Wir geben Unsummen für Kabel aus, die dick sind wie Feuerwehrschläuche, und diskutieren nächtelang über den Ruhestrom von Endstufen, die älter sind als wir selbst. Aber wenn es um die digitale Suppe geht, die aus unseren Fernsehern oder günstigen Streamern schwappt, drücken wir beide Augen zu. „Ist ja digital“, heißt es dann oft, „Nullen und Einsen, da kann man nichts machen.“
Nachdem wir in Teil 1 die Grundlagen der digitalen Diplomatie zerlegt haben, gehen wir heute dorthin, wo es wehtut: In die Praxis. Wir klären das wohl größte Missverständnis der modernen Streaming-Welt: Warum deine Anlage plötzlich stabil spielt, wenn du die Qualität scheinbar „senkst“ – und warum selbst das teuerste CAT8-Kabel machtlos gegen einen feigen Software-Handshake ist.
Am ersten und zweiten Weihnachtstag bin ich natürlich damit beschäftigt zu arbeiten. Als eine One Mann Show ist es nicht immer leicht, vor allem dann nicht, wenn das alles so umfangreich ist, wie ich das hier betreibe. Nun, am zweiten Tag des Weihnachten liege ich vor meiner Anlage und entspanne mit Music etwas. Natürlich höre ich mir eine Scheibe von ECM an.
Schon der erste Titel „80 Horses“ pumpt einen so was von weg, das ist der absolute Wahnsinn! Unfassbar, was für eine Explosion gegen Ende dieses Titels abgefeuert wird. Traumhaft! Noch geiler ist es natürlich, wenn die heimische Anlage diese Stimmung nicht nur einfängt, sondern den Zuhörer vollkommen spüren lässt.
Nun ist es schon wieder 02:00 am Morgen und ich bin wider wach. Was macht man dann? Natürlich erstmal Kaffee trinken und die große Anlage starten. Draußen ist es still, das Stromnetz ist sauber, und die Transistoren kommen langsam auf Temperatur. Eigentlich wollte ich mal wieder nur ein bisschen Hintergrundbeschallung, aber dann passierte es:
Heute war der Rainer – mein treuer HiFi-Komplize – wieder zu Gast, um über die großen Fragen der High-End-Welt zu philosophieren. So sehr wir uns bei der Technik einig sind, gibt es musikalisch eine kleine „Jazz-Barriere“: Rainer ergreift bei Saxofon und Besen-Schlagzeug eher die Flucht. Wenn er da ist, lassen wir die Anlagen also meist mit feinstem Deep House oder Dub Techno warmspielen
Hand aufs Herz: Wir alle lieben diesen Moment, wenn der Vorhang aufgeht. Wenn die Anlage nicht mehr nach Technik klingt, sondern nach Musik. Und weil wir Hifiholiker sind, suchen wir immer nach dem nächsten Fix. Nach dem nächsten 1%, das uns noch tiefer in den Sessel drückt. Die Industrie weiß das. Und sie liefert. Neuerdings ganz oben auf der Speisekarte: Netzwerkswitches mit internen oder externen Clocks.
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