In der High-End-Audio-Welt hat sich ein extrem lukratives Geschäftsfeld etabliert: der „audiophile“ Netzwerk-Switch. Zu Preisen, für die man anderswo hervorragende Lautsprecher bekommt, werden uns aus dem Vollen gefräste Aluminiumgehäuse, ofengesteuerte Super-Clocks (OCXO) und lineare Netzteile präsentiert. Das Versprechen der Marketing-Texter: Schwärzere Bässe, eine dreidimensionale Bühnenabbildung und musikalischere Höhen, weil das digitale Signal von „Netzwerk-Jitter“ und Störgeräuschen befreit werde.
Vor einigen Wochen passierte etwas, das bei vielen in der HiFi-Szene wohl für blankes Entsetzen sorgen dürfte. Ein mir bekannter Händler hatte ein Paar Pioneer S-1EX im Angebot. Als ich diese Trümmer sah, zögerte ich nicht lange und machte ihm ein Tauschangebot: Meine Sonus Faber Guarneri Memento im direkten Tausch gegen die Pioneer.
Vor einigen Monaten klingelte mein Telefon. Dran war ein Freund aus dem Norden – hi Adam! –, der mich mit der typischen Schnäppchenjäger-Nervosität in der Stimme fragte, ob ich mal eben in meiner Region ein paar Lautsprecher und HiFi-Geräte abholen könnte. Er hatte da gerade was auf Kleinanzeigen geschossen. Wie das so ist, wenn man selbst einen vollen Terminkalender hat: Leider konnte ich nicht so schnell reagieren. Zuerst meinte ich noch zu ihm, er solle den Verkäufer bitten, den Termin auf morgen zu verschieben, dann würde ich das erledigen.
Ich weiß nicht genau, wann das passiert ist, aber nach einer Zeit habe ich mich tatsächlich im Jazz wiedergefunden. Und damit meine ich nicht zwingend das klassische Jazz, was aus den USA kommt und nach den immer gleichen Mustern gestrickt ist. Sondern dieses andere Jazz – fernab der typischen US-Klänge. Es ist dieses atmosphärische, eintauchende Jazz,
XTC (Crosstalk Cancellation) und die gehörrichtige Lautstärke nach ISO-226 haben wir erfolgreich im Mackern Physics Lab (MPL) abgehakt. Die Werkzeuge sind geschärft, die Theorie sitzt. Jetzt begeben wir uns in ein Terrain, in dem sich die Spreu der echten Audio-Wissenschaft endgültig vom Weizen der HiFi-Esoterik trennt: Die Phase.
Wer von euch kennt Chesky Records nicht? Wenn wir über absolute akustische Maßstäbe und audiophile Referenzklasse sprechen, ist David Chesky der „Godfather of binaural sound“. Die Aufnahmen, die dort – oft in akustisch perfekten Kirchen oder speziellen Räumen – produziert werden, fangen Rauminformationen mit einer atemberaubenden, dreidimensionalen Präzision ein. Sie nutzen dafür Kunstkopfmikrofone (Dummy Head Recording), die exakt das aufzeichnen, was an den Trommelfellen eines menschlichen Zuhörers im Raum ankäme.
Um euch kurz abzuholen: Labels wie ECM spielen gerne mit der Atmosphäre. Das bedeutet, dass über Phase und Zeit extrem viel Räumlichkeit suggeriert wird – also wie tief, hoch und breit die Bühnendarstellung vermittelt wird. Wenn unser Raum nun sehr viele Reflexionen hat, zerstört das diese empfindliche Phase. All das Schaffenswerk des Studios wird zunichtegemacht und wir bekommen Musik präsentiert, die in unserem Ohr überhaupt keinen Sinn mehr ergibt.
Neueste Kommentare