocken, lässt aber spürbar an Volumen vermissen. Nimmt man die Rückwand jedoch ab, gewinnt das Klangbild massiv an Tiefe und Fülle. Die Mitten und Höhen spielen wunderbar transparent und offen, ohne jemals nervig zu werden, auch wenn sie für meinen Geschmack einen Tick zu präsent waren. Das Schöne an der aufwendigen Frequenzweiche ist jedoch, dass man hier fast jede gewünschte Raumanpassung vornehmen kann.
Was die OX wirklich auszeichnet, ist ihre unbestechliche Wiedergabetreue. Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann ist es das Basschassis, das den fantastischen Mittel- und Hochtönern nicht ganz ebenbürtig scheint. Es ist sehr hart aufgehängt und spielt punktgenau, aber es fehlt ihm einfach ein wenig an „Schwung“ und Volumen. Ich bin mir jedoch sicher, dass die OX im aktiven Betrieb mit den V 30 Monos noch einmal ein ganzes Stück über sich hinauswachsen würde. Ein abschließendes Urteil fällt schwer, da die volle Potenz dieses Systems wohl erst in der aktiven Kette zum Tragen kommt.
Gesamttabelle – Klein + Hummel OX
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Bauart | 3-Wege Studio-Monitor (Passiv/Aktiv-Option) |
| Bestückung | Chassis | Hochwertige Studio-Treiber (z.T. Alnico) |
| Audio | Charakteristik | Extrem neutral, hohe Wiedergabetreue |
| Technik | Anpassung | Umfangreiche Frequenzweichen-Regelung |
| Gehäuse | Besonderheit | Variabler Bass durch abnehmbare Rückwand |
| Historie | Serieninfo | Modelle < SN 600 gelten als besonders hochwertig |
| Maße | Format | Kompakt-Monitor für Ständer- oder Wandmontage |
| Herkunft | Herstellungsland | Made in Germany |