Pioneer PD 93
Pioneer PD 93 High End CD Player Erfahrungsbericht / Test: Der Urushi-Kaiser
Einleitung: Ist das Pioneers absolutes Meisterstück?
Freunde der schweren HiFi-Kunst, wir müssen mal ganz offen reden. Wir blicken zurück auf eine Ära, in der das Prädikat „High End“ noch bedeutete, dass man sich beim bloßen Hochheben des Gerätes fast einen Leistenbruch hob. Die Rede ist vom Pioneer PD-93. In seinem Heimatland Japan lief dieser Bolide als PD-5000 vom Band, doch bei uns in Europa und den USA durfte er unter dem stolzen „ELITE“-Label als PD-93 die Wohnzimmer dominieren. Es ist ein Gerät, das heute wie ein Monument aus einer Zeit wirkt, in der Rotstift-Diktate in den Entwicklungsabteilungen noch ein Fremdwort waren.
Optik und Haptik: Ein Klavier zum Abspielen von CDs
Das Erste, was einem unweigerlich ins Auge springt und dort auch haften bleibt, ist das berühmte Urushi-Finish. Dieser tiefschwarze, hochglänzende Klavierlack, kombiniert mit den edlen Holzwangen in Rosenholz-Optik, macht die Pioneer-Geräte dieser Epoche so unverwechselbar. Man liebt diesen Look oder man hasst ihn – ein Dazwischen gibt es eigentlich nicht. Ich persönlich finde es ausgesprochen gelungen; es strahlt eine Wertigkeit aus, die man heute mit der Lupe suchen muss. Während die japanische Version mit einem eher kühlen blauen Display protzte, leuchtet unsere EU-Variante in einem warmen Bernstein-Orange. Das ist natürlich Geschmackssache, aber beides sieht verdammt sexy aus.
Die Verarbeitung ist schlichtweg ein Traum. Hier klappert nichts, rein gar nichts. Die Tasten besitzen Druckpunkte, die für die Ewigkeit definiert wurden. Und die Schublade? Die fährt nicht einfach profan auf und zu. Sie gleitet – lautlos, satt und wie auf unsichtbaren Luftfedern. Das ist haptischer Genuss in Reinform für jeden Technik-Nerd.
Das Innere: Eine Materialschlacht ohne Kompromisse
Nimmt man den massiven Deckel ab, wird einem erst richtig klar, warum dieses Hobby so süchtig machen kann. Das Innenleben des PD-93 lässt selbst den kleineren, ebenfalls genialen PD-91 wie ein Spielzeug wirken. Pioneer hat hier alles aufgefahren, was gut, teuer und technisch sinnvoll war. Ein vollständig verkupfertes „Honeycomb-Chassis“ mit Wabenstruktur erstickt jede Resonanz im Keim. Die Audio-Boards sind symmetrisch im Dual-Mono-Layout aufgebaut – Kanaltrennung in Perfektion.
Hinzu kommen kupfergeschirmte Filterkondensatoren – ein Aufwand, den heute kaum noch ein Hersteller betreibt – und ein vergoldeter Motor mit Keramikwelle für das Laufwerk. Um störende Streufelder von der sensiblen Elektronik fernzuhalten, wurden die riesigen Transformatoren sogar außerhalb des eigentlichen Gehäuses in einem eigenen Abteil untergebracht. Das Resultat dieser Materialschlacht sind satte 15,2 Kilogramm audiophile Qualität. Würde man heute versuchen, ein Gerät in dieser Fertigungstiefe zu produzieren, wäre das Preisschild vermutlich fünfstellig. Das ist kein Consumer-Produkt, das ist feinster Maschinenbau.
Der Klang: Die Magie der Burr-Brown Wandler
Klanglich ist dieser Monster-Player eine feste Größe im HiFi-Olymp. Im Herzen schlagen die legendären Burr-Brown PCM63 Wandler. Für viele Enthusiasten, mich eingeschlossen, sind das die musikalischsten Multibit-Wandler, die jemals das Licht der Welt erblickt haben. Sie klingen niemals steril oder klinisch-kalt, sondern besitzen Körper, Schmelz und eine unglaubliche Autorität im Bassbereich.
Damals wurde der PD-93 in den einschlägigen Fachmagazinen oft gegen das Sony-Schlachtschiff CDP-X77ES getestet. Das Ergebnis war meist ein Patt auf allerhöchstem Niveau, wobei der Pioneer oft durch seine noch konsequentere Verarbeitungsqualität und den massiven Kupfereinsatz punktete.
Das ewige Duell: Pioneer PD-93 gegen Sony CDP-X707ES
Nun steht mein ewiger Favorit, der Sony CDP-X707ES, im direkten Vergleich zum Pioneer in meinem Rack. Ich mache es kurz: Für mich persönlich gewinnt am Ende ganz knapp der Sony. Das ist jedoch rein subjektiv begründet. Der Sony entspricht mit seinem eher technokratischen Design mehr meinem persönlichen Geschmack als das glänzende Urushi-Kleid. Zudem bin ich ein großer Fan der extrem schnellen Linearmotor-Laufwerke von Sony.
Klanglich schenken sich diese beiden Giganten absolut nichts. Dennoch hatte ich oft den Eindruck, dass beim Sony die Musik noch ein Quäntchen mehr „aus der Tiefe“ kommt und er eine minimal holografischere Bühne aufspannt. Aber Hand aufs Herz: Das ist Jammern auf einem Niveau, das jenseits von Gut und Böse liegt. Auf dem Papier und im Hörraum sind beide perfekt.
Fazit: Ein Denkmal der HiFi-Geschichte
Der Pioneer PD-93 ist ein wunderbarer Player, der einen Ehrenplatz in der „Hall of Fame“ der HiFi-Produkte verdient hat. Es ist ein Stück Geschichte, das man heute leider immer seltener in gutem Zustand findet. Wer einen gepflegten PD-93 ergattern kann: Kaufen, pflegen und niemals wieder hergeben. Solche Geräte werden in dieser Form nie wieder gebaut. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Pioneer PD-93
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | High End CD-Player (Urushi-Serie) |
| Wandlung | Wandler-Chip | 2 x Burr-Brown PCM63P-K (20-Bit Linear) |
| Audio | SNR / Klirr | 115 dB / 0,0015 % (THD) |
| Audio | Frequenzgang | 2 Hz – 20.000 Hz |
| Konstruktion | Chassis | Vollverkupfertes Honeycomb-Chassis (Wabenstruktur) |
| Anschlüsse | Ausgänge | Analog (Cinch), Digital (Optisch & Koaxial) |
| Maße | Gewicht / Größe | 15,2 kg / 459 x 151 x 435 mm (B x H x T) |
| Historie | Baujahre / Neupreis | 1990 – 1993 / ca. 2.500 DM |