NAD S300
NAD S 300 High End Vollverstärker Erfahrungsbericht / Test: Ein 28-Kilo-Bolide mit Hindernissen
Vorfreude auf die Neuanschaffung
Wenn eine Neuanschaffung ansteht, freut man sich und kann kaum abwarten, bis das gute Stück endlich im Regal steht. Bei diesem NAD war die Vorfreude besonders groß, da ich überzeugt war, dass dieser 28-Kilo-Vollverstärker hervorragend zu meinen Dynaudio-Lautsprechern passen würde.
Der Kauf und die Enttäuschung
Ich ersteigerte das Gerät auf eBay als defekt. Der Verkäufer hatte vermerkt: „Es lässt sich nicht mehr einschalten.“ Gut, dachte ich, das könnte möglicherweise nur an einer oder mehreren Sicherungen liegen. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus. Nachdem das Gerät gut verpackt bei mir ankam und ich die Sicherungen ausgetauscht hatte, musste ich mir eine bittere Erkenntnis eingestehen.
Mein Techniker gab nach drei Monaten frustrierter Arbeit auf und berichtete, dass das Gerät nicht reparierbar sei – jedenfalls nicht von ihm. Er stellte fest, dass die linke Endstufe schwingt und regelmäßig die Transistoren frisst. Zudem bezeichnete er den Aufbau als qualitativ minderwertig, was ich mir bei NAD kaum vorstellen konnte. Recherchen ergaben jedoch, dass Gryphon für NAD an diesem Modell gearbeitet hatte und der Verstärker „Tabu“ ein ähnliches Layout aufweist. Ein NAD-Spezialist lachte nur herzhaft, als er von der S300 hörte; viele dieser seltenen Modelle tauchen heute nur noch als defekte Geräte auf.
Nachtrag vom 21.01.2015: Das späte Glück
Fast ein Jahr später ist mein S300 endlich repariert und funktioniert einwandfrei! Wie bereits vermutet, ist die Verarbeitungsqualität dieses Geräts außergewöhnlich und hält nun endlich, was sie verspricht. Als Liebhaber von Vintage-Geräten schätze ich Verstärker, die kräftig spielen können – und zwar nicht nur laut, sondern vor allem auch bei leisen Pegeln.
Klangliche Eigenschaften: Punch, Druck und Musikalität
Ich genieße es, die Konturen in allen Frequenzlagen klar herauszuhören, und genau das kann der S300 außergewöhnlich gut. Er verschluckt keinerlei Töne und ist im Vergleich zu einem Marantz PM-14 kein Weichspüler. Dennoch spielt er gefällig und ohne Härte. Er bietet alles, was ich erwarte: Punch, Druck, Leichtigkeit und eine enorme Musikalität.
Ein Verstärker muss auch bei niedrigen Lautstärken überzeugen. Vergleicht man die klanglichen Eigenschaften eines Accuphase P300 + C200, E-303 oder eben dieses NAD S300 bei niedrigen Pegeln mit kleineren Vintage-Geräten, wird schnell deutlich, was ich meine. Für mich gehört dieser NAD zu den besten Verstärkern seiner Gattung, die ich je besessen habe. Er macht so viel richtig und kaum etwas falsch!
Gesamttabelle – NAD S 300
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Leistung (8 Ohm) | Dauerleistung (RMS) | 2 x 100 Watt |
| Leistung (4 Ohm) | Dauerleistung (RMS) | 2 x 200 Watt |
| Schaltung | Besonderheit | Zero negative feedback (Keine Gegenkopplung) |
| Aufbau | Konfiguration | True Dual Mono mit 2 Ringkerntransformatoren |
| Audio-Werte | Frequenzgang / THD | DC – 250 kHz (±3dB) / < 0,07% |
| Kontrolle | Dämpfungsfaktor | > 110 (ref. 8 Ohm, 50Hz) |
| Anschlüsse | Eingänge | Balanced (XLR) & Single-ended (RCA) vergoldet |
| Maße | Gewicht / Größe | 28,0 kg / 45,0 x 15,0 x 39,5 cm (BxHxT) |