Sony TA E77ESD
Sony TA-E77ESD Vorstufe Erfahrungsbericht / Test: Ein digitaler Vorreiter der ES-Ära
Der Sony TA-E77ESD: Ein Meilenstein unter den Vorverstärkern
Wenn man die ganz großen ESPRIT-Vorverstärker der absoluten Oberklasse einmal außen vor lässt, markiert der TA-E77ESD einen wichtigen Punkt in der Sony-Historie: Er war der erste echte Vorverstärker von Sony seit den späten 70er-Jahren. Interessanterweise gab es in Japan vor der Einführung der legendären 77er-Kombi nie ein einziges ES-Gerät zu kaufen. Das untermauert die Vermutung, dass Sony damals nur die wirklich hochwertigen Produkte für den anspruchsvollen heimischen Markt in Japan vorbehielt. Da die N/E 77ESD-Kombi jedoch auch in Japan vertrieben wurde, deutet das darauf hin, dass diese Vorstufe Qualitäten bietet, die selbst ein extrem verwöhnter japanischer HiFi-Liebhaber zu schätzen wüsste.
Anschlusswunder und Designfragen
Die Anschlussmöglichkeiten sind für ein Gerät aus den späten 80ern unglaublich vielfältig und zukunftssicher gestaltet: Digitale Ein- und Ausgänge (Coaxial), Adapter IN und OUT sowie eine Flut an analogen Schnittstellen sind vorhanden. Mit ihrer Kennziffer „77“ ist sie natürlich der ideale Partner für die optisch gewaltige und leistungsstarke Endstufe Sony TA-N77ES.
Über das Design des Vorverstärkers lässt sich allerdings trefflich streiten. Ich persönlich finde es nicht besonders gelungen – vor allem im direkten Vergleich zur imposanten Endstufe mit ihren riesigen VUs. Man könnte fast meinen, hier wären völlig unterschiedliche Designer-Teams am Werk gewesen. Letztlich bleibt es natürlich Geschmackssache, aber neben der Endstufe geht die E77ESD optisch fast ein wenig unter. Qualitativ gibt es hingegen absolut nichts zu meckern: Die Verarbeitung ist typisch Sony ES – robust, schwer und von hoher Qualität. Auch wenn man im Inneren der Endstufe vielleicht ein noch aufgeräumteres Bild hätte zeichnen können, punktet die Vorstufe mit dem klanglich beeindruckenden und resonanzarmen G-Chassis (Gibraltar Chassis).
Die Odyssee des Kaufs: HiFi-Leidenschaft vs. Familienfrieden
Meine Kombi habe ich damals von einem netten Herrn übernommen, der sie interessanterweise gelegentlich als Partyverstärkung nutzte. Umso erstaunlicher war es, dass die Geräte trotz dieser Nutzung in einem nahezu neuwertigen Zustand waren. Der Verkäufer schätzte seine HiFi-Kette am Ende aber so sehr, dass ich beim ersten Besuch fast mit leeren Händen nach Hause gefahren wäre. Es war gar nicht so einfach, das meiner besseren Hälfte zu erklären: Man ist an einem Sonntag fünf Stunden unterwegs, um ein kaum noch erhältliches Gerät zu kaufen, und kommt dann nur mit einem Coffee-to-Go-Becher heim. Wir HiFi-Enthusiasten lassen uns eben manchmal extrem von unserer „Haben-Wollen“-Mentalität leiten. Aber ein guter Rat unter Freunden: Man sollte die Wünsche der Partnerin nicht unterschätzen. Es bringt am Ende nichts, die seltensten Geräte im Rack stehen zu haben, wenn die Liebste mit Kind und Kegel das Weite sucht.
Klangcharakter: Natürlichkeit ohne Anstrengung
Was die klangliche Performance angeht, kann ich vorab sagen: Die Lautsprecherwahl ist für die Sony-Kombi eher nebensächlich, da sie sehr universell aufspielt. Ich empfinde die Vorstufe als sehr neutral abgestimmt, ohne dass sie in eine übermäßige, nervige analytische Strenge verfällt. Alles bleibt in einem sehr angenehmen Rahmen und wirkt niemals so anstrengend wie manche andere High-End-Vorstufe, die einem jedes Detail regelrecht ins Ohr prügelt. Sie spielt wirklich sehr natürlich und in keiner Weise künstlich. Im direkten Vergleich zur Denon DAP-5500 Vorstufe ist die Sony für mich klanglich die deutlich bessere Wahl. Eine klare Kaufempfehlung für ES-Fans!
Gesamttabelle – Sony TA-E77ESD
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | Digitaler Stereo-Vorverstärker (ES-Serie) |
| Audio | Frequenzgang | 3 Hz – 300 kHz (beeindruckende Bandbreite) |
| Audio | Klirrfaktor / SNR | 0,001 % / ca. 105 dB (Line) |
| Digital | Wandler | Eingebauter Doppel-D/A-Wandler |
| Anschlüsse | Schnittstellen | Phono MM/MC (anpassbar), 3x Video, S-Video, Digital Coax In/Out |
| Maße | Gewicht / Größe | 13,0 kg / 47,0 x 13,0 x 37,0 cm (BxHxT inkl. Wangen) |
| Optik | Besonderheiten | Schwarzes Finish, abnehmbare Holzwangen, G-Chassis |
| Historie | Baujahr / Neupreis | ab 1987 / ca. 2.500,- DM |