Acoustic Research P10
Acoustic Research P10 Endstufe Erfahrungsbericht / Test: Ein Kraftpaket im Plastikkleid
Acoustic Research: Innovation und Historie
Acoustic Research, abgekürzt AR, war Anfang der 50er Jahre im Lautsprecherbau extrem innovativ und hielt sogar ein Patent für einen besonders klirrarmen Basslautsprecher. Zudem gehörte AR zu den ersten Herstellern, die Rundum-Lautsprecher produzierten und somit als Vorlage für Marken wie Braun oder Klein & Hummel dienten. Mir fällt spontan die legendäre AR 3a als Kompaktlautsprecher ein, die heute noch viele HiFi-Freunde klanglich in den siebten Himmel schweben lässt, weshalb auch die Preise in den letzten Jahren förmlich durch die Decke geschossen sind.
Diese Information hat zwar erst einmal nichts direkt mit der Endstufe zu tun, die hier besprochen wird, zeigt aber eines ganz deutlich: Wenn man als Hersteller irgendwann auf billigste Produktion setzt, verliert man am Ende. Das strafen die Konsumenten früher oder später gnadenlos ab. Bitte nicht falsch verstehen, die P10 ist nicht wirklich billig, aber die Kunststofffront hinterlässt doch einen faden Beigeschmack. Beim „Befummeln“ des Amps kommt leider keine echte haptische Freude auf.
Technik: Eine Proton im AR-Gewand?
Im Inneren der P10 arbeitet eigentlich ein Proton D1200. Was ich von der Proton halte, könnt ihr in meinen anderen Berichten nachlesen. Allerdings sind die Trafos in der Proton doch anders als die in der P10. Wohlmöglich wollte AR sich die teuren und hervorragenden Trafos der D1200 nicht leisten. Dennoch ist das Gerät in konsequentem Doppel-Mono aufgebaut und bietet pro Kanal 22.000 µF Siebung. 2 x 100 Watt an 8 Ohm sind ebenfalls beachtlich und dürfen nicht unterschätzt werden. Die P10 ist zudem laststabil und konnte einige meiner schweren Lautsprecher antreiben, ohne dabei ins Wanken zu geraten. Doch einer Kappa 8 oder 9 würde ich die AR P10 nicht zumuten – das sind dann doch Kaliber, die nach ganz anderer Stromlieferfähigkeit verlangen.
Der Flohmarkt-Schnapper und die kleine Notlüge
Meine P10 habe ich – kaum zu glauben – auf einem Flohmarkt ergattert. Und das in einer Zeit, in der man auf Flohmärkten oft nur noch Gabeln, Messer oder kleine bellende Spielzeughunde findet, die einen daran erinnern, dass sich wirklich jeder Schrott verkaufen lässt. Meine P10 hat mich nicht viel gekostet, da ich damit argumentieren konnte, dass dieses Gerät ja fast nur aus Plastik besteht und mir die Marke völlig unbekannt sei. Ja, ich habe gelogen – aber die Verkäufer wollen oft mehr Geld, als die Kisten tatsächlich wert sind. Wenn einer für einen Yamaha CA 2010 sagenhafte 1.000 Euro will, ohne zu wissen, ob er überhaupt noch angeht, versteht ihr sicher meine Notlüge.
Klangcheck: Dynamik braucht Pegel
Als dieser 15-Kilo-Verstärker zum Testen ins Regal geschoben wurde, hatte ich natürlich hohe Erwartungen – zumindest ähnlich wie bei der Proton D1200, die immer noch eine meiner Lieblingsendstufen ist. Als Lautsprecher dienten die Dynaudio Compound 2, als Signalgeber der Sony CDP-X779ES. Auf eine Vorstufe hatte ich bewusst verzichtet. Wie erwartet spielte die P10 offen, dynamisch und druckvoll. Doch erst ab einer Lautstärke von etwa 11 Uhr am Volumenregler des Sonys entstand im Bassbereich das Volumen, das die Compound eigentlich ausmacht.
Leises Hören war in dieser Kombination leider nicht wirklich befriedigend. Und wie meine fleißigen Leser wissen, stehe ich auf die leisen Töne. Erst wenn die Dynamik und die Informationsfülle auch bei geringem Pegel nicht verloren gehen, ist es für mich ein guter Verstärker. Natürlich könnte man das mit einer Vorstufe samt Loudness-Funktion ausgleichen, aber ich stehe auf so etwas absolut nicht. Dennoch ist die AR P10 eine gute Endstufe und liegt preislich auf dem Niveau einer D1200. Und wenn ich die Wahl hätte… ratet mal, für welche Endstufe ich mich entscheiden würde. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Acoustic Research P10
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | Stereo Endstufe |
| Leistung (8 Ohm) | Nennleistung | 2 x 100 Watt RMS |
| Technik | Aufbau | Doppel-Mono-Konstruktion |
| Kapazität | Siebung | 22.000 µF pro Kanal |
| Maße | Gewicht | ca. 15,0 kg |
| Optik | Frontmaterial | Kunststofffront (Schwarz) |
| Besonderheit | Verwandtschaft | Basierend auf Proton D1200 (abweichende Trafos) |
| Klangcharakter | Eigenschaft | Offen, druckvoll, benötigt gewissen Grundpegel |