Dynaudio Finale

Dynaudio Finale

Dynaudio Finale High End Bausatz-Lautsprecher Erfahrungsbericht / Test: Gewaltige Monumente aus der DIY-Ära

Einleitung: Als Dynaudio noch die Bastler bediente

Es gab eine Zeit, in der Dynaudio ganz offiziell Bausätze und einzelne Chassis zum Verkauf anbot – eine Tatsache, die für den einen oder anderen HiFi-Veteranen sicherlich nichts Neues ist. Ich muss allerdings gestehen: Selbstbauprojekte haben nie wirklich meinen Reiz geweckt. Mir fiel es immer schwer, die Qualität der geleisteten Arbeit bei solchen Projekten einzuschätzen. Wurde wirklich alles fachgerecht umgesetzt? Wurde an der Weiche gespart oder beim Gehäuse gepfuscht? Kann man bei einem Bausatz überhaupt etwas falsch machen, solange man keine zwei linken Hände hat? Die hier besprochenen Finale-Lautsprecher erwarb ich schließlich zu einem recht hohen Preis, schlicht weil sie aus meiner unmittelbaren Nähe stammten und das prestigeträchtige Label Dynaudio trugen. Hätte ich allerdings vorher gewusst, dass diese Monster über 160 cm in die Höhe ragen, hätte ich mir die Mühe vermutlich gar nicht erst gemacht.

Logistik und erste Zweifel

Die Räumlichkeiten, um solche Lautsprecher-Monster adäquat unterzubringen, habe ich heute leider nicht mehr. Nun gut, dachte ich mir, schauen wir mal, wie sich diese Trümmer in einem 20-qm-Raum schlagen. Schon auf dem Heimweg mischte sich eine leichte Enttäuschung über die schiere Größe in meine Vorfreude. Am Sonntagvormittag war es dann so weit: Ich musste meinen Nachbarn aus dem Bett klingeln, damit er mir hilft, diese verdammt großen Tröten ins Zimmer zu wuchten. Seine Hilfe kostete mich am Ende eine Einladung zum Frühstück – was ich natürlich gerne gemacht habe. Er war mindestens genauso gespannt wie ich, was diese Lautsprecher bei dieser Größe und der hochwertigen Chassis-Bestückung leisten würden. Technisch ist die Finale als geschlossenes System konzipiert, bei dem der untere Bass passiv mitschwingt.

Chassis-Bestückung und klangliche Abstimmung

Wenn man sich die Bestückung anschaut, wirkt das Konzept eigentlich ziemlich durchdacht: Ab 1000 Hz übernimmt ein potenter Konus-Mitteltöner, darüber arbeitet die berühmte Dynaudio-Kalotte. Dennoch ist mir beim Hören sofort aufgefallen, dass die Mitten über die Frequenzweiche etwas zurückgenommen wurden. Das finde ich persönlich sehr bedauerlich. Mit einer etwas lauteren Abstimmung der Mitten wäre die Kombination bei dieser Bestückung ein absoluter Volltreffer gewesen. Vermutlich entsprach diese eher zurückhaltende Mittenwiedergabe dem Klangideal des Erstbesitzers – so ein bisschen taurus-soundmäßig. Abgesehen von diesem kleinen Mangel spielen die Lautsprecher aber genau so, wie ich es mag: offen, neutral und extrem transparent.

Bassgewalt: Wenn die Hosenknöpfe aufgehen

Angetrieben wurden die Riesen von einer NAD-Kombi aus der Silverline-Serie (S200 und S100). Diese Kombination verleitete mich förmlich dazu, es mal so richtig krachen zu lassen. Bei dem Song „Dreamcatcher“ von Tyke und dem Lautstärkeregler auf 14 Uhr passiert etwas Magisches: Da gehen einem nicht nur die Hosenknöpfe auf, man beschallt gefühlt auch gleich noch die Nachbar-Diskothek mit. Die Bassgewalt, die diese Gehäuse abgeben, ist schlicht extrem! Es spielt so unglaublich druckvoll und tief, dass man fast ein natürliches Donnern nachahmen kann. Wenn ich jedoch ganz kritisch vergleiche, muss ich sagen, dass die Bässe meiner Contour 2 MK II insgesamt präziser und transparenter wirken. Das Gesamtkonzept der Finale ist dennoch sehr gut – man hört hier Dynaudio, und zwar in einer unglaublich gewaltigen Ausführung.

Fazit: Zu groß für meine Welt

Letztendlich waren mir die Lautsprecher aufgrund ihrer schieren Größe und stellenweise auch wegen der speziellen klanglichen Abstimmung leider nichts für die Ewigkeit. Deshalb sind sie auch schneller wieder von dannen gezogen, als es mir eigentlich lieb war. Wer aber den Platz hat und auf massive Dynaudio-Power steht, für den ist die Finale ein echtes Erlebnis.


Hintergrund: Der Dynaudio Finale Bausatz

Aspekt Details
Konzept Offizieller High-End DIY-Bausatz von Dynaudio (Chassis, Weiche, Pläne).
Zielgruppe HiFi-Enthusiasten mit handwerklichem Geschick und Sinn für Individualität.
Technik Geschlossenes System mit Passivmembran-Unterstützung im Bassbereich.
Klangcharakter Typische Dynaudio-Tugenden: Offenheit, Neutralität und enorme Pegelfestigkeit.
Status heute Gesuchtes Sammlerstück für Liebhaber von Vintage-High-End und DIY-Geschichte.
Dimensionen Imposante Bauhöhe von über 160 cm (je nach Gehäuseausführung).

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