Accuphase P260

Accuphase P260

Accuphase P 260 High End Endstufe Erfahrungsbericht / Test: Champagner-Träume und die Suche nach der Reinheit

Einleitung: Über Luxuswasser und goldenes HiFi

Champagner-Finish, Gold-Optik, ein bisschen Glitzer und jede Menge Bling-Bling – das sind genau die Attribute, die das Herz vieler Frauen (und so manches HiFi-Enthusiasten) höher schlagen lassen. Falls ihr jetzt aber auf die Idee kommt, eurer besseren Hälfte zum anstehenden Hochzeitstag einen dicken Accuphase-Boliden unter den Gabentisch zu wuchten… lasst es lieber bleiben. Keine gute Idee. Aber beim Stichwort „Bling“ muss ich unweigerlich an ein Erlebnis in Paris denken. Ich wollte mir im Supermarkt eigentlich nur eine Tüte Chips besorgen, stolperte aber in der Wasserabteilung über die Marke „BLING“. Ein Wasser ohne jegliche Zusätze, kein Fluorid, rein gar nichts – außer Wasser. Die 0,7-Liter-Flasche kostete sagenhafte 55 Euro. Unterm Schicht ist es nur H2O, auch wenn es extrem rein ist. Wenn ich Accuphase nun diesen Status zuschreibe, wäre das vielleicht nicht ganz fair – oder doch? Schließlich ist der Klang eines Accuphase so rein wie dieses Wasser, und beim Kilopreis dürften sich beide Produkte auch nicht viel schenken. Nur bekommt man „BLING“ wohl kaum gebraucht.

Die P-260: Der Vorgänger der legendären P-266

Die hier vorgestellte P-260 ist die direkte Vorgängerin der P-266. Optisch muss ich gestehen, dass mir die Nachfolgerin ein Stück besser gefällt, obwohl ich eigentlich kein großer Fan von Drucktasten bin. Im reinen Class-A-Betrieb liefert die P-266 etwa 10 Watt Sinus mehr an 4 Ohm ab. Ob sich das klanglich wirklich bemerkbar macht? Ich wage es zu bezweifeln. Technisch sind sich beide Verstärker extrem ähnlich. Wenn man vor der Wahl steht, sich einen dieser beiden Klassiker zu gönnen, wird am Ende vermutlich allein die persönliche Vorliebe für die Optik den Ausschlag geben.

Wartung und die ewige Suche nach dem Grundton

Bei meinem Exemplar der P-260 gab es anfangs kleine Probleme: Die Potis kratzten vernehmlich und verursachten gelegentlich Kanalausfälle. Also gab ich das gute Stück zu einem fähigen Techniker, um die Regler wieder auf Vordermann bringen zu lassen. Nach getaner Arbeit behielt der Spezialist den Verstärker noch einige Tage zum Probelaufen bei sich, konnte dem Accuphase klanglich aber rein gar nichts abgewinnen. Sein Urteil: Es fehle massiv an „Grundton“. Wer meine Seite aufmerksam liest, wird bemerkt haben, dass ich schon öfter über Leute geschrieben habe, die verzweifelt nach dem Grundton suchen – an dieser Stelle ein freundlicher Gruß in die Runde.

Für mich persönlich spielt dieser Accuphase jedoch ganz hervorragend. Kombiniert man ihn mit einer guten bis sehr guten Vorstufe, agiert er nicht nur extrem kontrolliert, sondern auch absolut musikalisch. Es ist in meinen Augen ein ganz hervorragender Endverstärker, der genau das tut, was er soll: Er spielt sauber, unbestechlich und rein.

Gebrauchtmarkt-Realität und Fazit

Allerdings muss ich bei einem Blick auf die aktuellen Gebrauchtpreise, die für die P-260 oder die P-266 aufgerufen werden, doch kräftig schlucken. Ich frage mich ernsthaft, ob manche Verkäufer noch in der Realität leben. Nicht falsch verstehen: Beide Endstufen sind klasse Geräte. Aber in den Preisregionen, in denen sie teilweise gehandelt werden, gibt es mittlerweile zahlreiche Alternativen auf dem Markt, die man unbedingt zum Vergleich heranziehen sollte. Kurz gesagt: Die P-260 ist ein toller Endverstärker, aber für das Geld, das manch einer verlangt, gibt es eben auch andere Mütter mit sehr schönen Töchtern. Wer ein ehrliches Exemplar zum fairen Kurs findet, sollte dennoch zuschlagen. In diesem Sinne…


Gesamttabelle – Accuphase P-260

Kategorie Merkmal Daten / Beschreibung
Prinzip Bauart Stereo Endstufe (Umschaltbar Normal/Class-A)
Leistung Normal Dauerleistung (8 Ohm) 2 x 130 Watt RMS (20Hz – 20kHz, 0,01% Klirr)
Leistung Class-A Dauerleistung (8 Ohm) 2 x 30 Watt RMS (reiner Class-A Betrieb)
Audio Frequenzgang / SNR 20 Hz – 20.000 Hz (+0/-0,2 dB) / 120 dB
Audio Dämpfungsfaktor 80 (IHF, 20Hz – 20kHz)
Technik Bestückung 33 Transistoren, 16 FETs, 4 ICs
Maße Gewicht / Größe 19,7 kg / 445 x 160 x 390 mm (B x H x T)
Verbrauch Leistungsaufnahme max. 490 W (Normal) / ca. 210 W (Class-A)

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